{"id":9043,"date":"2018-11-16T00:00:13","date_gmt":"2018-11-15T22:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=9043"},"modified":"2018-11-16T00:00:13","modified_gmt":"2018-11-15T22:00:13","slug":"farbe-gegen-kriegerdenkmaeler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=9043","title":{"rendered":"Farbe gegen Kriegerdenkm\u00e4ler"},"content":{"rendered":"<p><strong>L\u00fcchow-Dannenberg<\/strong>, Oktober + November 2018<\/p>\n<blockquote><p>In der Nacht auf den 03. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, haben wir im Wendland (Landkreis L\u00fcchow-Dannenberg, Niedersachsen) an verschiedenen Orten mehrere Kriegerdenkm\u00e4ler attackiert.<\/p>\n<p>Dass es bei den Ehrenm\u00e4lern nicht um Trauer geht, ist offensichtlich. So \u00fcberbieten sich die Innschriften gegenseitig an Widerlichkeit und stellen einen Schlag ins Gesicht aller Opfer der deutschen Angriffskriege dar.<!--more--> Grade jetzt, in Zeiten eines weiteren Rechtsrucks der Gesellschaft, wird es immer wichtiger, da einzuhaken, wo sich agressiver Nationalismus hinter harmlos wirkender Folklore versteckt, uns nicht zu scheuen, traditionsbewussten B\u00fcrgern immer wieder auf die Nerven zu gehen und die Probleme an den Wurzeln zu packen: Volkst\u00fcmelei existiert nicht nur in der AfD und auf Nazi-Demonstrationen, sondern \u00fcberall um uns herum!<\/p>\n<p>Am 18. November ist \u201cVolkstrauertag\u201d. An diesem Feiertag versammeln sich diverse nationalistische Gruppen bis hin zu offenen Neonazis an den Ehrenm\u00e4lern, um gemenisam ihre deutschen Werte zu zelebrieren: Stolz, Ehre, M\u00e4nnlichkeit &amp; Vaterland. Wir rufen dazu auf, bis zu diesem Termin m\u00f6glichst viele der Betonkl\u00f6tze, Steinsoldaten, Eisernen Kreuze und Steelen mit Farbe anzugreifen oder gleich ganz zu zerst\u00f6ren, um den Schweinebanden ihre Feiern zu vermiesen! Auch in anderen Regionen wimmelt es von \u201cDenkm\u00e4lern\u201d. Wir rufen euch dazu auf, es uns gleich zu tun!<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4sy6ebszykvcv2n6.onion\/node\/24892\">Indymedia<\/a> (Tor)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>In der Nacht auf den 17. November haben wir erneut und vorerst zum letzten mal mehrere sogenannte \u201cEhrenm\u00e4ler\u201d im Landkreis L\u00fcchow-Dannenberg mit Farbe attackiert. Vor sechs Wochen fingen wir an, im Landkreis koordiniert Ehrenm\u00e4ler anzugreifen. Mit einem Aufruf auf de.indymedia.org begr\u00fcndeten wir unsere Aktionen und riefen zu \u00e4hnlichen Taten bis zum 18. November, dem sogenannten \u201cVolkstrauertag\u201d, auf. Seitdem hat es allein unserem gesicherten Kenntnisstand nach mehr als ein Dutzend der Steinkl\u00f6tze, Grabimitationen, Schrifttafeln und Plastiken getroffen.<\/p>\n<p>In einem Kommentar in der lokalen Elbe-Jeetzel-Zeitung wurde uns unter Anderem vorgeworfen, wir br\u00e4chten keine Argumente vor. Wir m\u00f6chten unsere Irritation \u00fcber dieses Argument ausdr\u00fccken und fragen, welche Argumente die Steine selber, die wir angegriffen haben, mit sich f\u00fchren. Aus den Steinen selbst gehen sie nicht hervor, welche Argumente hatten die Aufstellenden also? Wurden sie mit Argumenten aufgestellt, in einem demokratischen Prozess der Mitbestimmung aller Betreffenden gar? Zuzutrauen w\u00e4re es den Deutschen ja. In der jetzigen, international unz\u00e4hlige male anzutreffenden Form stellen die Denkm\u00e4ler eine Glorifizierung von Angriffskrieg, Rassenwahn und Vernichtungsantisemitismus dar. Wir kennen die