{"id":5443,"date":"2016-12-29T00:00:41","date_gmt":"2016-12-28T22:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=5443"},"modified":"2016-12-29T00:00:41","modified_gmt":"2016-12-28T22:00:41","slug":"privat-pkw-eines-polizisten-abgefackelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=5443","title":{"rendered":"Privat-PKW eines Polizisten abgefackelt"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/chronik.noblogs.org\/files\/2017\/01\/200198.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-5444\" src=\"https:\/\/chronik.noblogs.org\/files\/2017\/01\/200198-300x169.jpg\" alt=\"200198\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/chronik.noblogs.org\/files\/2017\/01\/200198-300x169.jpg 300w, https:\/\/chronik.noblogs.org\/files\/2017\/01\/200198.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Berlin<\/strong>, <span class=\"submitted\">29. Dezember 2016<\/span><\/p>\n<blockquote><p>Nachdem im September in Hamburg die Privatautos von Polizeidirektor Treumann brannten, sollte in logischer Konsequenz jeder beliebige Bulle als Ziel markiert werden, dachten wir als uns die Information erreichte, dass ein Polizeibeamter in den elit\u00e4ren Neubauten auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Schlachthofs an der Grenze zum Friedrichshainer Nordkiez wohnt. Denn jeder Bulle ist verantwortlich f\u00fcr die menschenverachtende Gewalt, die sein Staat ihm zur Herrschaftssicherung befiehlt. Egal ob er Eins\u00e4tze steuert wie Treumann oder nur der letzte Sesselfurzer oder Schl\u00e4ger seines Reviers ist. Deshalb haben wir am 29.12.2016 den VW Touareg des Polizisten und dabei gleichzeitig die Nobelkarosse eines weiteren Eigenheimbesitzers, verantwortlich f\u00fcr die Mietenexplosion in diesem Kiez, angez\u00fcndet.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nW\u00e4hrend wir uns damit im Rahmen der eigentlich bis jetzt erfolgreichen Mobilisierung gegen den G20 bet\u00e4tigt haben, macht sich doch auch ein Gef\u00fchl der Unzul\u00e4nglichkeit breit. So hat es etwas l\u00e4nger gedauert unsere Gedanken in Worte zu fassen.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir diesen Wochen von Angriffen gegen die Welt der G20 und die Stadt der Reichen, dr\u00e4ngt sich ein Vergleich zur militanten Kampagne gegen den G8 in Rostock vor zehn Jahren auf. Was ist von den damaligen Anschl\u00e4gen und Krawallen geblieben? Unzweifelhaft haben Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t von Sabotage und Zerst\u00f6rung ihren Tiefpunkt um die Jahrtausendwende \u00fcberwunden, inhaltlich stehen die Autonomen, von denen viele Erkl\u00e4rungen unterzeichnet sind, relativ alleine da. Zu erschreckender Harmlosigkeit verkommen, sind viele Antifa Gruppen kaum noch Ansprechpartner unserer Politik. Die mentale Abr\u00fcstung von fr\u00fcher mit uns hinter Barrikaden stehenden Zusammenh\u00e4ngen, vermittelt uns den Eindruck, die ganze Zeit die falschen Fragen gestellt zu haben. War nicht eine Hoffnung hinter den wenigen aber heftigen Stra\u00dfenschlachten der letzten Jahre, mit den damit erreichten Menschen, die zahlreich nur auf diese Gelegenheiten warten, weitere Revolten anzetteln und R\u00e4ume \u00f6ffnen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Das es nicht m\u00f6glich war, bis auf kurze Phasen in einigen Teilbereichen, eine breitere Gehorsamsverweigerung und Konfliktualit\u00e4t zu erlangen, ist nicht schlimm. Das Problem ist das Fehlen einer Utopie, die der Integrationskraft des Systems entgegen gesetzt werden kann. Was ist vom autonomen Kongress 2009 in Hamburg in Erinnerung geblieben? Da wir Militanz und Gewalt als Mittel einsetzen und sogar im Zusammenhang mit dem G20 bewerben, sollten unsere Ziele klarer formuliert werden k\u00f6nnen. Sonst k\u00f6nnen wir einfach als stumme Sabotageteams unser n\u00e4chtliches Handwerk betreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die aktuellen Fragen \u2013 Macht, Gegenmacht, Verh\u00e4ltnis zur Gesellschaft, Organisierung, B\u00fcndnisse u.s.w. \u2013 wurden bereits \u00f6fter diskutiert. Mit mehr Tiefgang. Jetzt wo das Echo aus dieser Zeit immer schw\u00e4cher wird, macht es Sinn die Analysen vorheriger Generationen der ChaotInnen und Troublemaker wenigstens zur Kenntnis zu nehmen. Im Vorfeld des Autonomie Kongresses von 1995 in Berlin zirkulierte der folgende Text:<\/p>\n<hr \/>\n<p>Die autonome Bewegung der 80er Jahre hat sich im allgemeinen mit einigen