{"id":4924,"date":"2016-11-15T00:00:14","date_gmt":"2016-11-14T22:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=4924"},"modified":"2016-11-15T00:00:14","modified_gmt":"2016-11-14T22:00:14","slug":"steine-und-farbe-gegen-kik-hm-und-decathlon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=4924","title":{"rendered":"Steine und Farbe gegen Kik, H&amp;M und Decathlon"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bielefeld<\/strong>, 15. November 2016<\/p>\n<blockquote><p>wir haben in der nacht vom 14. auf den 15.11.2016 in bielefeld den kik im ortsteil brake, den kik in sieker, h+m in der innenstadt und decathlon in sennestadt angegriffen. dort wurde mit farbfeuerl\u00f6schern die fassade versch\u00f6nert, gespr\u00fcht und\/oder entglast.<\/p>\n<p>mit unserer aktion setzen wir ein zeichen gegen die ausbeutung und unterdr\u00fcckung von arbeiter*innen in l\u00e4ndern wie bangladesch, indien oder pakistan durch die hiesigen unternehmen der bekleidungsindustrie. wir betrachten die aktion als teil einer vielf\u00e4ltigen militanten praxis, die seit einigen jahren in der brd und anderswo versucht, mit angriffen auf den vertrieb und die gesch\u00e4ftsr\u00e4ume der bekleidungsindustrie die menschenverachtung der unternehmen \u00f6ffentlich zu machen. und sie ist ein zeichen von solidarit\u00e4t mit den k\u00e4mpfenden menschen vor ort, die sich mit streiks und militanten aktionen gegen ihre ausbeutung zur wehr setzen. ans\u00e4tze von protest, widerst\u00e4ndigem verhalten oder gar gewerkschaftlicher organisierung \u2013 etwa mit dem ziel, gegen die willk\u00fcr der vorgesetzten vorzugehen, den arbeitsschutz oder die l\u00f6hne zu verbessern \u2013 werden rigoros bek\u00e4mpft. die unternehmen reagieren mit entlassungen, lohnk\u00fcrzungen oder brutaler gewalt und werden dabei von polizei, armee und paramilit\u00e4rs unterst\u00fctzt. drohungen, verhaftungen, \u00fcberf\u00e4lle und politische morde geh\u00f6ren zum alltag.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nviele textilfirmen lassen ihre produkte in \u201ebilliglohnl\u00e4ndern\u201c herstellen, insbesondere in asien, aber auch in europa, z.b. in rum\u00e4nien oder der t\u00fcrkei. \u00f6ffentlich wahrgenommen werden die in den fabriken herrschenden katastrophalen arbeitsbedingungen nur selten. skandalisierungen gibt es allenfalls bei aufsehenerregenden unf\u00e4llen \u2013 so etwa als im april 2013 beim einsturz des rana-plaza-geb\u00e4udes in der stadt sabhar in bangladesch \u00fcber 1100 menschen, \u00fcberwiegend n\u00e4her*innen, ums leben kamen und sich herausstellte, dass dort f\u00fcr gleich mehrere renommierte unternehmen produziert wurde. wegen einer weiteren katastrophe im september 2012, einem fabrikbrand in pakistan mit \u00fcber 200 toten, wird von \u00fcberlebenden und angeh\u00f6rigen zurzeit in dortmund ein strafprozess gegen die firma kik vorbereitet. doch nicht nur textildiscounter beteiligen sich an diesem schmutzigen gesch\u00e4ft. auch hochpreisige klamotten werden in \u00fcberf\u00fcllten, l\u00e4rmenden fabrikhallen unter gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher arbeitshetze, zum teil sogar von kindern, oft deutlich j\u00fcnger als vierzehn jahre, hergestellt. h&amp;m, c&amp;a sowie die hiesige nobelmarke gerry weber sind da nicht besser als kik. schutzma\u00dfnahmen vor hitze, l\u00e4rm oder giftigen chemikalien sind so gut wie nicht vorhanden. die entlohnung mit ein paar dollar pro tag ist l\u00e4cherlich. hinzu kommt, dass die unternehmen h\u00e4ufig knebelvertr\u00e4ge aufsetzen, die mitarbeitende durch einbehalt von lohn langfristig binden und zu modernen sklav*innen degradieren.