Argumente hierf\u00fcr zur Gen\u00fcge, wie wir die Verharmlosungen, das Nichtwahrhabenwollen, das Verleugnen, die Schuldumkehr und die Abwehr kennen, die in diesem Land kultiviert wurden, nachdem die Welttournee der Wehrmacht auf unbestimmte Zeit ausgesetzt werden musste. Weder die Millionen von Opfer der deutschen Kriege, noch die dokumentierten V\u00f6lkermorde, angefangen beim V\u00f6lkermord an den Herero und Nama, noch die verheerenden Niederlagen waren den Deutschen Argument genug. Sie stellten trotzdem ihre Steine auf.<\/p>\n<p>Die Ekelhaftigkeit, die sich seit Jahrzehnten in den Denkm\u00e4lern manifestiert als unter der Hand vorbehaltene M\u00f6glichkeit, im Namen von Ehre und Vaterland aufs Neue loszuziehen, bekommt in der gegenw\u00e4rtigen Periode neuerliche Brisanz. In L\u00fcneburg findet von der Stadt veranstaltet jedes Jahr am \u201cVolkstrauertag\u201d am Mahnmal f\u00fcr die NS-Opfer eine Gedenkfeier statt. Seit zwei Jahren nimmt die AfD an dieser Veranstaltung teil, um die Opfer des Faschismus zu dem\u00fctigen und ein w\u00fcrdiges Gedenken mit ihrer Anwesenheit zu verunm\u00f6glichen. Bei einer \u00e4hnlichen Veranstaltung zum 9. November, der bis heute als fr\u00f6hliches Scheibeneinschmei\u00dfen verharmlosten Mordnacht von 1938, lief k\u00fcrzlich der Berliner AfD-Mann Andreas Wild mit einer blauen Kornblume am Revers mit, einem Erkennungsmal der bis zum Anschluss verbotenen \u00f6sterreichischen Nationalsozialisten. In diesem Jahr will zudem der AfD-Mann und Holocaustleugner Wilhelm von Gottberg in L\u00fcneburg eine Geschichtsrevisionistentagung abhalten, ebenfalls zum &#8220;Volkstrauertag&#8221;. Im letzten Jahr besa\u00df die Partei in L\u00fcneburg die Dreistigkeit, an diesem Mahnmal f\u00fcr die Opfer des Nationalsozialismus einen Kranz &#8220;f\u00fcr unsere gefallenen deutschen Soldaten&#8221; abzuwerfen, wobei &#8220;deutsche Soldaten&#8221; besonders hervorgehoben war, und damit Opfer und T\u00e4ter in eins zu setzen. Doch all das w\u00e4re halb so schlimm, wenn der Nationalismus, die Bereitschaft zur als Vaterlandsliebe verkl\u00e4rten Provinzialit\u00e4t, Uneinsichtigkeit und Verantwortungslosigkeit nicht auch abseits der rechtsradikalen Partei fr\u00f6hlichst gedeihen w\u00fcrde. Der Rechtsruck wildert in allen politischen Spektren, macht fr\u00fcher undenkbares normal und schmiedet B\u00fcndnisse, auf deren M\u00f6glichkeit jahrzehntelang stets nur ernsthafte Antifaschistinnen und Antifaschisten hingewiesen hatten. Im Namen der Demokratie k\u00f6nnte die L\u00fcneburger Stadtspitze schon morgen mit einem Holocaustleugner zusammen der Opfer des Nationalsozialismus &#8220;gedenken&#8221;. &#8220;An einem Gedenkort denkt man an die Opfer. Aus Respekt&#8221;, kommentierte dieses Szenario ohne jede Scham j\u00fcngst der Journalist Carlo Eggeling f\u00fcr die L\u00fcneburger Landeszeitung.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich erkl\u00e4rte der Oberb\u00fcrgermeister L\u00fcneburgs, Ulrich M\u00e4dge (SPD), die Veranstaltung zum Staatsakt und zur staatlichen Selbstdarstellung, um auf dieser Grundlage eine antifaschistische Kundgebung gegen die AfD-Teilnahme am Ort untersagen zu k\u00f6nnen. Nicht also die Teilnahme der politischen Enkelkinder der Nationalsozialisten an einer Gedenkfeier f\u00fcr die Opfer der Nationalsozialisten und ihrer ausf\u00fchrenden Soldaten sind einem SPD-Politiker und der Stadtspitze ein Dorn im Auge. Es ist der antifaschistische Protest gegen diesen Schulterschluss mit dem Faschismus, es