Schlagworten und ihrem eigenen Mythos als politischen Programm begn\u00fcgt. Ansonsten war eher die Negation Politik-bestimmend: keine Wortf\u00fchrerInnen, keine Organisation, keine StellvertreterIinnenpolitik, keine Einbindung in politische Verantwortung. Anonym, subversiv und unberechenbar war das Auftreten, und so sollte es auch sein. Trotzdem gab es Gelegenheiten, bei denen es notwendig wurde, die eigenen politischen Absichten in Worten auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Das Autonomentreffen in Padua<\/p>\n<p>1981 gab es eine Veranstaltung autonomer Gruppen im italienischen Padua, zu der auch Autonome der West-Berliner HausbesetzerInnenbewegung eingeladen waren. Im Gegensatz zu den deutschen Autonomen hatte die Autonomie-Bewegung in Italien in der Theorie verankerte Wurzeln. H\u00e4user- und Stadtteilk\u00e4mpfe waren die Ausweitung eines theoretisch durchgearbeiteten Konzepts von Betriebskampf. Mit der Kennzeichnung als \u201eautonom\u201c grenzte es sich gegen ein traditionelles, an Partei oder Gewerkschaften gebundenes linkes Politikverst\u00e4ndnis ab, war aber keineswegs gegen Organisierung im allgemeinen gerichtet. Aus Anlass des Treffens in Padua versuchten auch die West-Berliner Autonomen, ihre Grundauffassungen in acht Stichpunkten deutlich zu machen.<\/p>\n<p>Diese mageren drei Seiten waren und blieben f\u00fcr lange Zeit die einzige programmatische Erkl\u00e4rung aus der autonomen Bewegung, die als solche in den folgenden Monaten auch zur Kenntnis genommen und diskutiert wurde. In einer \u00fcberarbeiteten Version erschienen die Thesen einige Monate sp\u00e4ter in der \u201eradikal\u201c. Die f\u00fcr Padua ziemlich flott und unbek\u00fcmmert hingeschriebenen Aussagen waren schon nicht mehr ganz so unbedenklich. Vielleicht unter dem Eindruck der Kritik, vielleicht auch aus der \u00dcberlegung heraus, irgendwann mal beim Wort genommen zu werden, war diese oder jene Spitze abgefeilt.<\/p>\n<p>Verschwimmender Revolutionsbegriff blockiert die Ziele-Diskussion<\/p>\n<p>Es folgte eine lange Zeit, in der autonome Zusammenh\u00e4nge aus Anlass der unterschiedlichsten Ereignisse vieles an politischen Aussagen an die \u00d6ffentlichkeit brachten \u2013 zum Internationalismus, zum Verh\u00e4ltnis Patriarchat und Kapital, zum Reformismus \u2013 nur nicht zu den eigenen Zielvorstellungen. Daf\u00fcr gab es vor allem zwei Gr\u00fcnde:<\/p>\n<p>Die grenzenlose Radikalit\u00e4t des politischen Anspruchs schl\u00e4gt auf jede Konkretisierung eigener Zielvorstellungen wie ein Bumerang zur\u00fcck. Die einzige M\u00f6glichkeit, wie wir der vernichtenden Wirkung der selbstaufgestellten kritischen Ma\u00dfst\u00e4be entgehen konnten, war die, uns m\u00f6glichst selbst nicht festzulegen.<\/p>\n<p>Der andere Grund lag vielleicht in unserer allm\u00e4hlich wachsenden \u00dcberzeugung, dass sich in einer emanzipativen revolution\u00e4ren Entwicklung, in der die Ziele nicht durch die Autorit\u00e4t einer dogmatischen Theorie festgeschrieben sind, sich diese Ziele notwendigerweise st\u00e4ndig ver\u00e4ndern. Diese eher intuitive und wenig besprochene Annahme von der Relativit\u00e4t und Proze\u00dfhaftigkeit revolution\u00e4rer Ver\u00e4nderungen stellte den ganzen bisherigen Revolutionsbegriff infrage. Die Alternative zur Revolution war in unseren K\u00f6pfen aber immer der Reformismus, das Kitten des Systems. So haben wir uns durch die Unf\u00e4higkeit, gleichzeitig prozesshaft und revolution\u00e4r zu denken, in eine Blockade hineinman\u00f6vriert und sie durch die Sprachregelung vernebelt, dass die Ziele sich halt in den K\u00f6pfen und aus den K\u00e4mpfen heraus selbst formulieren. Das stimmt zwar, aber nur dann, wenn es auch umgekehrt gilt: Die K\u00e4mpfe entfalten sich an der Hoffnung auf Ver\u00e4nderung, d.h. im Hinblick auf konkrete Ziele. Mit anderen Worten: die Utopie wird in den K\u00e4mpfen nicht erfunden aber immer wieder ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Versuche der Neuorientierung nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus \u2026<\/p>\n<p>Die Ereignisse von Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre sorgten daf\u00fcr, dass in autonomen und antiimperialistischen Zusammenh\u00e4ngen eine intensive Diskussionsphase begann. Der weltweite Zusammenbruch des sozialistisch regierten Lagers ber\u00fchrte zwar unsere eigenen politischen Utopien wenig \u2013 die meisten hatten ein gleichg\u00fcltiges bis feindseliges Verh\u00e4ltnis zum Real-Sozialismus \u2013 wir hatten aber das Gef\u00fchl, von den Ereignissen \u00fcberrollt zu werden und die Dimension der Ver\u00e4nderungen, auch im Bewu\u00dftsein der Menschen, \u00fcberhaupt nicht mehr erkennen zu k\u00f6nnen. Hatte der scheinbare Sieg des Kapitalismus endlich die falsche Alternative weggefegt und Platz f\u00fcr wirkliche Emanzipation in Richtung herrschaftsfreier Verh\u00e4ltnisse geschaffen? Oder machte die Unterwerfung unter die Macht des Faktischen die Menschen nun erst recht dicht f\u00fcr alle linksradikalen Mobilisierungsversuche?