{"id":14701,"date":"2021-05-19T00:00:12","date_gmt":"2021-05-18T22:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=14701"},"modified":"2021-05-19T00:00:12","modified_gmt":"2021-05-18T22:00:12","slug":"reifen-an-fahrzeugen-von-wisag-und-dussmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=14701","title":{"rendered":"Reifen an Fahrzeugen von WISAG und Dussmann gepl\u00e4ttet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Freiburg<\/strong>, 19. Mai 2021<\/p>\n<blockquote><p>Ankn\u00fcpfend an den Text &#8220;Militante Kampagne gegen Kn\u00e4ste&#8221; (Autonomes Bl\u00e4ttchen Nr. 44, https:\/\/autonomesblaettchen.noblogs.org\/ausgaben\/ausgabe-nr-44\/) haben wir uns entschieden praktisch und in Textform einige Gedanken zur Diskussion und Kampagne beizutragen.<br \/>\nDaher haben wir in der Nacht auf den 19. Mai 2021 ein Fahrzeug der Firma Dussmann in der Krozinger Stra\u00dfe und ein Fahrzeug der Firma WISAG in der Fehrenbachallee in Freiburg im Breisgau gepl\u00e4ttet. Beide Firmen profitieren direkt am Einsperren von Menschen und sind daher Ziel unserer Aktion geworden (WISAG s.u. und Dussmann: https:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=14308).<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAus der Geschichte lernen<br \/>\nEin interessantes Beispiel erfolgreicher gemeinsamer K\u00e4mpfe gegen das Gef\u00e4ngnissystem bieten die kurzen aber heftigen und erfolgreichen Auseinandersetzungen gegen den Arbeitszwang f\u00fcr Gefangene im Hochsicherheitstrakt (HST), den Klaus Viehmann (lange im Knast wegen Vorwurf Beteiligung an Aktionen der Bewegung 2. Juni) in seinem Text &#8220;Einmal Knast und zur\u00fcck&#8221; (RHZ 3\/2012) beschreibt. Damals konnten mit handfestem Widerstand samt Durststreik im Knast und einer konzentrierten militanten Kampagne drau\u00dfen in k\u00fcrzester Zeit die Reform verhindert werden und der Arbeitszwang vom Staat nicht durchgesetzt werden. Dazu schreibt Klaus Viehmann: &#8220;\u201eSie\u201c haben nach f\u00fcnf Tagen nachgegeben und es hat sie Sachsch\u00e4den nach RZ-Sprengstoffanschl\u00e4gen an ihrem Justizvollzugsamt und bei zwei Firmen, die im Knast produzieren lie\u00dfen, gekostet. Dazu Demonstrationen, Bambule im K\u00f6ln-Ossendorfer HST und eine schlechte Presse. Die Verbindung von Zwangsarbeit und HST ist danach nicht wieder versucht worden.&#8221;<br \/>\nBeispiele wie dieses bekr\u00e4ftigen, dass es durchaus m\u00f6glich ist, mit konfrontativen Mitteln gegen den Knast konkrete Forderungen durchzusetzen. Zudem zeigen sie, dass K\u00e4mpfe drinnen und drau\u00dfen gemeinsam gef\u00fchrt werden sollten. Dabei ist es nat\u00fcrlich wichtig, dass die Gefangenen nicht direkt in Verbindung gebracht werden k\u00f6nnen mit Aktionen, sondern dass sich verschiedene Aktionsformen aufeinander anonym solidarisch beziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch in den letzten Jahren gab es K\u00e4mpfe gegen Knast-Profiteur*innen, die sowohl innen wie auch au\u00dfen gef\u00fchrt wurden. So gibt es schon seit l\u00e4ngerem eine GG\/BO (Gefangenengewerkschaft) Kampagne gegen den krass \u00fcberteuerten Knast-Telefon Anbieter Telio, eine Klage des anarchistischen Gefangenen Thomas Meyer-Falk gegen Telio, sowie auch n\u00e4chtliche Aktionen gegen den Firmensitz in Hamburg (siehe Abschnitt Telio in &#8220;Militante Kampagne gegen Kn\u00e4ste&#8221;).