{"id":15471,"date":"2022-03-03T00:00:20","date_gmt":"2022-03-02T22:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=15471"},"modified":"2022-03-03T00:00:20","modified_gmt":"2022-03-02T22:00:20","slug":"attacken-auf-gorillas-warenlager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=15471","title":{"rendered":"Attacken auf &#8220;Gorillas&#8221;-Warenlager"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2022\/03\/11822.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-15472\" src=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2022\/03\/11822-300x188.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"188\"><\/a>Berlin<\/strong>, 3. M\u00e4rz 2022<\/p>\n<blockquote><p>Aufgrund der fortlaufenden Bem\u00fchungen der Gorillas-Bosse, die gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiter*innen zu sabotieren, haben wir in der Nacht auf den 03.03.22 an vier Standorten in Berlin (Tempelhof, Moabit, Pankow, Friedrichshain) Scheiben eingeworfen, T\u00fcrschl\u00f6sser verklebt und gro\u00dffl\u00e4chige Parolen in Solidarit\u00e4t mit den selbstorganisierten Arbeitsk\u00e4mpfen hinterlassen.<\/p>\n<p>Angetrieben von Unmengen an Risikokapital frisst sich Gorillas als schillerndster Vertreter der Plattform-\u00d6konomie seit 2 Jahren wie eine Lawine durch die europ\u00e4ischen Metropolen. Die Wachstumserwartungen der Investoren im Nacken, hetzen nun in schon fast allen Berliner Bezirken die Gorillas-Fahrer*innen durch den Stadtverkehr und die Picker durch die Regale der Warehouses.<!--more--> Bei dem von Gorillas, Flink und Co. praktizierten Gesch\u00e4ftsmodell ger\u00e4t jedoch nicht nur die Gesundheit der Arbeiter*innen unter die R\u00e4der, auch die vielf\u00e4ltig vonstatten gehende Polarisierung urbanen Lebens wird hier im Anschein \u201esmarter\u201c Bed\u00fcrfnisbefriedigung unter Hochdruck vorangetrieben.<br \/>\nDas schnellste Einhorn<\/p>\n<p>Deutsche Start-Ups standen 2021 an zweiter Stelle, was die sogenannte Einsammlung von Deals, genauer den Umfang an Risiko-Kapital betrifft, welches an Start-Ups in ganz Europa von privaten Anleger*innen ausgegeben wurde. Insgesamt stieg im letzten Corona Jahr das Volumen dieser Investitionen in Start-Ups massiv an. Diese hohe Aktivit\u00e4t der sogenannten Venture-Capital-Investitionen zeigt, wie gut es trotz oder wegen des Corona Jahres auf dem Finanzmarkt sprudelt.<\/p>\n<p>Gorillas sahnt ganz weit vorne gro\u00df ab. Im letzten Quartal 2021 ganze 860 Millionen Euro.<br \/>\nDas Jungunternehmen, wie es hei\u00dft, kam im letzten Jahr auf einen Umsatz von knapp 260 Millionen Euro, w\u00e4chst angeblich monatlich zweistellig und erreiche die h\u00f6chste Wiederbestellrate der Branche. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit eines B\u00f6rsengangs f\u00fcr das sogenannte Unicorn (ein Start-Up ab einer Milliarde Marktwert).<br \/>\nSeine gr\u00f6\u00dften Konkurrenten sind in Deutschland Flink und auf dem US Markt, das seit 2013 als Vorbild dienende GoPuff.<br \/>\nDas Ziel von Risiko-Investitionen in mehrere Start-Ups gleichzeitig, ist allem voran die Verm\u00f6gensvermehrung der privaten Anleger*innen.<br \/>\nIn der obigen Runde engagierten sich neben den Altinvestoren wie Atlantic Food Labs auch der chinesische Tech-Konzern Tencent, der Hedgefonds Coatue (im Vorstand von Gorillas), DST Global und als ein neuer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Felix Chrobog, der ehemalige Deutschlandchef von Deliveroo.