{"id":44,"date":"2015-06-08T00:00:08","date_gmt":"2015-06-08T00:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=44"},"modified":"2015-06-08T00:00:08","modified_gmt":"2015-06-08T00:00:08","slug":"farbflaschen-gegen-kik-filiale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=44","title":{"rendered":"Farbflaschen gegen Kik-Filiale"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin<\/strong>, 8. Juni 2015<\/p>\n<blockquote><p>\u00a0[B] Anschlag auf KiK-Filiale<br \/>\nIn der Nacht zum 08.06. haben wir die Scheiben der KiK-Filiale in Berlin Friedrichsfelde mit Farbflaschen eingeworfen. Durch diese Aktion wurde ein Unternehmen angegriffen, welches seit Jahrzenten f\u00fcr katastrophale Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und Tod verantwortlich ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist einfach, die Augen vor den Lebensbedingungen derjenigen zu verschlie\u00dfen, die tausende Kilometer von Berlin entfernt in Fabriken f\u00fcr den Reichtum der westlichen Gesellschaften sterben. Umso wichtiger ist es, sich hier aktiv mit den k\u00e4mpfenden Arbeiter*innen der Textilfabriken, die vor Ort gegen diese Zust\u00e4nde ank\u00e4mpfen, zu solidarisieren und ihre K\u00e4mpfe sichtbar zu machen. Wir hoffen deswegen auf weitere direkte Aktionen gegen die Profiteure des Elends, wie sie zuletzt von unseren Gef\u00e4hrt*innen in Bremen und Berlin\u00a0 durchgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Sterben f\u00fcr den Weltmarkt<\/p>\n<p>Das Gesch\u00e4ftsprinzip von Unternehmen wie KiK zielt darauf ab, einer vornehmlich einkommensschwachen Kundschaft ein breites Warenangebot zu \u00e4u\u00dferst niedrigen Preisen anzubieten. Um trotz der geringen Verkaufspreise eine m\u00f6glichst hohe Gewinnspanne zu erreichen, wurden schon vor langem die betreffenden Produktionsketten in wirtschaftlich marginalisierte Regionen mit entsprechend geringen Lohnkosten ausgelagert.<\/p>\n<p>Vor Ort sind die vom Verwertungszwang am st\u00e4rksten betroffenen Bev\u00f6lkerungsschichten mit einer Industrie konfrontiert, die im globalen Wettrennen um Auftr\u00e4ge permanent versucht ihre Produktionskosten nach unten zu dr\u00fccken. Jede Brandschutzma\u00dfnahme, Arbeitspause oder Lohnerh\u00f6hung senkt die Gewinnspanne der Fabrik und der Handelsunternehmen wie KiK und gilt es zu verhindern. Jegliche gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiter*innen wird mit Drohungen, Entlassungen und notfalls milit\u00e4rischen Mitteln beantwortet, um um jeden Preis eine Unterbrechung des Produktionsprozesses zu verhindern.<\/p>\n<p>Menschenleben wird in der Jagd nach Geld keine gro\u00dfe Bedeutung zugemessen als die ihrer zu nutzenden Arbeitskraft. So wurde zum Beispiel 2009 von einem Todesfall einer 18-j\u00e4hrigen N\u00e4herin berichtet, die an sieben Tagen in der Woche 13 bis 15 Stunden in einer Textilfabrik in Chittagong\u00a0\u00a0 arbeitete und an Ersch\u00f6pfung starb. Besonders Frauen*, die den gr\u00f6\u00dften Anteil (Bangladesch ist nach China heute der zweitgr\u00f6\u00dfte Textilexporteur der Welt. Die Kleidungsindustrie besch\u00e4ftigt rund vier Millionen der 160 Millionen Einwohner, 90 Prozent sind Frauen) der Arbeiter*innen bilden, sind an ihren Arbeitspl\u00e4tzen von sexualisierter Gewalt, Bel\u00e4stigung und Einsch\u00fcchterung betroffen.<\/p>\n<p>Wenn hunderte Arbeiter*innen in den Produktionsh\u00f6llen der Textilindustrie sterben (und so gut wie alle an Folgeerkrankungen zu leiden haben), ist dies kein aus der Normaltit\u00e4t fallendes Ungl\u00fcck, sondern Resultat eines Produktionsprozesses in dem die Lohnabh\u00e4ngigen bis aufs \u00e4u\u00dferste auf den Wert ihrer Arbeitskraft reduziert sind und der fester Bestandteil der Gewinnkalkulation von KiK, H&amp;M, Zero etc. ist. Dass Unternehmen und Nationen am oberen Ende der globalen Verwertungsketten ihre Verantwortung f\u00fcr diese Verh\u00e4ltnisse konsequent bestreiten, bleibt purer Zynismus.