<\/p>\n<p>Privatisierung von Kn\u00e4sten<br \/>\nEin anderes Beispiel, das im Text nur kurz erw\u00e4hnt wird, ist Implenia. Gegen diese gro\u00dfe Schweizer Baufirma, die unter Anderem das Abschiebegef\u00e4ngnis B\u00e4sslergut in Basel gebaut hat, gibt es seit einigen Jahren eine konzentrierte militante Kampagne, bei der w\u00e4hrend dem Knastbau unz\u00e4hlige Fahrzeuge und Bagger der Firma in der ganze Schweiz, aber auch an anderen Orten brannten. Dabei bleibt der Widerstand aber nicht auf diese militanten Aktionen beschr\u00e4nkt, es gab zudem auch eine Informationskampagne (ausf\u00fchrlich auf barrikade.info zu finden) und im letzten Jahr eine gr\u00f6\u00dfere Recherche und Medienkampagne, die auf die Gewalt durch die Security Firma Securitas (Schweiz) eingeht, F\u00e4lle dokumentiert und betroffene Personen zu Wort kommen l\u00e4sst. Dabei zeigt sich dann auch ein weiterer Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr eventuelle militante Aktionen, der im urspr\u00fcnglichen Text unserer Meinung nach etwas zu kurz kommt. Sicherheitsdienste arbeiten nicht nur als Sicherheitspersonal in vielen Kn\u00e4sten, Abschiebegef\u00e4ngnissen und Lagern, sondern es gibt mittlerweile auch in Deutschland und der Schweiz zunehmend Versuche das Gef\u00e4ngniswesen an sich zu privatisieren. In Deutschland wurde beispielsweise die JVA H\u00fcnfeld teilprivatisiert. In Basel ist die Securitas ein essentieller Bestandteil des Gef\u00e4ngnisses und als solches im letzten Jahr dort auch oft angegriffen worden (https:\/\/barrikade.info\/search;term=securitas).<br \/>\nDie Entwicklung eines Industriellen-Gef\u00e4ngnis-Komplex, also die Privatisierung von Kn\u00e4sten und die zunehmende Verschmelzung von Konzernen mit dem Vollzugswesen, w\u00fcrde die bereits untragbaren Zust\u00e4nde hinter den Mauern weiter versch\u00e4rfen und die K\u00e4mpfe gegen Kn\u00e4ste im Allgemeinen weiter erschweren, da dann neben dem staatlichen Interesse noch mehr als jetzt wirtschaftliche Interessen am Erhalt und Ausbau von Gef\u00e4ngnissen dazukommen w\u00fcrden. Die Folgen einer solchen Entwicklung sind in den USA klar erkennbar, vor allem rassistische aber auch klassistische Ausbeutung wird f\u00fcr Konzernprofite ins Endlose getrieben (f\u00fcr mehr Informationen dazu siehe beispielsweise den Film &#8220;13th&#8221;).<\/p>\n<p>Nicht nur JVAs sperren ein<br \/>\nEs ist auch wichtig nicht zu vergessen, dass JVAs nicht die einzigen einsperrenden Institutionen sind und den Blick daher zu erweitern. Das taten schon die Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) mit ihren Anschl\u00e4gen auf Funktion\u00e4re des Roten Kreuz, das in den 80er Jahren die rassistische Anti-Asylpolitik der BRD tatkr\u00e4ftig durch den Aufbau von Lagern und Unterst\u00fctzung der Abschiebe-Infrastruktur unterst\u00fctzte und sich dabei noch nebenher reich verdiente. Auch heute betreibt das DRK noch Lager und ist ein nicht unwichtiges Zahnr\u00e4dchen der Abschiebemaschinerie. Andere Bereiche dieses Systems w\u00e4ren die Fluglinien, die ihre Flugzeuge f\u00fcr Abschiebungen zur Verf\u00fcgung stellen, die Bundespolizei und Frontex (f\u00fchren die Abschiebung und Flugbegleitung durch). Und nat\u00fcrlich nicht zu vergessen die Gerichte, die mit ihren Urteilen die scheinheilige rechtliche &#8220;Absicherung&#8221; bieten, dass der Staat Menschen guten Gewissens in Kriegsgebiete und Diktaturen abschieben kann. W\u00fcrden all die sch\u00f6nen Worte in Gesetzen ernst gemeint sein, w\u00e4ren Abschiebungen an sich verboten. Auch zu den Gerichten wurden die RZ bereits in der 80er Jahren mit Anschl\u00e4gen auf Richter*innen des obersten Asylgerichtes aktiv.<br \/>\nW\u00e4hrend DRK, Fluglinien und Gerichte derzeit eher weniger im Fokus stehen, sind dagegen Anschl\u00e4ge auf Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden relativ beliebt in den letzten Jahren (siehe https:\/\/chronik.blackblogs.org\/?s=ausl%C3%A4nderbeh%C3%B6rde).