{"id":7918,"date":"2018-03-22T00:00:44","date_gmt":"2018-03-21T22:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=7918"},"modified":"2018-03-22T00:00:44","modified_gmt":"2018-03-21T22:00:44","slug":"farbe-und-steine-gegen-zalando","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=7918","title":{"rendered":"Farbe und Steine gegen Zalando"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2018\/03\/25885.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-7919\" src=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2018\/03\/25885-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/chronik.noblogs.org\/files\/2018\/03\/25885-300x225.jpg 300w, https:\/\/chronik.noblogs.org\/files\/2018\/03\/25885-768x576.jpg 768w, https:\/\/chronik.noblogs.org\/files\/2018\/03\/25885.jpg 992w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Berlin<\/strong>, 22. M\u00e4rz 2018<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir m\u00fcssen die aggressivsten sein, so aggressiv, das alle \u00fcberrascht sind!\u201c<br \/>\nOliver Samwer, CEO Rocket-Internet [1]<\/p>\n<p>Mit diesen und \u00e4hnlichen Worten macht Mitgr\u00fcnder und Vorsitzender Oliver Samwer des sogenannten Internet-Inkubators Rocket-Internet weltweit auf sich aufmerksam. Ganz im Stil von Amazon &amp; Co versucht der Konzern um die Vormachtstellung zu ringen. Es muss fast anerkennend gesagt werden, dass die \u201eUnternehmensschmiede\u201c mit ihrer Copy&amp;Paste-Strategie weltweit die kapitalistische Entwicklung und ausbeuterische Gewinnmaximierung auf die Spitze treibt.<!--more--> Selbst in der H\u00f6hle des L\u00f6wen, im Silicon-Valley, haben sich die selbsternannten Start-Up-Pioniere, alle Ehre gemacht. Zumindest den gef\u00fcrchteten Ruf von Unternehmern, alles was nicht niet- und nagelfest ist, zu kopieren und unter neuen Label zu verkaufen.<\/p>\n<p>Eines dieser sehr erfolgreichen Projekte ist Zalando. 2008 gegr\u00fcndet, erlangte das Unternehmen an Bekanntheit mit seinem Marketing-Slogan \u201eSchrei vor Gl\u00fcck\u201c [2]. Unklar bei diesem Erfolg bleibt, ob es die Penetranz der Fernsehwerbeschleife war, die wohl so manchen Tinitus bescherte oder dessen dumm-drei\u00dfter Humor, welcher sich in das Erinnerungsverm\u00f6gen der Menschen eingebrannt hat. Mittlerweile liegt der Unternehmenswert bei rund sechs Milliarden Dollar und hat sich zum gr\u00f6\u00dften Modeh\u00e4ndler Deutschlands gemausert [3].<\/p>\n<p>Doch auch wenn die zweifelhafte Samwer-Welt mit ihren Stiefelchen und Lacksch\u00fchchen weitestgehend an uns vorbei geht, betrifft uns leider ihr aggressiv-unternehmerisches Gebahren nun auch ganz direkt. Ein riesen Schei\u00dfehaufen pflanzt sich in Form des neuen Zalando-Campus neben die Mercedes-Benz-Arena. 5000 neue Entwickler, Datenanalysten, Werbefachleute etc. werden dort dem Zalando-Imperium dienen [4]. Und nicht genug damit, kleckert es quer \u00fcber das Berliner Stadtgebiet weitere Standorte. Am Ostbahnhof wird ganz dezent aus dem ehemaligen Kaufhof-Geb\u00e4ude eine weitere Glasfestung aufgebaut, die ihren \u201emodernen\u201c Schatten auf die Stadt werfen wird [7]. Ein paar Stra\u00dfen weiter wurde das alte Geb\u00e4ude der Post an der Skalitzer Stra\u00dfe ebenfalls zu einem Rocket-Tempel auserkoren. So erlebt der Privatklub, ein Veranstaltungsort f\u00fcr Konzerte,schon jetzt gro\u00dfe Einschr\u00e4nkungen und rechnet damit seinen Betrieb r\u00e4umen zu m\u00fcssen, damit die innovativen Vibes der Start-Up-Community freien Lauf haben [6]. Als kleiner Lichtblick kann die Vertragsk\u00fcndigung mit dem Cuvry-Campus gesehen werden. Urspr\u00fcnglich war auch hier ein gro\u00dfer Standort geplant [5].