{"id":6964,"date":"2017-10-17T00:00:24","date_gmt":"2017-10-16T22:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=6964"},"modified":"2017-10-17T00:00:24","modified_gmt":"2017-10-16T22:00:24","slug":"scheiben-bei-degewo-eingeschlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=6964","title":{"rendered":"Scheiben bei Degewo eingeschlagen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin<\/strong>, 17. Oktober 2017<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben in der Nacht von Montag auf Dienstag die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo besucht.<\/p>\n<p>5500 Zwangsr\u00e4umungen gab es bei den st\u00e4dtischen Wohnungsunternehmen zwischen 2008 und 2012. Gr\u00fcnde um Menschen vorerst in die Obdachlosigkeit zu schicken sind meist: Mietr\u00fcckst\u00e4nde, unerlaubte Untervermietung, L\u00e4rmbel\u00e4stigung oder Verwahrlosung der Wohnung. Spitzenreiter mit 1902 ger\u00e4umten Wohnungen innerhalb von sechs Jahren ist die Wohnungsbaugesellschaft Gesobau. Es folgt die Degewo mit 1223 R\u00e4umungen und die Gewobag mit 804 F\u00e4llen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n\u201eMan braucht dieses Mittel [die Zwangsr\u00e4umung], auch als Signal f\u00fcr andere Mieter, dass ein bestimmtes Handeln Konsequenzen hat\u201c, so eine Sprecherin der Gesobau.<\/p>\n<p>Die Zwangsr\u00e4umungen sind das ultimative Mittel der Berliner Umstrukturierung, flankiert von Polizeigewalt in Gefahrengebieten und Ausbau der \u00dcberwachung und Kontrolle des st\u00e4dtischen Raums sowie des allt\u00e4glichen Lebens bis hin zum Arbeitszwang.<br \/>\nDie Zwangsr\u00e4umung beendet auf physische Art den existentiellen Kampf der Bewohner*innen um das eigene Obdach, den privaten Raum, der in dieser Gesellschaft den Stellenwert einer Oase der Freiheit hat. Dort endet \u2013 scheinbar, aber auch sp\u00fcrbar \u2013 der Zugriffsbereich des Staates. Bis zu dem Punkt, an dem die Bedingungen des Staates f\u00fcr die milde Gnade des Hausfriedens nicht mehr erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen: Armut, Aufnahme von obdachlosen Freund*innen, andere Lebensentw\u00fcrfe oder kulturelle Vorstellungen.<\/p>\n<p>So sind es die vielfach stigmatisierten Wohnbl\u00f6cke Berlins, wo sich die Konflikte zuspitzen. Dort herrschen die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Unternehmen mit H\u00e4usern, die dem freien Markt entzogen wurden. Aus Sicherheitsgr\u00fcnden. Um zu verhindern, dass die geldgierigen Unternehmen die Armen so schnell ausquetschen, dass diese sich auflehnen. Lieber abd\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Beispiel Brunnenviertel: ganze Bl\u00f6cke in der Hand der Degewo, relative Armut und Kriminalit\u00e4t. Hier arbeitet im Quartiersmanagement seit Jahren eine Taskforce aus Bullen, Sozialarbeiter*innen und Politik gemeinsam mit der Degewo daran, die soziale Mischung zu erzwingen. Wichtigstes Mittel dabei ist das Aussortieren eines Teils der Mieterschaft. Mit Mieterh\u00f6hungen und repressiven Ma\u00dfnahmen wegen Bagatellen werden Zwangsr\u00e4umungen herbeigef\u00fchrt. Die freigewordenen Wohnungen werden an Mittel- oder Westeurop\u00e4er aus h\u00f6heren Einkommensschichten vermietet. Gleichzeitig achtet auf der Stra\u00dfe und in den Hinterh\u00f6fen eine Armada aus Bullen und privaten Sicherheitsdiensten darauf, dass die rassistischen Hygienema\u00dfnahmen auch im Stra\u00dfenbild einen Ausdruck finden. Inklusive BSR (M\u00fcllabfuhr) und Quartiersmanager, die gemeinsam auf Streife sind, um das Stra\u00dfenbild aufzuwerten.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nDerzeit baut die Degewo im Brunnenviertel neue H\u00e4user in die letzten Freifl\u00e4chen. 30 Prozent des Hauses werden mit einer anf\u00e4nglichen Kaltmiete von 6,50 Euro und 70 Prozent mit sch\u00e4tzungsweise um die 10 Euro Kaltmiete starten. Wer sich in dieser neuen Nachbarschaft gegen die andauernde Verdr\u00e4ngung auflehnt, wird nicht Verst\u00e4ndnis sondern einen Polizeieinsatz ernten.