{"id":8421,"date":"2018-05-23T00:00:00","date_gmt":"2018-05-22T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=8421"},"modified":"2018-05-23T00:00:00","modified_gmt":"2018-05-22T22:00:00","slug":"brandstiftung-bei-bahnwaerter-thiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=8421","title":{"rendered":"Brandstiftung bei &#8220;Bahnw\u00e4rter Thiel&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>M\u00fcnchen<\/strong>, 23. Mai 2018<\/p>\n<blockquote><p>Unbekannte sind in einen Schuppen eingedrungen, der zu dem Kulturzentrum geh\u00f6rt. Die Polizei geht von einer politisch links motivierten Tat aus.<\/p>\n<p>&#8220;Bahnw\u00e4rter Thiel angreifen&#8221; war Anfang April in gro\u00dfen Buchstaben auf einer Wand auf dem Gel\u00e4nde des Viehhofs zu lesen. Nun haben Unbekannte einen Brandanschlag auf das Kulturhaus ver\u00fcbt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nLaut Polizei gelang es den T\u00e4tern am Mittwoch in den fr\u00fchen Morgenstunden, in einen Schuppen, der zu dem Kulturhaus geh\u00f6rt, einzudringen und dort mehrere Gegenst\u00e4nde anzuz\u00fcnden. Da jedoch durch die starke Hitzeentwicklung ein Wasserrohr in dem angrenzenden Kulturhaus platzte, wurde der Brand schnell wieder gel\u00f6scht. Es kam zu keinen gr\u00f6\u00dferen Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>Die Polizei geht von einer politisch links motivierten Tat aus.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/viehhof-brandanschlag-auf-bahnwaerter-thiel-1.3991464\">SZ<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Dass im Viehhof etwas im Argen liegt, sagt Tuncay Acar, das sei ihm neulich aufgefallen, als er dort ein wandhohes Graffito las: &#8220;Bahnw\u00e4rter Thiel angreifen&#8221;. Acar hat mit dem Viehhof direkt gar nichts zu tun. Aber als Kulturveranstalter, der oft mit Zwischennutzung arbeitet, hat er seine Erfahrungen mit den schwindenden Freifl\u00e4chen f\u00fcr die Kreativen in der Stadt. Und deshalb treibt ihn auch um, was da auf dem Viehhof los ist.<\/p>\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde, das fr\u00fcher einmal zum Schlachthof geh\u00f6rte, wird gebaut. Bis 2021 sollen dort das neue Volkstheater sowie dringend ben\u00f6tigte Wohnungen entstehen. Deshalb muss die Subkultur, die sich angesiedelt hat, dicht zusammenr\u00fccken: Das Open-Air-Kino mit Nachtbiergarten hat sich im vergangenen Sommer schon verabschiedet, der Betreiber will auf das Gro\u00dfmarktareal umziehen. Eine Mauer voller Streetart-Kunstwerke ist niedergerissen. Der Bahnw\u00e4rter Thiel, eine kleine, noch wachsende Kulturstadt aus alten Schiffscontainern, einem ausrangierten Bahn- und einem U-Bahn-Waggon, darf sich hier f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre noch niederlassen, ein paar Meter entfernt von seinem fr\u00fcheren Winterstandort. An einer Mauer wird wild geg\u00e4rtnert. Noch. Die Mauer wird aber \u00fcber den Sommer saniert werden.<\/p>\n<p>Der Viehhof war eines der letzten Refugien f\u00fcr eine sich frei entwickelnde Subkulturszene. Am Schrumpfen dieses Refugiums zeigt sich beispielhaft, welche Folgen das stete Wachstum der Stadt f\u00fcr freie Kreative hat. Und es tun sich neue Konflikte auf, wie k\u00fcrzlich bei einer Diskussion im &#8220;404 &#8211; page not found&#8221; zu erleben war, einem von Tuncay Acar mitbetriebenen Bar-Caf\u00e9-Workspace-Veranstaltungsort an der Ecke M\u00fcller-\/Corneliusstra\u00dfe. An diesem Abend treffen sich hier einige K\u00f6pfe der M\u00fcnchner Sprayer-Szene mit Daniel Hahn, der den Bahnw\u00e4rter Thiel betreibt, zur Diskussion \u00fcber das Zusammenleben auf dem Viehhof; Tuncay Acar moderiert.