{"id":2321,"date":"2015-12-31T00:00:08","date_gmt":"2015-12-30T22:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=2321"},"modified":"2015-12-31T00:00:08","modified_gmt":"2015-12-30T22:00:08","slug":"farbe-gegen-generali-krankenversicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=2321","title":{"rendered":"Farbe gegen Generali Krankenversicherung"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2016\/01\/164036.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2322\" src=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2016\/01\/164036-300x225.jpg\" alt=\"164036\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/chronik.noblogs.org\/files\/2016\/01\/164036-300x225.jpg 300w, https:\/\/chronik.noblogs.org\/files\/2016\/01\/164036-768x576.jpg 768w, https:\/\/chronik.noblogs.org\/files\/2016\/01\/164036.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>K\u00f6ln<\/strong>, 31. Dezember 2015<\/p>\n<blockquote><p>Die Generali ist Vorreiter bei der Digitalisierung auf dem europ\u00e4ischen Versicherungsmarkt. \u00dcber eine stetige Datenerfassung soll das zu versichernde Risiko individuell vermessen, berechnet und bepreist werden. In Italien hat die Generali 2015 mehr als eine Million Autos mit \u201eBlackboxes\u201c ausgestattet, die per GPS und Mobilfunk das Fahrverhalten permanent protokollieren.<\/p>\n<p>Zu Jahresbeginn 2016 soll in Deutschland das Gesundheitsprogramm \u201eVitality\u201c starten, mit dem die Versicherung Ern\u00e4hrungs- und Fitnessgewohnheiten sowie permanent erhobene K\u00f6rperdaten ihrer Mitglieder zur Tarifeinstufung nutzen will. Dazu sucht die Generali seit einem halben Jahr Vertragspartner im Einzelhandel, die personalisierte Eink\u00e4ufe \u00fcber eine elektronische Schnittstelle direkt \u00fcbermitteln sowie Fitnessstudio-Ketten, die \u00fcber Anwesenheitszeiten und Trainigsprogramme ihrer Mitglieder informieren sollen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nF\u00fcr diesen unversch\u00e4mten Vorsto\u00df haben wir der Verwaltung der Generali Krankenversicherungen in K\u00f6ln einen Besuch abgestattet und die Front des Versicherungsgeb\u00e4udes (Gereonswall 68-70) am Silvesterabend mit Hilfe von Zwillen und 120 Farbkugeln markiert.<\/p>\n<p>Begonnen hat alles mit einem freiwilligen Bonusprogram, doch der Vorstandschef der Generali-Deutschland Holding AG, Giovanni Liverani l\u00e4sst keinen Zweifel daran, dass das Bonusprogramm nun in eine fein-untergliederte Tarifstruktur m\u00fcnden soll. Wer keine Daten liefern will, bekommt den schlechtesten Tarif. So werden dann nicht mehr nur die Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger zum freiwilligen \u201eDatenlass\u201c gek\u00f6dert, sondern alle zur erheblich unfreiwilligeren Ern\u00e4hrungs- und Bewegungs-Beichte gen\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Du bist zu fett? \u2013 daf\u00fcr zahlst Du!<\/p>\n<p>Die urspr\u00fcngliche Idee von sozialen Sicherungssystemen war nach einem einfachen Prinzip aufgebaut: Alle zahlen in einen Topf; wenn jemand in Not ist, wird der Topf benutzt um die Notsituation zu beheben &#8211; lange Zeit ohne zu fragen, warum jemand in Not geraten ist.<\/p>\n<p>HartzIV hat damit endg\u00fcltig Schluss gemacht und das Narrativ der Arbeitslosigkeit neu geschrieben: Im Vordergrund steht nun das Versagen des einzelnen, keinen Job gefunden zu haben, sich nicht ausreichend zu aktivieren oder sich gar als arbeitsunwilliger Sozialschmarotzer zu verweigern. Solidarit\u00e4t wurde auf das Einzahlen von Geld reduziert mit der Fiktion: wenn sich alle gen\u00fcgend um Arbeit bem\u00fchen w\u00fcrden, w\u00e4re die Arbeitslosenversicherung \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Die K\u00fcndigung des Solidarprinzips vollzieht sich nun auch im Gesundheitssystem. Doch das Gesundheitssystem vom Solidarprinzip auf das Prinzip des Individualversagens umzustellen, ist schwieriger. Arbeitslose werden an den Rand verdr\u00e4ngt \u2013 die Grippe aber trifft jeden. Zu unterstellen, mensch habe sich mutwillig infiziert, geht nicht so einfach. Hier muss das Versagen subtiler konstruiert werden. Dazu soll das Individuum m\u00f6glichst genau vermessen werden. Mit diesen permanent erhobenen Daten soll dann eine Vorhersage \u00fcber die Wahrscheinlichkeit von Krankheit getroffen werden. Und diese wird in feinstufig personalisierte Tarife \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Aus: Sie haben \u00dcbergewicht, stellen Sie Ihre Ern\u00e4hrung um, denn das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen steigt, wird: Aufgrund ihres \u00dcbergewichts kosten Sie uns \u00fcberproportional viel Geld \u2013 wir m\u00fcssen Sie an den Kosten beteiligen. Bem\u00fchen Sie sich, dann k\u00f6nnen Sie wieder preiswerter werden. Sie haben in diesem Monat weniger gejoggt? Kosten hoch.