{"id":13677,"date":"2020-12-31T00:00:44","date_gmt":"2020-12-30T22:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=13677"},"modified":"2020-12-31T00:00:44","modified_gmt":"2020-12-30T22:00:44","slug":"feuer-an-jobcenter-gelegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=13677","title":{"rendered":"Feuer an Jobcenter gelegt"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2021\/01\/jobc.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-13678\" src=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2021\/01\/jobc-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"><\/a>Berlin<\/strong>, 31. Dezember 2020<\/p>\n<blockquote><p>2002 begann unter F\u00fchrung der regierenden Sozialdemokraten mit der Entwicklung der \u201eSozialreform Agenda 2010\u201c eine gro\u00dfangelegte Umstrukturierung des deutschen \u201eSozialstaates\u201c. Im Willen die sozio\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse entsprechend einer neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung neu auszurichten und die Verwaltung der Massenarbeitslosigkeit \u201ezukunftssicher\u201c zu gestalten, verbarg sich hinter der Agenda 2010 vor allem ein grundlegender Angriff auf die arbeitslose oder prek\u00e4r besch\u00e4ftigte Klasse.<\/p>\n<p>Der Diskurs machte aus Arbeitslosen und prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten diejenigen, die faul seien, nicht arbeiten wollten, gerne dem Staat auf der Tasche liegen und auf Kosten der arbeitenden Gesellschaft ausschlafen.<!--more--> Dass das Ziel der Vollbesch\u00e4ftigung nur noch leere Worte waren, wichtige Industriezweige nach Osteuropa und Asien ausgelagert wurden und mit dem Konstrukt des Jobcenters eine riesige Branche aussichtsloser Schulungs- und Weiterbildungszentren aus dem Boden gestampft wurden, sollten nicht als Argumente benannt werden. Mit den damaligen Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahmen, heute Ein-Euro Jobs oder sogenannten F\u00f6rderma\u00dfnahmen, werden die Statistiken der Arbeitslosigkeit gesch\u00f6nt und von au\u00dfen der Eindruck vermittelt, dass tats\u00e4chlich F\u00f6rderung passiere.<\/p>\n<p>Die Folgen der Agenda sind neben dem Repressionsapparat Jobcenter, ein massiver Niedriglohnsektor, die Option f\u00fcr die Bosse durch Leih- und Kurzarbeit Arbeitende genauso schnell zu ordern und wieder zu feuern und eine verst\u00e4rkte Konditionierung und Spaltung der sogenannten \u201eLeistungsgesellschaft\u201c. Das Bild, welches weltweit vermittelt wird, ist immer noch eines des Wohlstandes und absichernden Sozialstaates Deutschland, in dem f\u00fcr alle Arbeit da ist, sofern Menschen denn bereit sind sich \u201eaktivieren\u201c zu lassen.<\/p>\n<p>Dass \u00fcber die Jahre der Dienstleistungsgesellschaft eine Pyramide ausgebaut wurde in der ganz unten die Fahrradlieferant*innen, Erntehelfer*innen, Amazonfahrer*innen, Sicherheitsmitarbeiter*innen und Putzkr\u00e4fte stehen, die \u00fcberwiegend Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung haben und nicht ohne Grund keine Chance auf eine bessere Stellung oder Tarifvertr\u00e4ge in der BRD bekommen, ist eine der auffallenden Folgen dieser Entwicklung.<\/p>\n<p>Gerade in Zeiten der weltweiten Corona-Pandemie phantasiert und schwadroniert der Staat pl\u00f6tzlich von Solidarit\u00e4t und Zusammenhalt. In einer Zeit, in der Klassenunterschiede deutlicher zutage treten als je zuvor und Solidarit\u00e4t im Sinne des Staates nur bedeuten, sich selber noch weiter aufzuopfern f\u00fcr das Weiter-So des Kapitalismus.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Manager*innen im Homeoffice ihre Profite ausbauen, Politiker*innen es bevorzugen \u00fcber bewaffnete Drohnen, Telekommunikations\u00fcberwachung und Gesichtserkennungssoftware zu debattieren, erh\u00e4lt der Gro\u00dfteil der Arbeiter*innen nur noch einen Bruchteil ihres Lohns, bangt um die Zukunft ihrer Betriebe oder schuftet weiterhin in den Fabriken oder Krankenh\u00e4usern. Der Staat greift w\u00e4hrenddessen gro\u00dfz\u00fcgig in seine Taschen um den b\u00f6rsennotierten Gro\u00df-Konzernen unter die Arme zu greifen, in dem Wissen, dass in dem l\u00e4ngst befriedeten Staat die Kritik daran oder gar ein Generalstreik in weiter Ferne liegen.<\/p>\n<p>Durch die Zuspitzung dieser sozialen Frage finden sich immer mehr Menschen am Rand der Gesellschaft wieder und wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass auf lange Sicht der Ausbruch unserer Wut nicht verhindert werden kann. Unsere Rolle dabei sollte sein, unseren Freund*innen aus den Schlangen der Jobcenter und Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden, in den Autos der Lieferdienste oder vor den Toren der Fabriken und Logistiklager in ihren K\u00e4mpfen zur Seite zu stehen und die L\u00fcge der \u201eSozialpartnerschaft\u201c in Flammen aufgehen zu lassen.<br \/>\nSo freute uns zum Beispiel aus Frankreich zu lesen, dass an Heiligabend 27 Transporter von Amazon den Flammen \u00fcbergeben wurden.<\/p>\n<p>Wir haben unsererseits die letzten Tage des Jahres genutzt, dem Jobcenter Lichtenberg vier Autoreifen vor die T\u00fcr zu legen. Kein \u201estay at home\u201c, kein 87 % Kurzarbeitergeld und keine Notstandsverordnungen beklatschende Linke kann und darf uns vergessen machen, dass es die bestehenden Verh\u00e4ltnisse umzuwerfen gilt. Wenn wir aber auch 2021 nicht in die G\u00e4nge kommen, den staatlichen Allmachtsanspr\u00fcchen gerade w\u00e4hrend dieser Pandemie etwas entgegen zu setzen, sieht es damit zunehmend d\u00fcster aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein besseres Morgen!<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"https:\/\/kontrapolis.info\/1605\/\">Kontrapolis.info<\/a> (<a href=\"http:\/\/kontrpolioglnxrcdwwxfszih4pifyidfjgq4ktfdu6uh4nn35vjtuid.onion\/1605\/\">Tor<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- Here be dragons but no images. -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 31. Dezember 2020 2002 begann unter F\u00fchrung der regierenden Sozialdemokraten mit der Entwicklung der \u201eSozialreform Agenda 2010\u201c eine gro\u00dfangelegte Umstrukturierung des deutschen \u201eSozialstaates\u201c. 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