<\/p>\n<p>\u2026 und dem Zerfallen der autonomen Bewegung<\/p>\n<p>Die Versuche, die autonome Bewegung mit verschiedenen Kampagnen und politischen Themen \u00fcber den Charakter einer spontanen und eher subkulturellen Jugendbewegung hinauszuheben, sie im weitesten Sinne zu \u201eorganisieren\u201c, waren zum gro\u00dfen Teil gescheitert. Die einige tausend West-Berliner Autonome aus den 80er Jahren beschr\u00e4nkten ihr politisches Engagement mehr und mehr auf die Teilnahme an Stra\u00dfenfesten und an traditionellen Demonstrationen. Aktiv blieb jeweils nur ein kleiner Teil, der eher \u00fcber gewachsenen, \u201efamili\u00e4re\u201c Strukturen miteinander verbunden war.<\/p>\n<p>Auch die zweite Hochphase der Hausbesetzung als Ort der Herausbildung militanter Kollektivit\u00e4t war 1990 mit der R\u00e4umung der Mainzer Stra\u00dfe vorbei. Es gab immer weniger auch von au\u00dfen erkennbare Symbole f\u00fcr die M\u00f6glichkeit eines befreiten Lebens.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde unser Verh\u00e4ltnis zu den eigenen Politikfeldern und -formen zunehmend gebrochener: Neue dogmatische und autorit\u00e4re Organisationen fischten mit dem Anspruch, proletarisch und internationalistisch zu sein, die traditionelle Unterst\u00fctzerInnen-Szene der Autonomen ab. Die neofaschistische Szene \u00fcbernahm verschiedene Aktionsformen aus dem linken Widerstand und \u201everbrannte\u201c sie auf diese Weise. Zudem wurden wir in die Rolle von Grundrechte-VerteidigerInnen oder Antifa-Milizen gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Am schlimmsten wirkte sich die \u00fcberall um sich greifende Beschr\u00e4nkung des Interesses auf das Wohlergehen der eigenen Person und die allgemeine Hoffnungslosigkeit aus. Es schien nichts mehr zu geben, f\u00fcr das es sich zu k\u00e4mpfen lohnte.<\/p>\n<p>Eine eigene Sprache finden<\/p>\n<p>Dabei hatten wir das sichere Gef\u00fchl, dass unsere Idee von Befreiung durch die historischen Ereignisse und durch unsere eigenen Misserfolge und Fehler nicht zerst\u00f6rt war. Unsere Hoffnung war ja nie der Kommunismus am Ende der Geschichte gewesen, sondern die Selbstwertsetzung in der militanten Konfrontation zu den bestehenden Verh\u00e4ltnissen, also die permanente Revolution.<\/p>\n<p>Wir sahen darin weiterhin die einzige wirkliche Alternative zu einem gleichgeschalteten Leben in Konkurenz und Selbstvermarktung. Aber das teilte sich eben nicht mehr direkt durch die Aktionen der Bewegung mit. Wir mussten Versuchen zu sagen, was wir wollen.<\/p>\n<p>Viele dieser Versuche sind im Ansatz steckengeblieben: Es zeigte sich, dass die Sprache \u2013 jedenfalls unsere Polit-Sprache \u2013 nicht m\u00e4chtig ist, das auszudr\u00fccken, was sich manchmal in einer gelungenen spontanen Aktion oder einer treffsicheren Parole unmittelbar mitteilt: die scheinbare Paradoxie im Verh\u00e4ltnis von Wollen und Handeln, die das Anliegen nicht denunziert, sondern gerade Teil seines Wesens ist. Die Sprachform, in der manchmal Spuren der zwangsl\u00e4ufigen Widerspr\u00fcchlichkeiten erhalten bleiben, ist die der Ironie, und darin sind wir Autonomen, wenn wir anfangen etwas erkl\u00e4ren zu wollen, nicht so besonders stark.<\/p>\n<p>Thesen zu autonomen Bewegung<\/p>\n<p>A) Urspr\u00fcngliche Fassung f\u00fcr das Treffen in Padua 1981<br \/>\nB) Bearbeitung der Thesen, die wenig sp\u00e4ter in der \u201eradikal\u201c erschien<br \/>\nC) Neubearbeitung einiger \u201eAlt-Autonomer\u201c von Anfang 1994<\/p>\n<p>1. F\u00fcr wen wir k\u00e4mpfen<\/p>\n<p>A) Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr uns, andere k\u00e4mpfen auch f\u00fcr sich, und gemeinsam sind wir st\u00e4rker. Wir f\u00fchren keine Stellvertreterkriege, es l\u00e4uft \u00fcber &#8220;eigene Teilnahme&#8221;, Politik der 1.Person. Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr keine Ideologien, nicht f\u00fcrs Proletariat oder f\u00fcrs Volk, sondern f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben in allen Bereichen, wohl wissend, da\u00df wir nur frei sein k\u00f6nnen, wenn alle anderen auch frei sind!<\/p>\n<p>B) Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr uns und f\u00fchren keine Stellvertreterkriege. Alles l\u00e4uft \u00fcber eigene Teilnahme, Politik der 1. Person. Wir k\u00e4mpfen nicht f\u00fcr Ideologien, nicht f\u00fcrs Proletariat, nicht f\u00fcrs Volk, sondern f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben in allen Bereichen, wohl wissend, dass wir nur frei sein k\u00f6nnen, wenn alle anderen auch frei sind. Volle regionale, kulturelle Autonomie f\u00fcr alle!<\/p>\n<p>C) (wie A, dann:) Aber auch wir haben eine Ideologie: Es geht uns dabei um Eigenverantwortung und Selbstbestimmung als gesellschaftliches Ziel und Mittel zu deren Durchsetzung. Es geht uns aber auch um Moral, Gerechtigkeit und W\u00fcrde. Und in diesem Zusammenhang f\u00fchren wir auch manchmal Stellvertreterkriege, wenn wir betroffen sind von dem Leid und der Unterdr\u00fcckung gegen ander.<\/p>\n<p>2. Verh\u00e4ltnis zur Macht<\/p>\n<p>A) Keinen Dialog mit der Macht! Wir stellen nur Forderungen, auf die die Macht entweder eingehen kann oder auch nicht.<\/p>\n<p>B) Keinen Dialog mit der Macht! Wir stellen nur Forderungen, die die Macht nicht erf\u00fcllen kann oder die ganz \u201eirrational\u201c sind. Durch innerhalb des Systems erf\u00fcllbare Forderungen w\u00e4re das System nur verbessert und als (wohlwollende) Macht best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>C) Wir wollen das System nicht reformieren oder verbessern. Wir f\u00fchren keinen Dialog mir den Herrschenden, denn das ist der erste Schritt zur Integration. Wir lehnen die Propagierung reformistischer Ziele ab. Uns kommt es zu allererst darauf an, das Selbstbewu\u00dftsein der Menschen in Alltag und Politik zu st\u00e4rken, ihre Sachen selbst in die Hand zu nehmen und nicht an andere zu delegieren. Deswegen lehnen wir f\u00fcr uns den parlamentarischen Weg ab. Wir wissen sehr wohl, dass es eine Dialektik zwischen Reform und Revolution gibt: Wenn die Betroffenen f\u00fcr die Verbesserung ihrer Misere k\u00e4mpfen, also die erlaubten Bahnen des Protestes \u00fcberschreiten und dabei auch Teilziele gegen den Widerstand der Herrschenden durchsetzen, kann dies auch Ansporn sein, f\u00fcr neue system\u00fcbergreifende Ziele zu k\u00e4mpfen. Das Gef\u00fchl, gemeinsam stark zu sein, Erfolge zu erreichen, radikal f\u00fcr die selbstformulierten Ziele zu k\u00e4mpfen (wobei wir unter \u201eradikal\u201c nicht nur \u201emilitant\u201c verstehen), ist dabei das Entscheidende: Der Weg, die Art und Weise unserer K\u00e4mpfe ist das Ziel.<\/p>\n<p>3. Knast<\/p>\n<p>(dazu nichts im 1. Entwurf)<\/p>\n<p>B) Die st\u00e4ndige latente Drohung mit Knast und deren Anwendung ist eine entscheidende Existenzbedingung dieses Systems, unser Kampf richtet sich prim\u00e4r gegen jede Differenzierung im Knast. \u201eNormalvollzug f\u00fcr alle\u201c als erster Schritt in Richtung \u201eFreiheit f\u00fcr alle\u201c.<\/p>\n<p>C) Die st\u00e4ndige latente Drohung mit Knast und deren Anwendung ist eine entscheidende Existenzbedingung dieses Systems. Unser Kampf muss sich \u2013 trotz des augenblicklichen Unrealismus \u2013 insgesamt gegen diese gesellschaftliche Bestrafungssystem wenden. In unserer utopischen Vorstellung wollen wir auch nicht die Verantwortung gegen\u00fcber Vergewaltigern, Faschos und Frauenm\u00f6rdern dem Staat \u00fcberlassen. Momentan w\u00fcrden wir aber trotzdem nicht \u201eFreiheit f\u00fcr alle\u201c fordern. Das Dilemma l\u00e4sst sich zur Zeit nicht aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>4. Arbeit<\/p>\n<p>A) Wir sind nicht zusammengekommen \u00fcber Arbeit oder Fabrik; Arbeit ist f\u00fcr uns ein Ausnahmezustand. Kennengelernt haben wir uns \u00fcber Punkmusik, Szenekneipen und die sonstige Subkultur.<\/p>\n<p>B) Durch den relativen gesellschaftlichen Reichtum haben wir die M\u00f6glichkeit, uns der Arbeit weitgehend zu entziehen. Somit stellt die Arbeit f\u00fcr uns keinen Zusammenhang dar, wo wir uns kennengelernt haben oder der zum Inhalt unseres Kampfes wird. Zusammengekommen sind wir \u00fcber Subkultur, und diese stellt auch den Ausgangspunkt f\u00fcr unseren Kampf gegen den Staat dar.