<\/p>\n<p>Nun ist es aber auch keine ganz neue Entwicklung. Das fr\u00fcher mal anr\u00fcchig-alternativ anmutende Kreuzberg schwimmt mitten im trendigen Strom. In der schicken Zalando-Lounge \/ Zeughofstra\u00dfe, sitzt die hippe Tech-Community in ihrer Shopping-Club-Zentrale. Die Start-Up-Factory am G\u00f6rlitzer Park bietet ihren exklusiven Mitgliedern auf 14.000m\u00b2 den gr\u00f6\u00dften Club f\u00fcr Innovation und Entwicklung Europas. Und auch Google sichert sich im Kiez seinen Platz an der Sonne und setzt (sich) gerade einen ordentlichen Haufen ins Umspannwerk\/Kreuzberg.<\/p>\n<p>So sorgt der Zuzug der wirtschaftlich sehr erfolgreichen Internet-Firmen samt ihren Angestellten f\u00fcr den Austausch ganzer Bev\u00f6lkerungsschichten. Alteingesessene Sp\u00e4tis und Kneipen werden zu Fair-Trade-Schuh- oder Seifenl\u00e4den. Ehemaliger Wohnraum wird zu exklusiven Apartments oder Ferienwohnungen.<\/p>\n<p>Doch greift auch die unternehmerische Wertsch\u00f6pfung auf einer anderen Ebene unsere Kieze an. Zunehmend lenkt der Global-Player seinen Blick auch auf die Immobilien dieser Stadt und presst seinen Gewinn aus dem Zuhause vieler Menschen, als wenn gerade ein weiteres Paar Schuhe verh\u00f6kert werden soll. Durch gezieltes Einkaufen in Eigent\u00fcmergemeinschaften zwingt Rocket-Internet die Objekte zur Teilversteigerung, um die Gemeinschaft aufzuheben und letztendlich in den gesamten Besitz der Immobilie zu gelangen [8].<\/p>\n<p>Doch unser Hass gegen\u00fcber Zalando h\u00f6rt nicht bei der Gentrifizierung auf. Dieses Unternehmen steht sinnbildlich f\u00fcr die Industrie 4.0. Die Smart-ifizierung des Lebens wird mit aller Macht voran getrieben. So dringt die Technologie in jeden Bereich unseres Lebens vor und vernetzt diese miteinander. Was vordergr\u00fcndig als pure Philantrophie verkauft wird, ist stumpfer Gesch\u00e4ftssinn.<\/p>\n<p>&#8220;Wir gehen davon aus, dass Marketing in Zukunft noch datenbasierter sein muss. Daf\u00fcr brauchen wir einen h\u00f6heren Anteil an Entwicklern und Datenanalysten&#8221;<br \/>\nRubin Ritter, Co-Chef von Zalando[11]<\/p>\n<p>Die Menschen zahlen doppelt: Mit ihrem Geld und ihren Daten. Was fr\u00fcher kaum jemand von sich Preis gegeben h\u00e4tte, ist nun aus den Nutzer-Profilen ablesbar. Diese Informationen erlauben nicht nur die Vorhersage m\u00f6glicher Bed\u00fcrfnisse, sondern erm\u00f6glichen auch die direkte Steuerung. Werbung wird gezielt eingesetzt, Informationen flie\u00dfen beil\u00e4ufig im Hintergrund ein oder werden heraus gefiltert. Was vor noch gar nicht langer Zeit als paranoide Verschw\u00f6rungstheorie abgetan worden w\u00e4re, ist heute allgegenw\u00e4rtige Realit\u00e4t. J\u00fcngste Schlagzeilen \u00fcber Facebook sind da wenig \u00fcberraschend [10]. In Nullen und Einsen dr\u00fccken sich unsere Eigenschaften aus und Algorithmen erlauben die Zuordnung nach Wahrscheinlichkeitswerten und Statistik. Die pausenlose Inwertsetzung aller Lebensbereiche ist das schlagende Gesch\u00e4ftsmodell der New Economy.