sind die politischen Nachkommen der Opfer und Gegner des NS. Wenn M\u00e4dge davon spricht, die Feier sei eine Selbstdarstellung des Staates, um das faktische Verbot zu begr\u00fcnden, spricht das B\u00e4nde. Es geht bei diesen und \u00e4hnlichen Veranstaltungen l\u00e4ngst nicht mehr um die Erinnerung an das, was geschehen ist und folglich wieder geschehen kann. Erst recht nicht geht es um die Etablierung einer Tradition, die ausschlie\u00dfen soll, dass es wieder geschieht. Vielmehr kannibalisiert ein so verstandener postnazistischer deutscher Staat die Opfer des Nationalsozialismus und missbraucht sie zur Darstellung eines Selbstverst\u00e4ndnisses, das die Tat braucht, um es selbst zu sein. Die Vergangenheit ist l\u00e4ngst nach ganz vorn ins Portfolio dieses deutschen Staates ger\u00fcckt und so kann es nicht verwundern, dass die Erinnerung an sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter den Schulterschluss mit den Faschisten eingeht. Es geht beim L\u00fcneburger \u201cStaatsakt\u201d also keineswegs um die Opfer des Nationalsozialismus, erst Recht nicht um Trauer, sondern um die Demonstration eines neuen deutschen Selbstbewusstseins und eines Nationalverst\u00e4ndnisses durch die Opfer hindurch, durch ihre schamlose Benutzung und die Propagierung einer Vers\u00f6hnung der Opfer mit ihren T\u00e4tern, der die Opfer nicht mehr zustimmen konnten. Man hatte sie ermordet.<\/p>\n<p>Diese Haltung steckt und steckte immer auch in den Ehrenm\u00e4lern mit ihrer seit jeher revanchistischen Geschichte. Sie sind eine Karikatur der so oft zu ihrer Verteidigung angef\u00fchrten Trauer. Sie sind die in Stein gemei\u00dfelte Unf\u00e4higkeit zur Trauer, die grenzenlose Empathielosigkeit mit den Opfern und die famili\u00e4r verwickelte Schuldabwehr, in der aus T\u00e4tern diejenigen werden, die irgendwie eigentlich Opfer gewesen sein m\u00fcssen. Darum ist jeder Bezug auf eine Trauer, eine w\u00fcrdevolle gar, die in Stellung gebracht wird gegen antifaschistische Intervention, sei es in L\u00fcneburg, sei es an den wendl\u00e4ndischen Ehrenm\u00e4lern, eine Farce, eine Verh\u00f6hnung. Erinnerung im Sinne der Opfer des nationalsozialistischen W\u00fctens ist untrennbar verkn\u00fcpft mit der Maxime, alles zu tun, damit es nicht noch ein mal geschehe. Im Sinne der antifaschistischen Bewegung in Deutschland heute bedeutet dies: Erinnern hei\u00dft K\u00e4mpfen!<\/p>\n<p>Wir haben in der Nacht auf den 17. November zwei Denkm\u00e4ler im Osten sowie eines im S\u00fcden des Landkreises mit Farbe angegriffen. Wir hoffen, dass sich die Feiernden des Volkstrauertags am Sonntag beim Abwurf ihrer geschmacklosen Kr\u00e4nze und dem Absingen des Deutschlandliedes an den Farben und Farbresten erfreuen werden.<\/p>\n<p>Weitere Aktionen gab es \u00fcbrigens in Rostock (https:\/\/de.indymedia.org\/node\/26021) und Hamburg (https:\/\/de.indymedia.org\/node\/26015) und dar\u00fcber hinaus mutma\u00dflich noch an vielen weiteren Orten.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4sy6ebszykvcv2n6.onion\/node\/26050\">Indymedia<\/a> (Tor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00fcchow-Dannenberg, Oktober + November 2018 In der Nacht auf den 03. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, haben wir im Wendland (Landkreis L\u00fcchow-Dannenberg, Niedersachsen) an verschiedenen Orten mehrere Kriegerdenkm\u00e4ler attackiert. Dass es bei den Ehrenm\u00e4lern nicht um Trauer geht, ist offensichtlich. 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