{"id":42,"date":"2015-06-08T00:00:15","date_gmt":"2015-06-08T00:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=42"},"modified":"2015-06-08T00:00:15","modified_gmt":"2015-06-08T00:00:15","slug":"kik-filiale-in-berlin-friedrichsfelde-entglast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=42","title":{"rendered":"Kik-Filiale in Berlin-Friedrichsfelde entglast"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin<\/strong>, 8. Juni 2015<\/p>\n<blockquote><p>(B) Smash KIK!<\/p>\n<p>Am 8.6.2015 haben wir in Berlin-Friedrichsfelde eine Filiale der Textilkette KIK entglast.<\/p>\n<p>KIK steht exemplarisch f\u00fcr viele Textildiscounter, m\u00f6gen sie H&amp;M, C&amp;A, Primark, Walmart oder auch Lidl, Adidas oder Nike hei\u00dfen [aber auch f\u00fcr Hochpreisiges wie Berghaus, Columbia, Hagl\u00f6fs, Patagonia, North Face und Konsorten, siehe Anmerkung der Abtipper_in]. Sie alle lassen ihre Textilien in Billiglohnl\u00e4ndern fertigen, z.B. in Pakistan und Bangladesh. Immer wieder kommt es in diesen Zulieferbetrieben zu Br\u00e4nden bis hin zum Einsturz einer Textilfabrik (&#8220;Rana Plaza&#8221; in Dhaka\/Bangladesh, \u00fcber 1100 tote Arbeiter_innen). Grund daf\u00fcr sind die Arbeits- und Produktionsbedingungen der meist weiblichen N\u00e4her_innen. Um im globalen Wettkampf um die billigsten Produktionsst\u00e4tten f\u00fcr Auftraggeber wie KIK zu bleiben, wird z.B. am Brandschutz gespart. Brandschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz sind hier nur Prasen, Notausg\u00e4nge gibt es viel zu wenige und diese sind oft zugestellt, N\u00e4her_innen werden oft eingeschlossen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nMindestl\u00f6hne (die meist nicht einmal gezahlt werden) reichen kaum zum Leben, 10 bis 12 Stunden 6 Tage die Woche sind hier der Regelfall, 16 bis 18 Stunden 7 Tage die Woche, wenn die Kollektionen gewechselt werden. Neben diesen Hungerl\u00f6hnen bilden sexuelle Bel\u00e4stigung, sexualisierte Gewalt und Einsch\u00fcchterung Arbeitsalltag der N\u00e4her_innen. Ca. 85% der Textilarbeiter_innen sind Frauen. Diese Ausbeutungszust\u00e4nde sind gewollt, um bei uns m\u00f6glichst billig Textilien verkaufen zu k\u00f6nnen. Ohne die Ausbeutung der N\u00e4her_innen in asiatischen Billiglohnl\u00e4ndern k\u00f6nnten die Menschen hier nicht so h\u00e4ufig &#8220;shoppen&#8221; gehen und auch die Gewinne der Textilindustrie w\u00e4ren weitaus geringer.<\/p>\n<p>Wie gewohnt entzieht sich die Textilindustrie ihrer Verantwortung. Lokale Arbeitsk\u00e4mpfe in Asien werden blutig unterdr\u00fcckt, und Entsch\u00e4digungen werden &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; in v\u00f6llig unzureichender H\u00f6he &#8220;freiwillig&#8221; bezahlt. Justiz und Repression helfen, diese Verh\u00e4ltnisse zu garantieren. Juristisch ist die Textilindustrie schwer zu belangen. Dennoch haben Angeh\u00f6rige und \u00dcberlebende des Brandes bei &#8220;Ali Enterprises&#8221; in Pakistan eine Klage gegen KIK in Deutschland angestrengt. Sie ist die erste dieser Art und k\u00f6nnte ein Pr\u00e4zedenzfall werden. Die Klage wurde n\u00f6tig, da Verhandlungen mit KIK \u00fcber Entsch\u00e4digungszahlungen scheiterten. Bei dem Brand in Karatschi kamen im Jahre 2012 mehr als 260 Menschen um, die Textilien wurden haupts\u00e4chlich f\u00fcr KIK produziert.<\/p>\n<p>Wir solidarisieren uns mit den \u00dcberlebenden und den Angeh\u00f6rigen, mit allen N\u00e4her_innen in ihrem Kampf um h\u00f6here L\u00f6hne und bessere Arbeitsbedingungen.<\/p>\n<p>Die feministische Stadtguerillagruppe Rote Zora unterst\u00fctzte 1987 den Kampf s\u00fcdkoreanischer Textilarbeiterinnen durch Anschl\u00e4ge. Sie trug damit dazu bei, dass die deutsche Firma &#8220;Adler&#8221; zuvor entlassene Arbeiterinnen wieder einstellte und gezwungen war, einen Teil ihrer Forderungen zu erf\u00fcllen. Internationale Solidarit\u00e4t kann also nicht nur praktisch werden, sondern auch erfolgreich sein! Unsere K\u00e4mpfe m\u00fcssen so global sein wie das Kapital. Aufkl\u00e4rung, konkrete Sabotage und Imagebesch\u00e4digungen k\u00f6nnen helfen, Verbesserungen zu erk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Schon 2014 schlugen die &#8220;autonomen Gruppen f\u00fcr Solidarit\u00e4t&#8221; mittels Glasbruch bei KIK vor, eine militante Kampagne gegen die Textilindustrie mit Blick auf die Er\u00f6ffnung der EZB in Frankfurt\/Main zu starten. Es liefen daraufhin viele Aktionen gegen KIK und Co., und auch wir m\u00f6chten uns einreihen in die Liste solidarischer Nadelstiche. Auch im Hinblick auf den G7-Gipfel in Elmau, wo es gro\u00dfspurig hei\u00dft: &#8220;Ich m\u00f6chte, dass wir uns als G7 das Ziel setzen, die Zahl von Arbeitsunf\u00e4llen in Unternehmen entlang der sogenannten Lieferkette deutlich zu reduzieren und Ma\u00dfnahmen zur Vorbeugung und zum besseren Arbeitsschutz zu ergreifen&#8221; (Merkel), sagen wir deutlich, dass wir von den G7 nichts erwarten. Den G7 geht es um die Sicherung der kapitalistisch-patriarchalen Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Lassen wir KIK und Co. keine Ruhe!<br \/>\nSmash KIK, smash G7!<\/p>\n<p>[Anmerkung der Abtipper_in: Die hier formulierte Kritik gilt genau so f\u00fcr hochpreisige Ware, z.B. aus dem Treckingladen. Einziger Unterschied: Den teuren Marken gelingt es weitgehend, mit &#8220;Responsibility&#8221;-Kampagnen \u00fcber ihre Billigproduktion hinwegzut\u00e4uschen und mit derartigen Feelgood-Produkten Extraprofite zu machen, vgl. http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/aktuell\/stiftung-warentest-funktionsjacken-enttaeuschen-im-test-a-847822.html]<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 8. Juni 2015 (B) Smash KIK! Am 8.6.2015 haben wir in Berlin-Friedrichsfelde eine Filiale der Textilkette KIK entglast. KIK steht exemplarisch f\u00fcr viele Textildiscounter, m\u00f6gen sie H&amp;M, C&amp;A, Primark, Walmart oder auch Lidl, Adidas oder Nike hei\u00dfen [aber auch f\u00fcr Hochpreisiges wie Berghaus, Columbia, Hagl\u00f6fs, Patagonia, North Face und Konsorten, siehe Anmerkung der Abtipper_in]. 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