<\/p>\n<p>Auch wenn WISAG im Text erw\u00e4hnt wird, ordnet dieser WISAG nur als Firma, die den Knastbetrieb laufen l\u00e4sst, ein. Dabei wird der Punkt nicht erw\u00e4hnt, dass WISAG mit beispielsweise den Ticketkontrollen in Berlin, die die Firma umsetzt mit ihrem Personal, direkt eine Rolle beim Bef\u00f6rdern von armen und rassifizierten Menschen in den Knast durch Ersatzfreiheitsstrafe spielt. Die Ersatzfreiheitsstafe bezeichnet die Praxis in der BRD, dass Menschen, die ihre Geldstrafe wegen z.B. ohne Ticket fahren nicht blechen k\u00f6nnen, eingesperrt werden anstatt des Zahlens.<br \/>\nEs w\u00e4re sicherlich spannend sich genauer anzuschauen, welche Firmen eine solche Rolle wie WISAG \u00fcbernehmen und damit diese Funktion sichtbarer zu machen und anzugreifen.<\/p>\n<p>Militantes Auflehnen hinter den Mauern<br \/>\nEin weitere Ebene, die im Text zu kurz kommt, sind militante Aktionen in Gef\u00e4ngnissen und anderen Arten von Kn\u00e4sten. Gerade das Jahr 2020 hat wieder einmal gezeigt, dass militante Kampagnen nicht unbedingt in die Kn\u00e4ste hinein getragen werden m\u00fcssen, sondern vielleicht eher dort beginnen und wir von au\u00dfen daran ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen. In unz\u00e4hligen Kn\u00e4sten weltweit, besonders drastisch in Italien, kam es zu Ausschreitungen, Besetzungen und Aufst\u00e4nden, bei denen es sowohl um den konkreten Schutz vor der Corona-Pandemie ging, als auch um Kritik am System Knast. Einige Bezugsgruppen drau\u00dfen kn\u00fcpften an diese aufst\u00e4ndischen Momente an und solidarisierten sich mit Aktionen und anderen Formen der Solidarit\u00e4t, doch insgesamt ist es schade, dass allzu oft dann doch die K\u00e4mpfe gegen Kn\u00e4ste eher parallel drinnen und drau\u00dfen, als miteinander und f\u00fcreinander gek\u00e4mpft werden.<br \/>\nEine weitere Form konfrontativer K\u00e4mpfe, die wir zudem als ein wichtiges Mittel im Kampf gegen Kn\u00e4ste sehen, ist der Streik. Der bringt zwar weniger Feuer-Romantik, hat aber immer wieder eine Schl\u00fcsselrolle in Gefangenen-K\u00e4mpfen inne gehabt. Sollte es wieder zu gr\u00f6\u00dferen Gefangenen-Streiks kommen, wie beispielsweise vor einigen Jahren in den USA, w\u00e4re das ein wichtiger Moment f\u00fcr Solidarit\u00e4t von au\u00dfen und eine Intensivierung militanter K\u00e4mpfe, um so gemeinsam Druck aufbauen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten zudem unsere Verbundenheit mit all denen ausdr\u00fccken, die derzeit von SokoLinx (gegen die &#8220;Militanten Feuerzellen gegen Kn\u00e4ste&#8221;) und anderen staatlichen Schergen verfolgt werden, weil sie es wagen sich \u00f6ffentlich gegen Kn\u00e4ste zu \u00e4u\u00dfern oder Hunde sie gerne anbellen oder sie sich gewerkschaftlich hinter den Mauern organisieren.<br \/>\nUnsere hier niedergeschriebenen Gedanken sollen keine Kritik des Textes sein, sondern eine solidarische Erg\u00e4nzung und Weiterkn\u00fcpfung. Wir freuen uns auf weitere Aktionen, Austausch, Texte und allt\u00e4gliche Akte der F\u00fcrsorge und des Widerstands.<\/p>\n<p>Gru\u00df und Kuss<br \/>\neine Feministische Autonome Zelle (FAZ)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4iprcwrp64y7uiaekaisb6s4pl3pxo7x4o7hdmhsnvfeziqvmyl4jiyd.onion\/node\/1621569600148586\/\">OMPF<\/a> (Tor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiburg, 19. Mai 2021 Ankn\u00fcpfend an den Text &#8220;Militante Kampagne gegen Kn\u00e4ste&#8221; (Autonomes Bl\u00e4ttchen Nr. 44, https:\/\/autonomesblaettchen.noblogs.org\/ausgaben\/ausgabe-nr-44\/) haben wir uns entschieden praktisch und in Textform einige Gedanken zur Diskussion und Kampagne beizutragen. Daher haben wir in der Nacht auf den 19. 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