<\/p>\n<p>Geh\u00e4ssige Spr\u00fcche \u00fcber den Bahnw\u00e4rter Thiel und Schmierereien \u00fcber aufwendige Streetart tauchen in letzter Zeit immer h\u00e4ufiger auf. &#8220;Wir hatten immer die Idee, das Spr\u00fchen dort zu legalisieren, weil da in M\u00fcnchen ein gro\u00dfer Bedarf besteht&#8221;, sagt Daniel Hahn. Dass einige sich den Bahnw\u00e4rter nun als Feindbild rauspicken, findet er schade und &#8220;nicht besonders weit gedacht&#8221;. Tags, Sprayer-Namenszeichen auf seinem Zelt, auf den Waggons, das habe es immer schon gegeben, aber keine gezielten Aktionen gegen sein Projekt. &#8220;Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass wir uns nicht gegenseitig das Leben schwer machen.&#8221; Ein Sprayer meldet sich zu Wort, sagt, er habe nichts gegen den Bahnw\u00e4rter, aber man habe sich selbst bei der Stadt um das Gel\u00e4nde bem\u00fcht. Nur sei da ohne kommerzielle Interessen eben nichts zu holen &#8211; blo\u00df Freir\u00e4ume zu erhalten, das z\u00e4hle anscheinend nicht.<\/p>\n<p>Eine Runde junger Leute taucht auf, die nicht damit hinter dem Berg halten, warum sie sauer sind. &#8220;Deine Subkultur f\u00fcr zw\u00f6lf Euro Eintritt ist genauso Teil von Gentrifizierung wie das Volkstheater&#8221;, sagt einer zu Daniel Hahn. &#8220;Unkommerzielle, unkontrollierte Fl\u00e4chen in der Stadt verschwinden einfach.&#8221; Loomit, M\u00fcnchens bekanntester Street-Artist, bekommt von ihnen zu h\u00f6ren, er arbeite doch flei\u00dfig an der Gentrifizierung mit. Und \u00fcberhaupt seien alle im Grunde blo\u00df Teil des kapitalistischen Systems.<\/p>\n<p>Die \u00c4lteren f\u00fchlen sich beinahe ger\u00fchrt an ihre eigene Jugend erinnert, und die Jugend schreit emp\u00f6rt auf bei dem Hinweis, dass sie ihre radikale Sichtweise mit der Zeit vielleicht noch abmildern werde. &#8220;Es muss doch diese Pl\u00e4tze geben, an denen man einfach nur abh\u00e4ngen kann in der Stadt, die frei bleiben von Kommerzialisierung&#8221;, sagt eine junge Frau. &#8220;Diese Pl\u00e4tze sind einfach nicht mehr da.&#8221; Der Viehhof ist auch nicht der einzige Ort, an dem es Konflikte gibt. Als etwa bekannt wurde, dass der Wannda-Zirkus, ein Kreativkollektiv mit Happenings im Zirkuszelt, im Mai an das Kreativquartier an der Leonrodstra\u00dfe ziehen wird, wurde bei den dortigen Nutzern Unmut wegen m\u00f6glicher Termin\u00fcberschneidungen laut. Auch wenn der Zirkus weitere Besucher anzieht. Die Pl\u00e4tze f\u00fcr Subkultur sind rar, einen Platz f\u00fcr sein Projekt zu finden gleicht einem Reise-nach-Jerusalem-Spiel.<\/p>\n<p>Und nicht nur die Subkultur kommt durch die Nachverdichtung in Bedr\u00e4ngnis. In Au-Haidhausen etwa schlugen zuletzt die Sportvereine Alarm. 