{"id":6003,"date":"2017-04-03T00:00:24","date_gmt":"2017-04-02T22:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=6003"},"modified":"2017-04-03T00:00:24","modified_gmt":"2017-04-02T22:00:24","slug":"bitumen-und-glasbruch-bei-immobiliengesellschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=6003","title":{"rendered":"Bitumen und Glasbruch bei Immobiliengesellschaften"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hannover<\/strong>, 3. April 2017<\/p>\n<blockquote><p>Es hat die Richtigen getroffen! Am Montag, den 03.04.2017, haben wir den Hausverwaltungen Haack und WohnWert (Teil von Kindler &amp; Fries) einen n\u00e4chtlichen Besuch abgestattet. Wir haben von Haack ein Fahrzeug unbrauchbar gemacht (saure Milch in der L\u00fcftung, Bitumen an den Scheiben) und bei Wohnwert die Glasfront im Eingangsbereich zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Diese Taten sind Ausdruck der Auseinandersetzung um Wohnraum und die brennende Frage \u201eWem geh\u00f6rt die Stadt?\u201c<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWohnWert kauft immer wieder ganze H\u00e4user auf und \u00fcbt dabei regelm\u00e4\u00dfig Druck auf die Bewohnenden aus. 2012 wurde ein Mieter, der seit \u00fcber 60 Jahren in seiner Wohnung in Linden-Nord lebte durch eine geplante Entmietung in den Selbstmord getrieben und dann dessen Witwe gedr\u00e4ngt, schnell auszuziehen. 2014 wurde von dem Unternehmen in der Nordstadt ein ganzes Haus voller Wohnungen mit den \u00fcblichen unerfreulichen Methoden entmietet. Erfreulicherweise gab es deswegen Scheinbesetzungen und eine kleine Stra\u00dfenschlacht mit der Polizei, diese wurde aber mit Repression \u2013 in einem Fall sogar mit einer Bew\u00e4hrungsstrafe \u2013 beantwortet.<\/p>\n<p>Haack ist insgesamt daf\u00fcr bekannt, Mieter_innen auszutricksen und dabei deren juristische Unwissenheit auszunutzen.<\/p>\n<p>Die Hausverwaltung ist verantwortlich daf\u00fcr, dass im Juli 2015 ein Mieter in Linden-Mitte zwangsger\u00e4umt wurde: Diesem wurde unter falschen Vorw\u00e4nden angeboten, in eine neue Wohnung umzuziehen. Dabei wurde er dazu gebracht, einen Vertrag f\u00fcr eine neue Wohnung und einen Aufhebungsvertrag f\u00fcr die alte Wohnung zu unterschreiben. Doch Haack hat den Vertrag f\u00fcr die neue Wohnung vernichtet, ein Jahr gewartet, bis juristische Fristen abgelaufen sind und trotz H\u00e4rtefall-Antr\u00e4gen an der R\u00e4umung festgehalten. Bei der R\u00e4umung wurde er unter Pfefferspray-Einsatz aus seiner Wohnung vertrieben und einige der 50 Demonstrant_innen standen vor Gericht, nachdem die Polizei sie aus dem Weg gepr\u00fcgelt hat.<\/p>\n<p>Ziel dieser Erkl\u00e4rung ist jedoch nicht nur auszuf\u00fchren, warum wir die Entscheidung getroffen haben, genau diese Ziele zu attackieren, sondern die Frage zu er\u00f6rtern, wie aus einer emanzipatorischen Perspektive in Verdr\u00e4ngungsprozesse interveniert werden kann. Vorangegangene Aktionen, begonnen mit der Besetzung der L98, haben Gentrifizierung in Hannover \u00fcberhaupt erst zum Gegenstand der \u00f6ffentlichen Debatte gemacht. Geradezu reflexartig wird jedoch nach jeder Aktion lamentiert, es habe \u201edie Falschen\u201c getroffen. In unseren Augen steht hinter diesen Reflexen mehr als eine Delegitimierung militanter Politik. Vielmehr sind sie in der Vorstellung gefangen, Gentrifizierung lie\u00dfe sich auf intentionale Entscheidungen bestimmter Akteur_innen reduzieren. Die Phrase, dass es die Falschen getroffen habe impliziert, dass es die Richtigen g\u00e4be, dass es Kriterien g\u00e4be, nach denen das bestimmt werden k\u00f6nne. Die Schablonen, die daf\u00fcr angeboten werden, sind simpel. Soziale Verdr\u00e4ngung wird, wie sich an der Diskussion um den Besitzer der L98 und die Eisverk\u00e4uferin in der Stephanusstra\u00dfe1 gezeigt hat, als etwas imaginiert, das von au\u00dfen kommt. Die \u00f6ffentliche Erregung hat sich vor allem darin entladen, dass beide \u201eLindener\u201c seien. Individuelle Motive f\u00fcr ihr Handeln wurden zu ihrer Entlastung herangezogen. Alle haben nachvollziehbare Gr\u00fcnde f\u00fcr ihr Handeln. Auch Haack und