<\/p>\n<p>C) Wir hier in der Metropole sind \u2013 unabh\u00e4ngig von der Klassenstellung \u2013 Nutznie\u00dfer der internationalen Ausbeutung. Auch die \u00c4rmeren profitieren hier von den Hungerl\u00f6hnen in den Trikont-L\u00e4ndern. Der Zwang zur Arbeit ist in dieser Gesellschaft trotz der versch\u00e4rften Angriffe des Kapitals immer noch sehr viel geringer als in Osteuropa oder den Trikont-L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Trotz Massenarbeitslosigkeit fordern wir nicht das Recht auf Arbeit. Denn dies w\u00e4re in diesem System nur das Recht auf Ausbeutung. Wir k\u00e4mpfen stattdessen f\u00fcr die Aufhebung der entfremdeten Arbeitsverh\u00e4ltnisse. Wir wissen, dies werden wir nicht erreichen, ohne die Herrschaft des Geldes oder der abstrakten Ware abzuschaffen. Deswegen geh\u00f6rt dazu, die Trennung von Arbeits- und Lebenszusammenh\u00e4ngen aufzuheben, also eine neue grundlegend ge\u00e4nderte Struktur des sozialen Zusammenlebens und der Kommunikation zu schaffen.<\/p>\n<p>5. Kommunismus<\/p>\n<p>A) Wir haben alle einen &#8220;diffusen Anarchismus&#8221; im Kopf, sind aber keine traditionellen Anarchisten. Teile von uns sehen den kommunismus\/ Marxismus als eine Herrschafts- und Ordnungsideologie; er will den Staat, wir aber nicht. Andere meinen, da\u00df es einen eigentlichen Kommunismus gibt, der nur immer wieder verf\u00e4lscht worden ist. Einig sind wir dar\u00fcber, da\u00df alle aufgrund der Erfahrungen mit K-Gruppen, DDR, etc. gro\u00dfe Schwierigkeiten mit dem Begriff Kommunismus haben.<\/p>\n<p>B) Wir haben einen &#8220;diffusen Anarchismus&#8221; im Kopf, sind aber keine traditionellen Anarchisten. Die Begriffe Marxismus, Sozialismus und Kommunismus beinhalten f\u00fcr uns nach allen ihren Theorien und Praktiken den Staat und k\u00f6nnen somit von uns, auch als \u201eZwischenstufe\u201c nicht akzeptiert werden. Wir glauben auch nicht, dass es eine \u201eEigentlichkeit\u201c der obigen Begriffe gibt, die immer nur verf\u00e4lscht worden ist. Auch mit dem Begriff des Antiimperialismus, so wie er vertreten wird, k\u00f6nnen wir uns nicht identifizieren, da er bei der Forderung nach nationaler Unabh\u00e4ngigkeit stehenbleibt und somit den Staat in keiner Weise in Frage stellt.<\/p>\n<p>C) Wir haben alle einen &#8220;diffusen Anarchismus&#8221; im Kopf, sind aber keine traditionellen Anarchisten. Die Begriffe Marxismus, Sozialismus und Kommunismus beinhalten f\u00fcr uns nach allen ihren Theorien und Praktiken den Staat und k\u00f6nnen somit von uns, auch als \u201eZwischenstufe\u201c nicht akzeptiert werden. Wir glauben auch nicht, dass es eine \u201eEigentlichkeit\u201c der obigen Begriffe gibt, die immer nur, z.B. durch den Realsozialismus verf\u00e4lscht worden ist. Auch mit dem Begriff des Antiimperialismus, so wie er vertreten wird, k\u00f6nnen wir uns nicht identifizieren, da er bei der Forderung nach nationaler Unabh\u00e4ngigkeit stehenbleibt und somit den Staat in keinster Weise in Frage stellt.<\/p>\n<p>6. Macht<\/p>\n<p>A) Keine Macht f\u00fcr niemand! Auch keine &#8220;Arbeitermacht&#8221; oder &#8220;Volksmacht&#8221; oder &#8220;Gegenmacht&#8221;, sondern Keine Macht f\u00fcr Niemand!<\/p>\n<p>B) Es gilt, dem System \u00fcberall punktuell Gegenmacht entgegenzusetzen. Diese Gegenmacht darf sich allerdings nie totalisieren oder vereinheitlichen, darf nie als die Gegenmacht institutionalisiert werden, sonst w\u00e4re die Tendenz f\u00fcr einen neuen Staat im Keim bereits wieder angelegt. Der Ausgangspunkt f\u00fcr die Bildung einer Gegenmacht ist der Staat, nicht der Wunsch nach Herrschaft; somit l\u00f6st sich die Gegenmacht dialektisch mit der Macht auf \u2013 Gibt es keine Macht mehr, brauchen wir auch keine Gegenmacht. Keine Macht f\u00fcr Niemand!<\/p>\n<p>C) Es gilt, dem System \u00fcberall punktuell Gegenmacht entgegenzusetzen. Diese Gegenmacht darf sich allerdings nie totalisieren oder vereinheitlichen, darf nie als die Gegenmacht institutionalisiert werden, sonst w\u00e4re die Tendenz f\u00fcr einen neuen Staat im Keim bereits wieder angelegt. Macht formiert sich aber nicht nur durch den Staat, sondern tragende S\u00e4ulen der Macht sind u.a. die patriarchiale Kleinfamilie, Kirche und Religion.