<\/p>\n<p>Die bestechende Logik hinter diesem Risiko Spiel ist folgende: Es gilt f\u00fcr die Anleger*innen \u00fcberall dort mitzumischen, wo die Aussicht auf Wachstum besteht. Die tats\u00e4chliche Ware und Dienstleistung spielt hierbei keine Rolle. Erwartet wird eine \u00dcbernahme der jeweiligen Start-Ups durch gr\u00f6\u00dfere Unternehmen mit dem gro\u00dfen Ziel des B\u00f6rsengangs. Durch das Konzept der Gutscheine wird die Nachfrage in die H\u00f6he getrieben. Die schnellen Expansionen \u00fcber St\u00e4dte und L\u00e4ndergrenzen hinaus sollen die Marktmacht gegen\u00fcber den Konkurrent*innen erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Die Rentabilit\u00e4t steht vorerst nicht im Vordergrund. Im ersten Finanzierungsjahr gab es beispielsweise keine Transparenz \u00fcber den Umsatz von Gorillas. Der Spielcharakter kommt von der Dynamik der Ausdehnung, der Verdr\u00e4ngung und der \u00dcbernahme durch Konkurrenzunternehmen. Wer am schnellsten w\u00e4chst steht am besten da, kriegt die meisten Investitionen, setzt sich durch und kann am Ende seine Anteile auf dem Parkett der B\u00f6rse feil bieten.<br \/>\nDieses Modell heizt den Konkurrenzkampf an und nimmt im Falle der Lebensmitteldienstleistungen entscheidenden Einfluss auf die Preise des Lebensmittel- ,Miet und Arbeitsmarkts der jeweiligen Standorte. Und langfristig auch auf unsere Konsumgewohnheiten und den Umgang mit Lebensmitteln. Das Konzept baut auf einer Polarisierung in der Gesellschaft auf, zwischen denjenigen die sich beliefern lassen und denjenigen die prek\u00e4r angestellt sind.<br \/>\nUnd was w\u00e4re ein verantwortungsbewusstes Jungunternehmen, dass die Interessen der Anleger*innen ernst nimmt, ohne Union Busting.<br \/>\nUnion Busting<\/p>\n<p>Als Folge der Streiks und Arbeitsk\u00e4mpfe im letzten Jahre vor allem in Berlin, zeigte Gorillas mit gleich zwei Umstrukturierungsprozessen kurz vor dem Gerichtsverfahren (bei dem es um die Einf\u00fchrung von Betriebsratswahlen ging), dass der Konzern bei den ganz Gro\u00dfen mitspielen kann.<br \/>\nGorillas verschickte \u00dcberleitungsvertr\u00e4ge an 1.700 seiner 2.000 Besch\u00e4ftigten, die damit noch im Oktober in eine neu gegr\u00fcndete Tochterfirma ausgelagert wurden. Seitdem besch\u00e4ftigt die Gorillas Operations GmbH &amp; Co KG alle Kuriere und die Mitarbeiter*innen in den Lagerh\u00e4usern. Die Angestellten aus der Firmenzentrale und Verwaltung verblieben in der Gorillas Technologies GmbH.<\/p>\n<p>Einen Tag vor dem Urteil verk\u00fcndet das Unternehmen als zweiten Schritt, seine Lager in eigenst\u00e4ndige Einheiten auszugliedern \u2013 in sogenannte Franchise-Unternehmen \u2013 vorerst nur in Berlin. Dazu sagt das Unternehmen: \u201eAlle klassischen Unternehmeraufgaben werden an die neuen Betriebseinheiten \u00fcbertragen. Dazu geh\u00f6ren Schichtplanungsthemen, Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten und Einstellungen\u201c. F\u00fcr die Unternehmenseinheiten seien dann Manager vor Ort verantwortlich. Und im Sprech all dieser Weltverbesserer: \u201eDurch das neue Modell r\u00e4umt Gorillas den Teams in den jeweiligen Warehouses mehr Eigenst\u00e4ndigkeit, Gestaltungsspielraum und Flexibilit\u00e4t ein und stellt sicher, dass sie einen positiven Beitrag f\u00fcr ihre Kieze leisten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Nicht ohne Zynismus kann daraufhin die Aussage des Gorillas Sprechers nach dem Gerichtsurteil aufgefasst werden, der fest stellte, es sei nun ja nicht klar, f\u00fcr welche Firma der Betriebsrat \u00fcberhaupt zust\u00e4ndig sein soll, schlie\u00dflich wurden Teile des Unternehmens ausgelagert.