{"id":7954,"date":"2018-03-29T00:00:22","date_gmt":"2018-03-28T22:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=7954"},"modified":"2018-03-29T00:00:22","modified_gmt":"2018-03-28T22:00:22","slug":"nazidenkmal-beschaedigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=7954","title":{"rendered":"Nazidenkmal besch\u00e4digt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ratzeburg<\/strong>, 29. M\u00e4rz 2018<\/p>\n<blockquote><p>Kein Gedenken den faschistischen M\u00f6rdern &#8211; Weg mit dem Wandschneider-Stein!<\/p>\n<p>In der Nacht zum 29.03.2018 besuchten Antifaschist*innen das Denkmal f\u00fcr Gerhard Wandschneider, der von 1941-45 als Landrat im Kreis Wismar amtierte. Im Gep\u00e4ck hatten sie nicht nur Farbe und Brechwerkzeug, sondern auch ein Erkl\u00e4rungsschreiben, das dem angrenzenden Kreismuseum und der Lokalzeitung zukam. Das Schreiben ist im folgenden dokumentiert:<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn der letzten Nacht wurde der Gedenkstein f\u00fcr Gerhard Wandschneider auf dem Ratzeburger Domhof besch\u00e4digt. Diese als sinnloser Vandalismus anmutende Tat hat einen ernsthaften Hintergrund. Gerhard Wandschneider war von Juni 1941 bis zum Kriegsende amtierender Landrat des Kreises Wismar.1 In dieser Zeit war die Deportation der meisten Juden und J\u00fcdinnen bereits abgeschlossen, doch die Ausbeutung, Entmenschlichung und Ermordung der Zwangsarbeiter*innen im Kreis Wismar erreichte erst ihren H\u00f6hepunkt. Wandschneider, der 1937 in die NSDAP eintrat, setzte sich hierf\u00fcr besonders ein. Wie er selber in Befragungen nach dem Krieg angab, war es ihm \u00e4u\u00dferst wichtig, die brutalen, auf Rasseideologie aufgebauten &#8216;Polenerlasse&#8217; von 1940 besonders hart durchzusetzen. Dies zeigte sich beispielsweise darin, dass er 1943 demonstrativ der \u00f6ffentlichen Ermordung zweier polnischer Zwangsarbeiter beiwohnte.2 Seine Anwesenheit ist f\u00fcr mehrere Hinrichtungen belegt. Bei diesen Hinrichtungen waren andere Zwangsarbeiter*innen oft gezwungen, sich aktiv zu beteiligen.3 Die polnischen Zwangsarbeiter*innen, im Volksmund oft als &#8220;Ostarbeiter&#8221; verharmlost, wurden ab 1939 massenweise aus den St\u00e4dten und D\u00f6rfern deportiert. Eine g\u00e4ngige Praxis war es, einfach den Marktplatz abzuriegeln und die Menschen in das Reich zu verschleppen.4 W\u00e4hrend Wandschneider also sehr bem\u00fcht war, die minimalen restlichen Freiheiten der Polinnen und Polen zu beschneiden, hatten die russischen Zwangsarbeiter*innen schon gar keine mehr. Ganz unten in der deutschen Rassenideologie, waren sie zu schwersten Arbeiten eingesetzt und t\u00e4glicher Misshandlung am Arbeitsplatz und in ihren KZ-\u00e4hnlichen Unterk\u00fcnften ausgesetzt. Die Grabst\u00e4tte auf dem Wismarer Friedhof f\u00fcr 43 M\u00e4nner, Frauen und Kinder, die im Zuge der Zwangsarbeit in Wismar ermordet wurden, zeugt davon. Die Landr\u00e4te, wie Wandschneider, hatten eine zentrale Rolle in diesem System. Sie bildeten eine Art Angelpunkt in der Umsetzung der Gesetze.5 Wandschneider f\u00fchrte allerdings nicht nur Befehle von oben aus, mehrmals forderte er auch h\u00e4rtere Strafen und Gesetze.6 Eine seiner Forderungen betrifft ein sogenanntes Ausl\u00e4nderkinder-Pflegeheim. Hinter diesem verharmlosenden Namen verbirgt sich eine T\u00f6tungsanstalt f\u00fcr Kinder von osteurop\u00e4ischen Zwangsarbeiterinnen. Die nach der Rassenideologie lebensunwerten Babys wurden gezielt vernachl\u00e4ssigt oder durch Giftspritzen ermordet, sodass die Todesrate in diesen Einrichtungen bei 90% lag.7 Diese Forderung Wandschneiders blieb im Kreis Wismar zum Gl\u00fcck unerf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Gerhard Wandschneider ist verantwortlich f\u00fcr die Grausamkeiten an rund 4000 Zwangsarbeiter*innen in \u00fcber 34 Wismarer Lagern.8 Nach unserem Verst\u00e4ndnis von menschlicher W\u00fcrde ist es nicht mit dem Gewissen zu vereinbaren, eines solchen Menschen zu gedenken, oder einen Gedenkstein unwidersprochen zu lassen. Nichts k\u00f6nnte seine Taten entschuldigen und er selbst hat auch niemals Reue gezeigt. Die Verehrung von NS-T\u00e4tern in der BRD zeigt, dass eine &#8220;erinnerungspolitische Wende um 180\u00b0&#8221;, wie sie teilweise gefordert wird, gar nicht erst notwendig ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns bleibt klar: Kein Vergeben, kein Vergessen! Klare Kante gegen die Verehrung von faschistischen M\u00f6rdern!<\/p>\n<p>Quellen:<br \/>\n1 Florian Ostrop, Einheimische und Fremde. Zwangsarbeit in der mecklenburgischen Seestadt Wismar 1939-1945 (Rostock 2006) 227.<br \/>\n2 Ebd.<br \/>\n3 Ebd. 330.<br \/>\n4 Ebd. 245.<br \/>\n5 Ebd. 86.<br \/>\n6 Ebd. 334.<br \/>\n7 Raimond Reiter, T\u00f6tungsst\u00e4tten f\u00fcr ausl\u00e4ndische Kinder im Zweiten Weltkrieg (Hannover 1993) 78.<br \/>\n8 Ostrop 2006, 363.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: Indymedia<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg, 29. M\u00e4rz 2018 Kein Gedenken den faschistischen M\u00f6rdern &#8211; Weg mit dem Wandschneider-Stein! In der Nacht zum 29.03.2018 besuchten Antifaschist*innen das Denkmal f\u00fcr Gerhard Wandschneider, der von 1941-45 als Landrat im Kreis Wismar amtierte. 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