<\/p>\n<p>Eine besondere Form von Macht und Unterdr\u00fcckung bildet sich durch das Konkurrenzprinzip und Leistungsdenken heraus. Diese werden uns in Erziehung, Schule und Arbeit als naturgebundene Normen vermittelt. Die Bek\u00e4mpfung des vermeintlichen Rechts des St\u00e4rkeren, Erfolgreicheren bedeutet, die Machtbeziehungen in allen Formen zwischenmenschlicher Kommunikation zu thematisieren und bei sich selbst anzufangen, diese abzubauen. Die Bildung einer sozialen Gegenmacht darf uns nicht dazu verleiten, neue Machtstrukturen an die Stelle der alten zu setzen. Das Ziel \u2013 keine Macht f\u00fcr niemand \u2013 muss auch in unseren Formen des Kampfes und der Organisation von Gegenmacht erkennbar sein.<\/p>\n<p>7. Alternativszene<\/p>\n<p>A) Mit der Alternativszene haben wir inhaltlich nichts zu tun, sind aber bereit, die Strukturen und technischen Mittel der Alternativszene zu benutzen. Uns ist klar, da\u00df der Kapitalismus hier einen neuen Nebenzyklus von Kapital und Arbeit schafft, sowohl als Besch\u00e4ftigungsfeld f\u00fcr arbeitslose Jugendliche, als auch als Experimentiertfeld zur L\u00f6sung anstehender sozialer Spannungen und wirtschaftlicher Probleme.<\/p>\n<p>B) Westberlin hat eine sehr weit entwickelte Subkultur, deren Strukturen wie Kneipen, Buchl\u00e4den, Druckereien, Werkst\u00e4tten etc. von der gesamten Linken genutzt werden. Die Alternativen versuchen, sich innerhalb des bestehenden Systems Freir\u00e4ume zu erobern, um darin eine andere Kultur und \u00d6konomie aufzubauen, sto\u00dfen dabei jedoch immer wieder auf vom Kapital vorgegebene gesamtgesellschaftliche Grenzen. Auch unser Kampf geht im Moment nur um die Eroberung und Verteidigung von Freir\u00e4umen, dies kann und darf aber nie unser Ziel sein. Aber je mehr Freir\u00e4ume wir gewinnen k\u00f6nnen, desto besser ist unsere Ausgangsbasis, um den Staat und das System zu st\u00fcrzen und im Meer der Geschichte zu versenken. Freir\u00e4ume bedeuten ein punktuelles Au\u00dferkraftsetzen des Staates, aber gleichzeitig kann der Staat durch das ghettoisierte Zulassen von Freir\u00e4umen sozialen Widerstand kanalisieren. Die deutsche Sozialdemokratie versteht es in den letzten Jahren, die Alternativszene als Experimentierfeld f\u00fcr soziale und technische Probleme begreifend, diese gezielt zu subventionieren und deren Ergebnisse teilweise zu integrieren \u2013 die Alternativszene als Diagnose- und Therapiefeld der kranken kapitalistischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Politische Aktivit\u00e4ten entwickeln die meisten Alternativen nur, wenn sie ihre Freir\u00e4ume bedroht sehen sehen oder wenn der zunehmende \u00f6kologische Ausverkauf ihr \u00dcberleben\/ Perspektive in Frage stellt. Dabei schlie\u00dfen sie eine Zusammenarbeit mit der Macht nicht grunds\u00e4tzlich aus. Durch diese Orientierung auf ein anderes innerhalb des bestehenden ergibt sich ein latentes Spannungsfeld zur radikalen\/ autonomen Linken, deren Orientierung haupts\u00e4chlich darauf gerichtet ist, das Bestehende zu beseitigen. Inhaltliche Diskussionen zwischen Alternativen und Autonomen finden nur selten statt, was unter anderem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass die Autonomen oft kein formuliertes oder zumindest einheitliches Selbstverst\u00e4ndnis haben.<\/p>\n<p>Gerade in der H\u00e4userbewegung ist der Konflikt offen ausgebrochen: Der gro\u00dfe Teil der alternativ orientierten Hausbesetzer betrachtet die H\u00e4user als Freir\u00e4ume, in denen sie ein anderes (\u00dcber-) leben entwickeln wollen. Dabei arbeiten die meisten auf eine Legalisierung hin \u2013 f\u00fcr den Preis der Anerkennung der Macht. Die Autonomen dagegen erkl\u00e4ren die H\u00e4user f\u00fcr enteignet und wollen sie nicht zum Mittelpunkt ihres Lebens machen, sondern zum Ausgangspunkt um weiterzuk\u00e4mpfen. Trotz dieser teilweise grunds\u00e4tzlichen Differenzen kommt es immer wieder zu fruchtbaren Aktionseinheiten und B\u00fcndnissen.<\/p>\n<p>Wir lehnen die Selbstverwaltung des Elends und der sozialen Krise ab, d.h. wir w\u00fcrden z.B. nie ein Selbsthilfeprojekt f\u00fcr Arbeitslose machen. Hier ist f\u00fcr die alternativen nichts weiter als eine Falle aufgestellt. Sie sollen sich in den Randbereichen der Macht und ihrer Verwaltung beteiligen \u2013 letztendlich um das System zu stabilisieren.