{"id":15799,"date":"2022-10-15T00:00:25","date_gmt":"2022-10-14T22:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=15799"},"modified":"2022-10-15T00:00:25","modified_gmt":"2022-10-14T22:00:25","slug":"parkscheinautomaten-besprueht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=15799","title":{"rendered":"Parkscheinautomaten bespr\u00fcht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin<\/strong>, Oktober 2022<\/p>\n<blockquote><p>Laut dem Berliner Koalitionsvertrag soll bis Ende n\u00e4chsten Jahres im gesamten Gebiet des S-Bahn Rings Parkraumbewirtschaftung durch gesetzt werden. Die Stunde kostet zwischen zwei bis vier Euro. Ein weiterer Plan des Senats sieht in Zukunft sogenannte Scan-Fahrzeuge vor, die parkende Autos automatisch erfassen k\u00f6nnen. Politiker*innen begr\u00fcnden die fl\u00e4chendeckende Ausweitung auf alle Bezirke mit dem 2019 beschlossenen \u201eLuftreinhalteplan\u201c und behaupten, dass durch Parkgeb\u00fchren eine Reduzierung der Luftverschmutzung, ein Umsteigen auf den \u00d6PNV und mehr Parkfl\u00e4chen f\u00fcr Anwohner*innen erzielt werden w\u00fcrden.<!--more--><br \/>\nSie sprechen davon, den Klimawandel damit aktiv aufhalten zu wollen und durch die Kosten daf\u00fcr zu sorgen, dass Menschen auf ihr Auto verzichten. Doch wie in extrem teuren Park-Zonen-St\u00e4dten wie M\u00fcnchen und Freiburg, l\u00e4sst sich ablesen: wer Geld hat, kauft oder mietet sich Park- und Tiefgaragenpl\u00e4tze, kann sich ohne Probleme die Parkausweise f\u00fcr das ganze Jahr leisten oder parkt die drei Autos einfach auf dem Balkon oder dem eigenen Grundst\u00fcck. Wer hinten runter f\u00e4llt sind all jene, die daf\u00fcr keine Kohle haben.<br \/>\nAll jene, die aber auf ein Auto angewiesen sind, weil sie in der Innenstadt arbeiten, aufgrund ihrer Schichten nicht mit dem \u00d6PNV fahren k\u00f6nnen, aufgrund der schlechten Accesibility oder auch aufgrund fehlender Sicherheit vor allem Nachts nicht Bahn oder Bus fahren k\u00f6nnen, werden mit dieser Ma\u00dfnahme weitaus mehr getroffen.<\/p>\n<p>Es ist \u00fcberall der gleiche Diskurs: Es wird propagiert wir alle m\u00fcssten den G\u00fcrtel enger schnallen, beim Strom, Heizen, Reisen, Auto fahren und so weiter. Doch am Ende m\u00fcssen all jene Unterdr\u00fcckten dieser Erde das abfedern und daf\u00fcr weiter schuften, dass die Reichen ihren Lebensstil aufrecht erhalten und ausweiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Krise in der Parkraumbewirtschaftung zu sehen liegt f\u00fcr uns in der Einf\u00fchrung der Parkzone 77 im Berliner Wedding. Diese umfasst das Gebiet zwischen Seestra\u00dfe, M\u00fcllerstra\u00dfe, Fennstra\u00dfe und Sylter Stra\u00dfe. Dort parken viele Mitarbeitende des Virchow-Klinikums, die im Schichtdienst arbeiten. Die betroffenen Pflegekr\u00e4fte wissen nicht wie sie diese Mehrkosten bezahlen sollen. Es geht hier um 16 Euro pro Tag oder 80 Euro pro Woche, vorausgesetzt die Pfleger*innen leisten keine \u00dcberstunden.