<\/p>\n<p>Global Player KiK<\/p>\n<p>Mit um die 2600 Filialen und einem Umsatz von ca.1,7Mrd \u20ac im Jahr ist das Unternehmen KiK, das zum Handelskonzern Tengelmann geh\u00f6rt, der umsatzst\u00e4rkste Textildiscounter Deutschlands. Die Abk\u00fcrzung von \u201cDer Kunde ist K\u00f6nig\u201d steht dabei f\u00fcr ein weiteres Beispiel kapitalistischer Ausbeutung und Verwertungslogik, bei der 67,5% (2014) der Produktion in asiatischen L\u00e4ndern eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Gewinnspanne garantieren sollen. W\u00e4hrend die Textilarbeiter*innen in Bangladesh pro Hose wenige Cent (ein paar Rupien), pro Tag zwischen 1,50\u20ac und 5\u20ac und im Monat einen Lohn von weniger als 60\u20ac erhalten, l\u00e4sst sich ein T- Shirt bereits ab 2,99 Euro bei Kik verkaufen.<\/p>\n<p>Genau diese T- Shirts wurden in der, im September 2012 niedergebrannten Fabrik \u201cAli Enterprises\u201d in Karatschi (Pakistan), wo um die 260 Menschen starben, produziert. Ein Menschenleben war dem Konzern Kik nach dem Brand eine Entsch\u00e4digung von genau 1930 Dollar (insgesamt 500.000 Dollar) wert. Dass Menschen bei der Produktion von billiger Kleidung f\u00fcr westeurop\u00e4ische L\u00e4nder ums Leben kommen ist kein Einzelfall. Bei einem Brand bei Tazreen Fashions (Brand in der Tazreen-Kleiderfabrik im November 2012) in Dhaka (Bangladesh) starben im November 2012 um die 100 Arbeiter*innen. Im April 2013 kamen bei dem Einsturz des Rana-Plaza-Komplexes, ein Geb\u00e4ude mit f\u00fcnf Textilfabriken in Sabhar\u00a0\u00a0 in der N\u00e4he von Dhaka , 1100 Menschen ums Leben, 2500 wurden schwerverletzt. Hier lie\u00dfen unter anderem Kik, Mango, Adler und Benetton f\u00fcr ihre Profite produzieren.<\/p>\n<p>Proteste der Arbeiter*innen<\/p>\n<p>Gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie gibt es immer wieder Gro\u00dfproteste von Arbeiter*innen. Anfang Januar 2014 gingen in Kambodscha zwischen 50.000 und 150.000 Besch\u00e4ftigte auf die Stra\u00dfe. Die Proteste wurden von der Milit\u00e4rpolizei gewaltsam beantwortet. Vier Menschen wurden durch Sch\u00fcsse ermordet, 38 verletzt und 23 festgenommen. Bei einem Streik in Vietnam im April 2015 verweigerten tausende von Arbeiter*innen die Arbeit und stellten sich sieben Tage lang gegen Arbeitsbedingungen und die gesetzliche Neuregelung der staatlichen Rentenversicherung, die ihnen erst eine Rente zusichern sollte, wenn bereits 20 Jahre geschuftet wurde.<\/p>\n<p>Wir solidarisieren uns mit den vier Betroffenen des Brandes in Karatschi, die vor dem Landgericht Dortmund auf ihre eigene Art ihren Kampf gegen Kik f\u00fchren. Sie fordern f\u00fcr den schwersten Industrieunfall in der Geschichte Pakistans eine Entsch\u00e4digung von je 30.000\u20ac von dem Konzern.<\/p>\n<p>K\u00e4mpfe verkn\u00fcpfen, Solidarit\u00e4t praktisch werden lassen, think global, act local!<\/p>\n<p>Autonome Gruppen \/ Gruppe Shila Begum<\/p>\n<p>einige Aktionen gegen KiK-Filialen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/144652\"><strong>Bremen 25. &amp; 26.05.2015<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/en\/node\/144431\"><strong>Berlin 26.05.2015 <\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/137189\"><strong>Leipzig 09.03.2015<\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/en\/node\/137102\">Wuppertal 06.03.2015<\/a> <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/136580\"><strong>K\u00f6ln 04.03.2015 <\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/en\/node\/136398\"><strong>Hamburg 03.03.2015<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/en\/node\/136397\"><strong>M\u00fcnchen 02.03.2015 <\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/en\/node\/136254\"><strong>Berlin 01.03.2015<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/en\/node\/119485\"><strong>Berlin 27.07.2014 <\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/en\/node\/117395\"><strong>M\u00fcnchen 23.06.2014 <\/strong><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/145537\">Linksunten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 8. 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