2 000 neue Wohnungen entstehen unter anderem auf dem alten Paulaner-Areal, aber mehr Raum f\u00fcr die Vereine gibt es nicht. Die einzige Dreifachturnhalle sei jetzt schon \u00fcberlastet. Sportvereine haben Wartelisten, mit denen sie mehrere Mannschaften besetzen k\u00f6nnten, aber es scheitert am nicht vorhandenen Platz. Und so greift die Bef\u00fcrchtung um sich, M\u00fcnchen k\u00f6nne dramatisch an Lebenswert verlieren und zur Schlafstadt f\u00fcr Reiche verkommen.<\/p>\n<p>Im 404 geht es schlie\u00dflich darum, wie man sich auf dem verbliebenen Raum im Viehhof \u00fcber die n\u00e4chsten Jahre arrangiert. Das Areal ist eine wichtige Anlaufstelle f\u00fcr die Streetartszene, die in der Stadt kaum legale M\u00f6glichkeiten hat. Aber die Szene an sich ist sehr divers. &#8220;Wir m\u00fcssen uns als Gemeinschaft einig werden, was wir uns w\u00fcnschen f\u00fcr das Gel\u00e4nde, was gefordert wird&#8221;, appelliert Sprayer Johannes Wirthm\u00fcller. Doch wie das klappen k\u00f6nnte, dass alle friedlich miteinander auf der schrumpfenden Fl\u00e4che existieren, bleibt letztlich ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Wenn es um Freiraum f\u00fcr Subkultur in M\u00fcnchen geht, dann kommt oft das Schlagwort &#8220;Zwischennutzung&#8221; ins Gespr\u00e4ch. Und tats\u00e4chlich gab und gibt es ja viele spannende Orte: Vor Jahren das Puerto Giesing und bis vor kurzem schr\u00e4g gegen\u00fcber das Flostern. Noch aktuell sind das Container Collective im Werksviertel und das Gans am Wasser im Westpark, um nur einige Beispiele zu nennen. Tuncay Acar vom 404, das zun\u00e4chst auf ein Jahr befristet ist, hat bis vor kurzem das Import\/Export mitbetrieben, erst in der Goethestra\u00dfe, jetzt im Kreativquartier. Aber Acar kann auch davon erz\u00e4hlen, wie kraftraubend das ist: von jetzt auf gleich ein neues Programm zu stemmen, weil es kurzfristig doch noch eine Verl\u00e4ngerung gibt, nie Planungssicherheit zu haben. Er findet es grunds\u00e4tzlich problematisch, dass die Subkultur in M\u00fcnchen heute vor allem auf Fl\u00e4chen mit befristeter Nutzung stattfindet.<\/p>\n<p>Es ist eine schwierige Debatte, und L\u00f6sungen sind nicht in Sicht. Aber dass \u00e4tzende Schmierereien der falsche Weg des Umgangs miteinander sind, so viel steht am Ende des Abends dann doch fest.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/kulturzentrum-kampf-der-kreativen-am-viehhof-1.3928122\">SZ<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen, 23. Mai 2018 Unbekannte sind in einen Schuppen eingedrungen, der zu dem Kulturzentrum geh\u00f6rt. Die Polizei geht von einer politisch links motivierten Tat aus. &#8220;Bahnw\u00e4rter Thiel angreifen&#8221; war Anfang April in gro\u00dfen Buchstaben auf einer Wand auf dem Gel\u00e4nde des Viehhofs zu lesen. Nun haben Unbekannte einen Brandanschlag auf das Kulturhaus ver\u00fcbt.<\/p>\n","protected":false},"author":12080,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[138],"class_list":["post-8421","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-de","tag-muenchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8421","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/12080"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8421"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8421\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8421"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8421"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8421"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}