<br \/>\nDas Bezirksamt hatte anfangs von einer Ausnahmegenehmigung gesprochen, als sich Protest ank\u00fcndigte und die Arbeitenden mit K\u00fcndigungen drohten. Bis heute wurde jeder Antrag abgelehnt mit der Begr\u00fcndung: Die Bedingungen f\u00fcr eine Ausnahmeregelung erforderten ein Schichtende nach 00:30 Uhr oder einen Beginn vor 05:30 Uhr. Somit k\u00f6nnen nur diejenigen im Nachtdienst umsonst parken. Und noch dazu hie\u00df es tats\u00e4chlich vom Senat, die Arbeitenden k\u00f6nnten und sollten auf den \u00d6PNV umsteigen oder das Rad, das sei schlie\u00dflich das erw\u00fcnschte Ziel. Ob der Chefarzt auch auf den Bus umsteigen muss, bleibt reine Spekulation.<br \/>\nWie ist zu verstehen, dass der Berliner Senat gerade den Pflegekr\u00e4ften weitere Steine in den Weg legt, ihren Beruf weiter aus f\u00fchren zu k\u00f6nnen? Einfach damit, dass diejenigen, die sich schlecht wehren k\u00f6nnen, weil sie in diesem System keine Lobby haben, die Kosten f\u00fcr die \u201eKlimawende\u201c bezahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dass hunderttausende Pflegekr\u00e4fte an \u00dcberlastung, Dauerstress und geringer Bezahlung mit ihrer eigenen Gesundheit bereits bezahlen, scheint hierbei auch nach Corona und all den Klatsch- und Dankbarkeitsbekundungen immer noch keine Rolle zu spielen.<br \/>\nJede vierte Pflegekraft ist in Deutschland zur Zeit auf der Suche nach einem anderen Job.<br \/>\nZw\u00f6lf Prozent wollen in eine andere T\u00e4tigkeit im Gesundheitswesen wechseln, 16 Prozent sogar ganz raus aus der Branche. Noch schlimmer f\u00e4llt die \u00dcberbelastung und Unzufriedenheit bei Intensivpflegekr\u00e4ften aus, bei denen die gro\u00dfe Mehrheit die weitere Ausf\u00fchrung ihres Berufs infrage stellt.<br \/>\nDie Gr\u00fcnde liegen nicht in der Impfpflicht oder den Folgen des Corona-Notstandes sondern \u00fcberwiegend in der bereits davor zu hohen Arbeitsbelastung, dem Gehalt, den Arbeitszeiten und der fehlenden Anerkennung.<\/p>\n<p>Die Parkzone 77 ist seit dem 15. August 2022 in Kraft. Hunderte Pfleger*innen, Hebammen und weiteres Personal sind davon betroffen hunderte Euros pro Jahr f\u00fcr das Auto mehr auszugeben, da sie schlicht keine Wahl haben auf \u00d6ffis umzusteigen.<\/p>\n<p>Statt Pfleger*innen zuzuh\u00f6ren, was sie brauchen, um diesen harten Job auszuf\u00fchren und es ihnen zu geben, wird weiter an dem Unternehmen Krankenhaus gespart, so dass die Pflegekr\u00e4fte damit zu k\u00e4mpfen haben, das Gef\u00fchl aufgedr\u00fcckt zu bekommen, die unzureichende gesundheitliche Versorgung ihrer Patient*innen mit zu verantworten.<\/p>\n<p>Die Krise liegt im System und in diesem Fall zeigt sie sich an der Parkraumbewirtschaftung: einem Modell, das die Kosten und Verantwortung f\u00fcr die Verkehrswende ein weiteres Mal bei den prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten abl\u00e4dt.<\/p>\n<p>Daher haben wir 14 Parkautomaten in den anliegenden Stra\u00dfen des Virchow-Klinikums mit Farbe von oben bis unten bemalt und sie hoffentlich viele Tage au\u00dfer Betrieb genommen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: Kontrapolis (<a href=\"http:\/\/kontrpolioglnxrcdwwxfszih4pifyidfjgq4ktfdu6uh4nn35vjtuid.onion\/8404\/\">Tor<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, Oktober 2022 Laut dem Berliner Koalitionsvertrag soll bis Ende n\u00e4chsten Jahres im gesamten Gebiet des S-Bahn Rings Parkraumbewirtschaftung durch gesetzt werden. 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