<\/p>\n<p>in den arbeitsbedingungen spiegelt sich auch eine krasse patriarchale unterdr\u00fcckung wider. frauen werden schlechter bezahlt als m\u00e4nner, m\u00fcssen im schichtsystem unter akkordbedingungen schuften und k\u00f6nnen im falle einer schwangerschaft mit entlassung rechnen. dabei sind sie die ganze zeit der willk\u00fcr, den erniedrigungen und der sexualisierten gewalt ihrer m\u00e4nnlichen vorgesetzten ausgeliefert. die ausbeutung durch lohnsklaverei, bei der geh\u00e4lter erst am ende einer vertragslaufzeit ausgezahlt werden, wird besonders h\u00e4ufig bei frauen angewandt. diese zust\u00e4nde schaffen pers\u00f6nliche abh\u00e4ngigkeiten, die kaum anders als mit leibeigenschaft beschrieben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>den textilunternehmen sind diese produktionsbedingungen bestens bekannt. an grundlegenden verbesserungen, die den profit schm\u00e4lern w\u00fcrden, sind sie nicht interessiert, doch sehen sie sich auch einer imagesch\u00e4digenden \u00f6ffentlichen kritik ausgesetzt. aus diesem grund versuchen sie mit hohem aufwand, den quell ihres reichtums zu verschleiern und ihre \u201esauberen\u201c marken von dem unrecht, das an ihnen haftet, und dem blut, das an ihnen klebt, reinzuwaschen. so vergeben sie lizenzen an andere unternehmen, die f\u00fcr sie stellvertretend rohstoffe verarbeiten und waren fertigen lassen oder den vertrieb organisieren. eine andere m\u00f6glichkeit, das image rein zu halten, sind pseudo-zertifikate, mit denen die unternehmen sich selbst die einhaltung von umwelt- oder sozialstandards attestieren. die ausbeutung und gewalt, von der die textilbranche profitiert, wird so durch systematische l\u00fcgen verschleiert.<\/p>\n<p>der gesellschaftliche reichtum in diesem land beruht auf globaler ausbeutung. die hat sich in den letzten jahren immer mehr versch\u00e4rft, denn es ist f\u00fcr die unternehmen zunehmend schwieriger geworden, ihre profite zu erh\u00f6hen und die konkurrenz auszubooten. leiden m\u00fcssen darunter in erster linie die menschen in den produktionsl\u00e4ndern. wirtschaftliche not, hunger und kriege sind ebenso eine folge dieser situation wie flucht und zuwanderung in die l\u00e4nder, die von der ausbeutung profitieren. es ist unertr\u00e4glich, wenn menschen, die aufgrund hier geplanter armut nach europa kommen, von staatlicher seite als \u201ewirtschaftsfl\u00fcchtlinge\u201c diffamiert und gegen andere gruppen, z.b. kriegsfl\u00fcchtlinge, ausgespielt werden. diese staatliche ausgrenzung und abschottung findet ihre entsprechung in der brutalit\u00e4t des rassismus. die zunehmende rassistische mobilisierung zeigt deutlich, dass viele menschen in der brd inzwischen dazu bereit sind, ihren reichtum und ihre privilegien mit gewalt gegen diejenigen zu verteidigen, auf deren kosten er erwirtschaftet wurde. verlust\u00e4ngste und verinnerlichter rassismus bilden den n\u00e4hrboden f\u00fcr pegida, afd u.\u00e4.<\/p>\n<p>nicht jede*r kann es sich leisten, \u00f6ko- und fair-trade-klamotten zu kaufen, und da wollen wir auch gar nicht hin. und unsere aktion richtet sich auch nicht gegen diejenigen, die aus wirtschaftlicher notwendigkeit auf billigkleidung angewiesen sind. schlie\u00dflich versch\u00e4rfen sich auch hier seit vielen jahren die verh\u00e4ltnisse hin zu einer umfassenden armut. allerdings tr\u00e4gt ein unkritischer konsum und die bereitwillige \u00fcbernahme rassistischer ausgrenzung dazu bei, die verh\u00e4ltnisse zu stabilisieren oder sogar zu versch\u00e4rfen. dabei ist es relativ einfach, sich an kampagnen gegen die bekleidungsindustrie zu beteiligen und sich dadurch mit den menschen vor ort praktisch zu solidarisieren.<\/p>\n<p>es ist l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig, sich gegen diese entwicklungen zu wehren, die verantwortlichen \u00f6ffentlich zu machen, ihr gesch\u00e4ft zu sabotieren und \u00fcber ihre machenschaften zu informieren. unser angriff auf die textilbranche ist ein angriff auf weltweite patriarchale, rassistische und kapitalistische verh\u00e4ltnisse und ausdruck internationaler solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>kapitalismus ist krieg<br \/>\nf\u00fcr eine herrschaftsfreie und solidarische gesellschaft<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/197390\">Linksunten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bielefeld, 15. 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