<\/p>\n<p>Genarali Deutschland-Chef Liverani behauptet zwar: \u201eVersicherungen basieren auf dem Kollektivgedanken\u201c, rechtfertigt jedoch die Bemessung des Gesundheitsbewusstseins mit den Worten: \u201eAnsonsten finanzieren die Leute, die sich gesund verhalten, diejenigen, die sich nicht um Vorsorge k\u00fcmmern.\u201c Menschen, die gesund leben, m\u00fcssen weniger zahlen als Menschen, die ungesund leben. Die Suggestion ist, dass ein Gesundheitssystem f\u00fcr den Einzelnen g\u00fcnstiger wird, wenn die Kranken mehr zahlen m\u00fcssen. Das ist falsch. Das f\u00fchrt lediglich dazu, dass immer weniger sich das krank sein leisten k\u00f6nnen \u2013 sie fallen aus der Solidargemeinschaft raus, das System kollabiert.<\/p>\n<p>Die Krankenkassen wollen nicht sparen \u2013 sie wollen Umsatz. Deshalb muss der Patient zum Kunden werden. Die elektronische Patientenakte ist der dazu industriell gew\u00fcnschte Nacktscanner. Wir wissen, dass die Daten nie und nimmer allein f\u00fcr unsere konkreten medizinischen Belange zur Verf\u00fcgung stehen werden. Die Daten aus Gro\u00dfbritannien k\u00f6nnen Versicherer und Pharmakonzerne bereits erwerben. Sind die Gesundheitsdaten einmal vorhanden, werden z.B. auch Fluggesellschaften das Risko eines akuten Notfalls in der Luft individuell berechnen und einpreisen. Arbeitgeber werden irgendwann einen Blick in die elektronische Krankenakte ihrer Bewerber werfen und das, was sie dort lesen, in ihre Entscheidung einflie\u00dfen lassen. Wir werden vor die Wand laufen: bei Versicherungen, Bewerbungsgespr\u00e4chen, dem Versuch ein Wohnung zu mieten oder einen Kredit aufzunehmen \u2013 ohne den wahren Grund zu kennen.<\/p>\n<p>Dynamische Tarifbestimmung<\/p>\n<p>Konkretes Ziel der Generali, weiterer Krankenversicherungen in ihrem Windschatten und der IT-Branche ist ein permanentes Selbstvermessungswesen, das ein \u00fcber viele Jahrzehnte gewachsenes Solidarsystem zerschlagen soll. Apples \u201eHealth Kit\u201c und Googles \u201eGoogle Fit\u201c haben die meisten neuen Smartphones vorinstalliert. Gekoppelt mit zus\u00e4tzlichen Gadgets, wie Fitness-Armb\u00e4ndern, Smart-Watches, \u2026 kontrollieren diese unsere Kalorienaufnahme, Herzfrequenz, Blutzuckerspiegel, Sauerstoffgehalt im Blut unser Schlafverhalten und vieles mehr. Zusammen mit den Ern\u00e4hrungsgewohnheiten, dem Lauf- und Fitnessverhalten sowie der Medikation und unserer Krankheitsgeschichte wird daraus ein \u201eHealthscore\u201c ermittelt. Dieser Score ist die Grundlage f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Tarifeinstufung eines jeden einzelnen \u2013 nicht einmalig oder quartalsweise, sondern permanent in Echtzeit. Die Verantwortung f\u00fcr Gesundheit wird vollst\u00e4ndig individualisiert.<\/p>\n<p>Noch k\u00f6nnen wir uns dem Selbstoptimierungsprogramm verweigern. Bald nur noch unter enormen Mehrkosten (durch die Einstufung in den schlechtesten Tarif f\u00fcr Verweigerer oder Verheimlicher). Aber es ist ebenso denkbar, dass auch diese Option wegfallen wird. Smart manipuliert in Richtung Bereitschaft alles \u00fcber uns mitzuteilen, wird es als unsozial gelten, seine Lebensgewohnheiten und Gesundheitsbem\u00fchungen zu verschweigen. Gesellschaftlich akzeptiert (und finanziert!) wird dann nur noch, was sich vermessen l\u00e4sst und laut Algorithmus der Krankenversicherer ein vertretbares Risiko darstellt.<\/p>\n<p>Die Zusammenf\u00fchrung aller verf\u00fcgbaren Gesundheitsdaten ist der Schl\u00fcssel zur individuellen Berechenbarkeit, Verwertbarkeit und Vorhersagbarkeit. Und deshalb ist die elektronische GesundheitsKarte in ihren weiter geplanten Ausbaustufen so bek\u00e4mpfenswert!<\/p>\n<p>Medizin-Informatiker dr\u00e4ngen seit einem Jahr darauf, die elektronische GesundheitsKarte mit den permanent erhobenen K\u00f6rperdaten der Selbstvermessung zu vernetzen. Google sichert sich Millionen Patientenakten \u00fcber zahlreiche Kooperationen mit Pharma- und Biotechnologie-konzernen, Medizinfakult\u00e4ten und Krankenversicherern.<\/p>\n<p>Es gibt unz\u00e4hlige Bem\u00fchungen, den Damm der Selbstbestimmung \u00fcber das Gesch\u00e4ft mit der Gesundheit zu brechen. Diese Bem\u00fchungen und ihre Protagonisten m\u00fcssen wir bek\u00e4mpfen, wenn wir die Fremdbestimmung \u00fcber unseren intimsten und am st\u00e4rksten verletzbaren Bereich, der Gesundheit, vermeiden wollen.<\/p>\n<p>Wir gr\u00fc\u00dfen mit unserer Aktion die AktivistInnen, die vor drei Wochen das \u201eface\u201c der Facebook Deutschland-Zentrale in Hamburg erheblich angekratzt haben. Wir m\u00f6chten hiermit weitere ermutigen, die Zumutungen der erzwungenen Freiwilligkeit bei der Abgabe von Daten und Selbstbestimmung \u00f6ffentlich wahrnehmbar anzugreifen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/164035\">Linksunten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6ln, 31. 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