<br \/>\nDie Zerst\u00fcckelung des Unternehmens und die Vereinzelung der Arbeiter*innen, kann nicht anders als den systematischen Versuch gewertet werden, die Organisierung der Arbeiter*innenschaft zu blockieren und die Verantwortung f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung von Arbeitsk\u00e4mpfen an die Manager weiter zu geben.<br \/>\nNoch dazu will Gorillas die Firma in eine Holding mit Sitz in den Niederlanden umwandeln. Ein letzter Schritt, um den F\u00e4ngen des hiesigen Arbeitsrechts zu entkommen.<br \/>\nClick and Track<\/p>\n<p>Die Plattform\u00f6konomie ist auf prek\u00e4re Arbeiter*innen angewiesen. Gleichzeitig schafft sie mit beschissenen Arbeitsbedingungen und durch das Aush\u00f6hlen jeglicher Arbeitsrechte noch mehr prekarisierte Menschen.<\/p>\n<p>Die Menschen sind nicht mehr angestellt und verlieren somit noch die letzten \u201ePrivilegien\u201c einer regul\u00e4ren Anstellung: krank sein zu k\u00f6nnen, feste und planbare Arbeitszeiten, Arbeitsmittel, die zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Vielmehr hangeln sie sich von einem kleinen Job zum n\u00e4chsten. Bestehen kann in dieser Logik nur, wer permanent fit ist und funktioniert. Gleichzeitig werden diese Jobs auf so kleinteilige und simple Aufgaben runter gebrochen, dass alle jederzeit ersetzbar sind. Diese Attit\u00fcde wird den Fahrer*innen unverhohlen vorgehalten. Sie sollen diese existenzielle Angst versp\u00fcren, dass sie beliebig austauschbar sind und der*die n\u00e4chste schon in der Schlange steht, um ihren Platz einzunehmen.<\/p>\n<p>Wer nicht mehr mitkommt, sortiert sich quasi von selbst aus. Alle werden nur genau f\u00fcr die von ihnen konkret erbrachte \u201eLeistung\u201c bezahlt. Dies f\u00f6rdert auch die Konkurrenz unter den Arbeiter*innen. Schnell sein, bevor eine andere Person den hei\u00df begehrten Auftrag bekommt. Gleichzeitig erm\u00f6glicht die Vergabe der Auftr\u00e4ge in Echtzeit per App und die \u00dcbertragung von GPS-Daten eine allumfassende Kontrolle der Arbeiter*innen. So kommt es schon mal vor, dass diese zur Gesch\u00e4ftsleitung zitiert werden, wenn sich Abweichungen vom vorgegebenen Verhalten anhand der Bewegungsdaten ablesen lassen.<br \/>\nDie Vereinzelung der Arbeiter*innen ist Teil des Konzepts der Plattform\u00f6konomie an sich. Wenn der allt\u00e4gliche Kontakt zu anderen Arbeiter*innen fehlt, ist eine gemeinsame Organisierung erheblich erschwert oder gar nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Deswegen ist es umso erfreulicher, dass die Rider*innen von Gorillas (und andere) es in den letzten Jahren trotzdem und langfristig geschafft haben, zusammen zu kommen, zu streiken und gemeinsam gegen diese Schei\u00dfe auf die Stra\u00dfe zu gehen.<\/p>\n<p>Workers united will never be devided!<br \/>\nGegen die Bosse und jede Autorit\u00e4t!<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: Kontrapolis.info (<a href=\"http:\/\/kontrpolioglnxrcdwwxfszih4pifyidfjgq4ktfdu6uh4nn35vjtuid.onion\/6439\/\">Tor<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 3. 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