<\/p>\n<p>C) Die Alternativen versuchen, innerhalb des bestehenden Systems Freir\u00e4ume zu erobern, um darin eine andere Kultur und eine andere \u00d6konomie aufzubauen. Sie sto\u00dfen dabei jedoch immer wieder auf vom Kapital vorgegebene gesamtgesellschaftliche Grenzen. Auch unser Kampf geht im Moment meist nur um die Eroberung und Verteidigung von Freir\u00e4umen, wie z.B. bei der Besetzung von H\u00e4usern und Jugendzentren. Dies kann und darf aber nie unser alleiniges Ziel sein. Aber je mehr Freir\u00e4ume wir gewinnen k\u00f6nnen, desto besser ist unsere Ausgangsbasis, um den Staat und das System zu st\u00fcrzen. Freir\u00e4ume bedeuten ein punktuelles Au\u00dferkraftsetzen des Staates. Aber gleichzeitig kann der Staat durch das ghettoisierte Zulassen von Freir\u00e4umen sozialen Widerstand kanalisieren.<\/p>\n<p>Diese unterschiedliche Bewertung der Bedeutung von Freir\u00e4umen bei den Gr\u00fcn-Alternativen und bei den Autonomen halten wir f\u00fcr zu Schwarz-Wei\u00df und zu wenig proze\u00dfhaft gedacht. Gesellschaftlicher Wandel vollzog sich sehr wohl auch durch das \u201eTherapie- und Diagnosefeld der Alternativszene\u201c, z.B. im Bereich der Gesundheitspolitik\/ Medizin. Es ist nicht gleich alles schlecht, was gesellschaftlich integriert wird, was zu Reformen beitr\u00e4gt. Die Alternativszene ist heute jedoch Teil des Systems und keine Triebfeder mehr f\u00fcr emanzipatorischen Wandel.<\/p>\n<p>Wir wollen auch heute noch Freir\u00e4ume erk\u00e4mpfen, um experimentieren zu k\u00f6nnen, um die Dialektik zwischen Eigenver\u00e4nderung und gesamtgesellschaftlicher Ver\u00e4nderung produktiver leben zu k\u00f6nnen. Aber die Freir\u00e4ume sollten nicht nur f\u00fcr die Jugendbewegung, die funktionst\u00fcchtigen K\u00e4mpfer da sein, sondern gerade auch f\u00fcr Alte, Kranke, Behinderte, Obdachlose, S\u00fcchtige etc.<\/p>\n<p>8. Revolution<\/p>\n<p>A) Uneinig sind wir uns dar\u00fcber, ob wir\u00b4ne Revolte sind oder`ne Revolution wollen. Ein paar wollen\u00b4ne permanente Revolution, der Rest meint, das k\u00f6nne man dann gleich eine permanente Revolte nennen. Revolution ist f\u00fcr sie ein Fixpunkt, ab dem dann angeblich das Reich der Freiheit da ist. Und das gibt&#8217;s ihrer Meinung nach nicht. Freiheit ist vielmehr der kurze Moment, in dem der Pflasterstein die Hand verl\u00e4\u00dft, bis zu dem Moment, wo er auftrifft. Einig sind wir uns dar\u00fcber, da\u00df wir zuerst nur zerst\u00f6ren wollen, kaputt machen, uns nicht positiv formulieren.<\/p>\n<p>B) Nicht einig sind wir uns dar\u00fcber, ob wir eine Revolte oder Revolution wollen. Ein paar wollen ne permanente Revolution. Der Rest meint, das k\u00f6nnte man dann gleich ne permanente Revolte nennen. Revolution ist f\u00fcr sie ein Fixpunkt, ab dem dann angeblich das Reich der Freiheit da ist, und das gibt\u2019s ihrer Meinung nach nicht. Vielleicht ist Freiheit nur der kurze Moment, wo der Pflasterstein in die Hand genommen wird, bis zum Zeitpunkt, wo er auftrifft, d.h. der Moment der Ver\u00e4nderung, der Grenz\u00fcberschreitung, der Bewegung. Einig sind wir uns dar\u00fcber, dass wir den Staat zerst\u00f6ren und uns ihm gegen\u00fcber nicht konstruktiv formulieren wollen.<\/p>\n<p>C) Wir m\u00fcssen neben der Aufhebung des Staates mit unseren eigenen verinnerlichten Strukturen aufr\u00e4umen: Patriarchiale, rassistische und leistungsorientierte Strukturen stecken ganz tief in uns. Sie haben wenig mit der Existenz des Staates zu tun. Diese Aufhebung der eigenen deformierten Strukturen l\u00e4uft aber nicht allein durch Selbstver\u00e4nderung. Hier \u00fcbersch\u00e4tzen wir unsere subjektiven M\u00f6glichkeiten. Eine weiterf\u00fchrende Antwort war und ist Kollektivit\u00e4t. Doch auch dabei muss noch viel an gesellschaftlichem verinnerlichten Dreck wie Machtstrukturen, Konkurrenzdenken etc. ver\u00e4ndert werden. Das spielerische Moment der Selbstver\u00e4nderung \u2013 das des Erlebens der Freiheit beim Flug des Pflastersteins \u2013 ist allein zu kurz gegriffen. Das Leben steht leider nicht nur aus einer Aneinanderreihung solcher Momente der Freiheit, sondern der politische Alltag hat viel mit den M\u00fchen der Ebene zu tun. Selbstver\u00e4nderung kann aber auch dann lustvoll sein, wenn du z.B. in der Kommunikation mir anderen das Neue sp\u00fcrst, dich traust, neue Wege zu gehen, die dir neuen Mut geben.