WohnWert haben nachvollziehbare Gr\u00fcnde f\u00fcr ihr Handeln. Sie machen letztendlich einen \u201eganz normalen Job\u201c als Hausverwaltungen. Unsere Kritik ist jedoch keine moralische, die auf skrupellose, am besten amerikanische, Gro\u00dfinvestoren abzielt. Unsere Kritik und damit die Basis unseres Widerstandes entz\u00fcndet sich an der viel banaleren Tatsache, dass es Einigen m\u00f6glich ist, Wohnraum zu Geld zu machen, w\u00e4hrend andere von diesem Wohnraum abh\u00e4ngig sind. Die Grundstruktur, die dazu f\u00fchrt, dass Wohnraum zur Ware wird, ist abstrakt. Konkret sind jedoch die Folgen dieser Verh\u00e4ltnisse: Steigende Mieten dort wo es sich lohnt und damit eine Durchdringung sozialer Prozesse von der Logik des Marktes. Sprich Leute ziehen nicht weg, weil es ihnen woanders besser gef\u00e4llt, sondern ihnen wird ihr Recht auf Wohnraum abgesprochen. Finanzielle Interessen der Eigent\u00fcmer_innen spielen eine Rolle, aber auch Rassismus, Klassismus und pers\u00f6nliche Motive k\u00f6nnen die Art, wie sie ihre Macht aus\u00fcben, beeinflussen.<\/p>\n<p>Diesen Grundwiderspruch machen wir zum Ausgangspunkt unserer Politik. Das bedeutet, dass wir nicht moralisch urteilen wer r\u00fccksichtsloser oder ausbeuterischer handelt und daran unsere Aktionen anpassen, sondern entlang dieses Verh\u00e4ltnisses unsere Interventionen taktisch bestimmen. Unsere Aktionen zielen darauf ab, Reibungen und Widerst\u00e4ndigkeiten, die aus diesem Grundwiderspruch erwachsen, zu verst\u00e4rken und damit Felder der Auseinandersetzung zu schaffen, auf denen abstrakte Strukturen sichtbar und Akteur_innen konkret angreifbar werden. Felder, auf denen es im besten Fall partiell etwas zu gewinnen gibt. Sei es die Verhinderung einer Zwangsr\u00e4umung, die Verhinderung der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen oder das Einschr\u00e4nken des Handlungsspielraums derjenigen, denen es m\u00f6glich ist vom Wohnen zu profitieren. Mit unseren n\u00e4chtlichen Attacken bewegen wir uns innerhalb eines solchen Feldes.<\/p>\n<p>Wir verweigern uns der Vorstellung, Widerstand strafrechtlich zu betrachten. Juristische Kategorien interessieren uns nicht. Vielmehr sollen diejenigen, die davon profitieren, dass Wohnraum eine Ware ist, wissen, dass ihre Handlungen zwar legal sein m\u00f6gen und innerhalb kapitalistischer Logik nachvollziehbar sind, dass diese Logik aber unserer Idee widerspricht, dass die Organisierung des Lebens an den Bed\u00fcrfnissen Aller ausgerichtet sein soll. Jenseits von Verwertungs- und Konkurrenzlogik. Diese Vorstellung ist einfach. Sie ist weniger naiv als der Gedanke, dass die kapitalistische Organisation unserer Gesellschaft funktioniert. Denn diese funktioniert zwar als kapitalistisches Prinzip, aber wenn es darum geht, dass Menschen unter guten Bedingungen leben, dann funktioniert sie nicht. Genau das jedoch bleibt unser Ziel: Das gute Leben f\u00fcr Alle!<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n1&nbsp;&nbsp; Die Limmerstra\u00dfe 98 war 2011 f\u00fcnf Tage lang besetzt. Medial inszenierte sich der Eigent\u00fcmer als \u201eLindener\u201c, der f\u00fcr sich und seine Familie neu bauen wollte. Dass damals schon Luxuswohnungen geplant waren, interessierte nur wenige.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Als 2013 die Scheiben in der Stephanusstra\u00dfe eingeworfen wurden, war von der hippen Eismanufaktur Frioli noch nichts zu erkennen. Der Protest richtete sich also nicht gegen Eisherstellung, sondern gegen die vorausgegangene Entmietung und Luxussanierung des Geb\u00e4udes.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/208625\">Linksunten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover, 3. April 2017 Es hat die Richtigen getroffen! Am Montag, den 03.04.2017, haben wir den Hausverwaltungen Haack und WohnWert (Teil von Kindler &amp; Fries) einen n\u00e4chtlichen Besuch abgestattet. Wir haben von Haack ein Fahrzeug unbrauchbar gemacht (saure Milch in der L\u00fcftung, Bitumen an den Scheiben) und bei Wohnwert die Glasfront im Eingangsbereich zerst\u00f6rt. 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