<\/p>\n<p>Beispiel&nbsp; SO36: Die Bl\u00f6cke der Naunynstra\u00dfe, Waldemarstra\u00dfe und Mariannenstra\u00dfe geh\u00f6ren fast alle der Degewo. Das Viertel war fr\u00fcher das Zentrum der Revolten des 1. Mai. Hier konzentrieren sich immer noch die Armen und Unangepassten. Wie im Brunnenviertel patrouillieren hier private Sicherheitsdienste im Auftrag der Degewo durch die einst belebten Hinterh\u00f6fe. Und dieses Jahr gab es eine satte Mieterh\u00f6hung, die einige die Wohnung kosten wird. Doch es regt sich Widerstand in Form kleiner Protestaktionen. Der ist, dank landeseigenem Unternehmen, im Sinne der Ordnung handhabbar:<\/p>\n<p>Innerhalb der rot-rot-gr\u00fcnen Koalition regt sich Widerspruch gegen die Pl\u00e4ne der Degewo. \u201eDie Mieterh\u00f6hungen m\u00fcssen nat\u00fcrlich zur\u00fcckgenommen werden\u201c, sagt die Gr\u00fcnen-Abgeordnete Katrin Schmidberger. \u201eGerade Sozialmieter, die sowieso schon stark belastet waren, m\u00fcssen jetzt entlastet werden.\u201c Eine Verb\u00fcndete hat Schmidberger in Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke).<\/p>\n<p>Potential f\u00fcr eine Revolte besteht hier nur, wenn den Mieter*innen klar wird, dass regelm\u00e4\u00dfige kleine Mieterh\u00f6hungen langfristig den selben Zweck erf\u00fcllen werden: soziale Durchmischung und Isolierung der Armen.<\/p>\n<p>Beispiel Rigaer Stra\u00dfe: Vordergr\u00fcndig ist der Kampf um die Rigaer94 ein Kampf um ein Symbol einer Szene. Tats\u00e4chlich handelt es sich aber gleichzeitig um einen Mikro-Konflikt, der den anderen Beispielen gleicht. Es geht um die existentielle Frage nach Obdach und einem Raum, der eine Oase der Freiheit vom direkten Zugriff des Staates sein soll. Politik und Bullen haben das jetzt verstanden. Deswegen gibt es neuerdings die Bestrebung, durch die landeseigene Degewo das Haus zu kaufen oder die Hausverwaltung zu \u00fcbernehmen. Somit w\u00fcrde der Risikofaktor einer Immobilienfirma wegfallen, die ihre individuellen finanziellen Interessen dem sozialen Frieden vorziehen k\u00f6nnte. Dass dieser Frieden br\u00fcchig ist, hat der letzte Sommer gezeigt, als es zu breiter Unterst\u00fctzung des Hauses aus der Nachbarschaft und der Szene kam.<\/p>\n<p>Konzepte der Vergangenheit mit militanten Aktionen und Demonstrationen k\u00f6nnen den Preis Zwangsr\u00e4umungen in der Rigaer94 in die H\u00f6he treiben, sie aber nicht verhindern. Nur eine \u00fcbergreifende Revolte k\u00f6nnte einen abschreckende Wirkung im gesamtst\u00e4dtischen Konflikt erzeugen. Diese k\u00f6nnte vorbereitet werden, indem die Isolierung von z.B. den drei genannten Beispielen Brunnenviertel, SO36 und Rigaer Stra\u00dfe aufgebrochen wird. Militante Aktionen k\u00f6nnten ihren Szenebezug hinterfragen und sollten in den sozialen Brennpunkten wahrnehmbar sein.<br \/>\nPrinzipiell scheint das Konzept der Drohung mit einer direkten Reaktion auf Angriffe des Staates erfolgreich. Die Parole, Berlin am TagX ins Chaos zu st\u00fcrzen, wurde nicht verworfen.<\/p>\n<p>Als Warnung an die Degewo, dass dieser Konflikt hei\u00df ist und sie lieber nicht \u00fcbertreiben sollen, haben wir in der \u00f6stlichen Kurf\u00fcrstenstra\u00dfe mit H\u00e4mmern die Scheiben ihres Sitzes zerst\u00f6rt. Die Warnung betrifft aber auch die anderen landeseigenen Immobilienfirmen sowie den restlichen Sumpf der Berliner Wohnungspolitik und nat\u00fcrlich die Schweine der Sicherheitsorgane.<\/p>\n<p>Berlin muss wie Hamburg im Juli werden! F\u00fcr den permanenten Angriff!<\/p>\n<p>Man braucht dieses Mittel, auch als Signal f\u00fcr andere Mieter, dass ein bestimmtes Handeln Konsequenzen hat!<\/p>\n<p>PS: Solidarische Gr\u00fc\u00dfe an Nero, der am Mittwoch zu Gef\u00e4ngnis verurteilt wurde, weil er einen Bullenhubschrauber \u00fcber der Rigaer Stra\u00dfe geblendet haben soll.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: Indymedia<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 17. Oktober 2017 Wir haben in der Nacht von Montag auf Dienstag die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo besucht. 5500 Zwangsr\u00e4umungen gab es bei den st\u00e4dtischen Wohnungsunternehmen zwischen 2008 und 2012. 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