<\/p>\n<p>9. Organisierung<\/p>\n<p>A) Wir haben keine Organisierung an sich. Unsere Organisationsformen sind alle mehr oder weniger spontan. Besetzerrat, Telefonkette, Autonomen-Plenum, und viele viele kleine Gruppen, die sich entweder kurzfristig zusammensetzen, um irgendwelche actions zu machen auf Demos zusammen sind, etc. und langfristigere Gruppen, die Sachen wie radikal, Radio Utopia oder irgendwelche ganz illegale actions machen. Es gibt keinerlei festere Strukturen wie Parteien etc., auch keinerlei Hierarchie. Die Bewegung hat z.B. bis heute noch keinen einzigen Exponenten hervorgebracht wie z.B. Negri, Dutschke, Cohn-Bendit, etc&#8230;<\/p>\n<p>B) Wir haben keine Organisierung an sich. Unsere Organisationsformen sind alle mehr oder weniger spontan. Besetzerrat, Telefonkette, Autonomen-Plenum, und viele viele kleine Gruppen, die sich entweder kurzfristig zusammensetzen, um irgendwelche actions zu machen, oder langfristige Gruppen die Sachen wie Zeitungen, Radios oder irgendwelche illegalen actions machen. Es gibt keinerlei anerkannte Hierarchie. Die Bewegung hat bis heute noch keinen einzigen Exponenten hervorgebracht wie z.B. Negri, Dutschke, Cohn-Bendit, etc.<\/p>\n<p>C) Wir lehnen eine parteif\u00f6rmige Organisationsstruktur aus vielerlei Gr\u00fcnden ab: In allen linksradikalen Parteien gab es das Funktion\u00e4rsunwesen, das Delegieren von Interessen von unten nach oben, die mangelhafte F\u00f6rderung des Selbstbewu\u00dftseins und der Selbstbestimmung der Massen etc. Jede kommunistische oder anarchistische Partei kennt das Problem der Macht bis zum \u00dcberdru\u00df. In unseren Strukturen hingegen gibt es keine gew\u00e4hlten Delegierte oder Funktion\u00e4re. Und dennoch kennen auch wir das Problem der Macht. Sie bildet sich bei uns nur informell, quasi unter der Hand heraus.<\/p>\n<p>Informelle Zusammenh\u00e4nge zwischen verschiedenen Gruppen und Individuen haben sich im Laufe der Jahre herausgebildet. Besonders die \u201eNeuen\u201c und die J\u00fcngeren sind davon zumeist sehr lange ausgeschlossen. Obwohl die nicht-\u00f6ffentliche Struktur einen guten Schutz vor den Bullen bietet, m\u00fcssen wir viel sch\u00e4rfer zwischen notwendiger Nicht-\u00d6ffentlichkeit und \u00f6ffentlich zug\u00e4nglicher Struktur unterscheiden. Viele von den informellen Strukturen sind \u00fcberholt und entziehen sich v\u00f6llig der Kritik durch andere. Hier blockieren alte Machtstrukturen politische Neuerungen.<\/p>\n<p>Wenn wir u.a. mit den J\u00fcngeren neue Wege gehen wollen, nicht mehr nur reaktiv Feuerwehrpolitik machen wollen, sondern vorausschauend Perspektiven und Strategien einer neuen politischen Praxis und Theorie entwickeln wollen, dann m\u00fcssen wir von einigen lieb gewordenen Strukturen Abschied nehmen. Trotz gegenteiliger Behauptungen gibt es unter den Berliner Autonomen sehr wohl eine kontinuierlich arbeitende Struktur. Sie ist aber in ihren Formen erstarrt. Frischer Wind durch neue Leute und neue Formen der politischen Auseinandersetzung, von der sehr viel ohne gro\u00dfes Sicherheitsrisiko \u00f6ffentlich sein k\u00f6nnte, sind aber dringend notwendig.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sollten das jetzt herausfinden, ob die Politik der Autonomen noch Resonanz braucht und welche Art der Organisierung n\u00f6tig und m\u00f6glich ist. Denn dort wo wir uns punktuell auf der Stra\u00dfe durchsetzen konnten, Flora Demo Hamburg 2013 oder EZB Frankfurt 2015, gelang es uns nicht, davon etwas in den Alltag mitzunehmen. Manchmal konnten wir uns auch nicht behaupten wie beim No Border Camp letztes Jahr in Thessaloniki. Die sogenannten \u201ePostautonomen\u201c Gruppen oder andere Autorit\u00e4re Linke distanzieren sich von uns nach taktischem Belieben oder deeskalieren gleich jeden Widerstand.<\/p>\n<p>Als Autonome m\u00fcssen wir verhindern zum folkloristischen Teil jener Ereignisse zu werden, die derzeit noch die meisten Unzufriedenen zusammenkommen lassen. Nur mit n\u00e4chtlichen Angriffen k\u00f6nnen wir gesellschaftliche Br\u00fcche nicht eskalieren, solange ein linkes oder linksradikales Spektrum ansprechbarer auftritt, jedoch eigentlich im v\u00f6lligen Gegensatz zu den Thesen von Padua 1981 handelt, einzig und alleine um ein St\u00fcck vom Kuchen der Macht abzubekommen.<\/p>\n<p>AnarchistInnen<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/202287\">Linksunten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 29. Dezember 2016 Nachdem im September in Hamburg die Privatautos von Polizeidirektor Treumann brannten, sollte in logischer Konsequenz jeder beliebige Bulle als Ziel markiert werden, dachten wir als uns die Information erreichte, dass ein Polizeibeamter in den elit\u00e4ren Neubauten auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Schlachthofs an der Grenze zum Friedrichshainer Nordkiez wohnt. 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