<\/p>\n<p>In einem permanenten Rating und Scoring werden die zunehmend gl\u00e4sernen Menschen bewertet. Ob Kunde oder Mitarbeiter, der \u00f6konomische Wert bemisst sich an individuellen Handlungen und \u00c4u\u00dferungen. Der Mensch ist nicht l\u00e4nger Eigent\u00fcmer seiner Arbeitskraft und verkauft diese. Alle seine Eigenschaften und sein ganzes Selbst wird zum \u00f6konomischen Gut. Allgegenw\u00e4rtig wirkt dieser Zwang und formt uns zu einer normierten und disziplinierten Masse. Ein digitaler Taylorismus zerst\u00fcckelt und reorganisiert nicht nur die Produktion, sondern auch unser Konsum- und Freizeitverhalten. Ein fast devoter Glaube an die Technologie und ihren Heilsversprechen l\u00e4sst auf die L\u00f6sung aller gesellschaftlichen Probleme hoffen [9].<\/p>\n<p>Doch genauso regt sich Widerstand in verschiedensten Ecken der Stadt. So haben schon offenkundig viele Angriffe mit Feuer, Steinen und Farbe gegen diese Entwicklungen stattgefunden. Frei nach dem Motto: \u201eSchrei vor Gl\u00fcck \u2013 oder schick\u2018s zur\u00fcck!\u201c geht unser ablehnender Gru\u00df zur\u00fcck an den Absender. Mit Farbe und Steinen haben wir in der Nacht vom 22.03.18 den Zalando-Lounge-Standort in der Zeughofstra\u00dfe angegriffen.<\/p>\n<p>Fuck off Google, Zalando and Factory Berlin!<\/p>\n<p>Einige nicht so smarte AnarchistInnen<\/p>\n<p>Wenn nicht ohnehin schon mit Tor-Browser gelesen wird, weitere Links sollten sp\u00e4testens nur so aufgerufen werden!<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>[1]https:\/\/www.facebook.com\/media\/set\/set=a.10152944081254141.1073741828.9183509140&amp;type=3<\/p>\n<p>[2]https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YR_GUH7pklY<\/p>\n<p>[3]http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/zalando-steigt-ins-beauty-geschaeft-ein-a-1173568.html<\/p>\n<p>[4]https:\/\/www.konii.de\/news\/colliers-international-zalando-campus-wird-in-berlin-entwickelt-201511174517<\/p>\n<p>[5]https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/friedrichshain-kreuzberg\/article213789061\/Zalando-zieht-sich-vom-Cuvry-Gelaende-zurueck.html<\/p>\n<p>[6]https:\/\/www.qiez.de\/kreuzberg\/wohnen-und-leben\/privatclub-kreuzberg-club-gentrifizierung-rocket-internet\/182798656<\/p>\n<p>[7]https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/friedrichshain-kreuzberg\/article213654217\/Aus-dem-einstigen-Kaufhof-am-Ostbahnhof-wird-Zalando.html<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n[8]https:\/\/unserblockbleibt.wordpress.com\/tag\/eigentuemergemeinschaft\/<\/p>\n<p>[9]https:\/\/makeamazonpay.org\/broschuere\/<\/p>\n<p>[10]http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/facebook-in-der-krise-zu-gross-um-nicht-zu-scheitern-a-1199227.html<\/p>\n<p>[11]https:\/\/www.golem.de\/news\/marketing-zalando-ersetzt-beschaeftigte-durch-algorithmen-1803-133259.html<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: Indymedia<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 22. M\u00e4rz 2018 \u201eWir m\u00fcssen die aggressivsten sein, so aggressiv, das alle \u00fcberrascht sind!\u201c Oliver Samwer, CEO Rocket-Internet [1] Mit diesen und \u00e4hnlichen Worten macht Mitgr\u00fcnder und Vorsitzender Oliver Samwer des sogenannten Internet-Inkubators Rocket-Internet weltweit auf sich aufmerksam. Ganz im Stil von Amazon &amp; Co versucht der Konzern um die Vormachtstellung zu ringen. 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