{"id":13390,"date":"2020-10-31T00:00:14","date_gmt":"2020-10-30T22:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=13390"},"modified":"2020-10-31T00:00:14","modified_gmt":"2020-10-30T22:00:14","slug":"cuvry-campus-mit-farbflaschen-und-steinen-beworfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=13390","title":{"rendered":"\u201eCuvry-Campus\u201c mit Farbflaschen und Steinen beworfen, Steine gegen Immob\u00fcro"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin<\/strong>, <span class=\"singledate\">31. Oktober 2020<\/span><\/p>\n<blockquote><p>Jeder Ort schreibt seine eigene Geschichte, so auch die Cuvrybrache an der Schlesischen Stra\u00dfe. Diese war in den letzten 10 Jahren, wie nur wenige andere Orte in Kreuzberg gepr\u00e4gt von dem Konflikt, welcher die massive Aufwertung im Kiez mit sich brachte. Es ist eine Geschichte von Widerstand, Aneignung und Selbstbestimmung, aber auch von Repression und Verdr\u00e4ngung. Ein Ort, der einst allen geh\u00f6rte und eine der letzten Brachen, wo der Zugang zur Spree nicht vom Inhalt des Geldbeutels oder der Zugeh\u00f6rigkeit zu einem exklusiven Kreis abh\u00e4ngig war. Ein Ort, der beginnend mit dem Media Spree \u2013 Projekt sinnbildlich f\u00fcr die Entwicklung Berlins zu einer Stadt der Reichen wurde.<\/p>\n<p>Konnte noch 2012 das auf der Cuvrybrache geplante \u201eBMW Guggenheim Lab\u201c durch Proteste der Anwohner*innen und der Androhung autonomer Steineschmeisser*innnen verhindert und in den Prenzlauer Berg geschickt werden,<!--more--> haben sich die Parameter st\u00e4dtischer K\u00e4mpfe mittlerweile stark ver\u00e4ndert. Zu viel steht auf dem Spiel, als dass die Immobilienmafia und ihre Investor*innen aufgrund des Unmuts im Kiez noch von solch gewinnversprechendem Bauland absehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ja, Kreuzberg hat sich ver\u00e4ndert. In diesem Bezirk, der, einst von der Berliner Mauer umgeben, mal f\u00fcr Wildheit und unkonventionelle Lebensentw\u00fcrfe stand aber vor allem ein migrantisches und proletarisches Viertel war, dominieren heute angesagte Bars, StartUps- und Coworking- B\u00fcros mitsamt einer Community, welche stetig nach den neusten Trends und dem gro\u00dfen Durchbruch geifern. AirBnB hat auch noch die letzten Ecken dem Massentourismus preisgegeben und mittlerweile erstreckt sich hier ein \u201eGefahrengebiet\u201c an das Andere. Polizeiliche Sonderzonen also, welche politisch legitimiert durch die Kriminalit\u00e4tsstatistiken, gro\u00dfe Teile des ehemaligen Postbezirkes SO36 in einen Ausnahmezustand versetzen und polizeilicher Willk\u00fcr wie Racial Profiling T\u00fcr und Tor \u00f6ffnen und einen rechtlichen Rahmen geben.<\/p>\n<p>Es ist nicht weiter verwunderlich, dass in diesem Klima ein chaotisches Zeltlager von Menschen, die sich kein zu Hause leisten k\u00f6nnen oder wollen oder die notd\u00fcrftig zusammengeschusterten H\u00fctten von migrantischen Arbeiter*innen, die auf dem Wohnungsmarkt kaum Chancen haben, kein Platz mehr ist. Genauso wenig wie f\u00fcr illegale Bars mit unkommerziellem Kulturprogramm, welche einst so sehr den Charme dieser Stadt gepr\u00e4gt haben. Berlin verkommt zu einer Metropole, in der alles sauber geleckt und gleichgeschaltet zu sein hat. So setzte die warme R\u00e4umung durch ein Feuer 2014 der Besetzung der Cuvrybrache ein abruptes Ende und gleichzeitig den Grundstein f\u00fcr eine Bebauung im Sinne der Investor*innen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft ein weiteres B\u00fcrogeb\u00e4ude, zugeschnitten f\u00fcr das Paralleluniversum des Hipster-Daseins. Hauptmieter soll der Essensauslieferdienst Lieferando werden. Damit h\u00e4lt ein Unternehmen Einzug, das seine Konkurrenz bereits geschluckt hat und vor Allem daf\u00fcr bekannt ist, gewerkschaftliche Organisierung der Kurierfahrer*innen, welche zu uns\u00e4glichen Konditionen auf die Stra\u00dfe geschickt werden, mit Vehemenz zu bek\u00e4mpfen. Dar\u00fcber hinaus aber auch Teil eines Wirtschaftszweiges darstellt, der es versteht mit Hilfe neuer Technologien jegliche Bereiche des Lebens der Verwertung zuzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Eines ist klar, die Cuvrybrache liegt nun unter dem Neubau begraben und wird vorerst kein frei zug\u00e4nglicher Ort mehr sein. Ein weiteres St\u00fcck unserer Geschichte wurde von der Marktlogik des Kapitalismus aufgefressen. Doch wir werden nicht klein beigeben. Mit jedem Kampf, den wir f\u00fchren, erobern wir immer auch ein St\u00fcck Selbstbestimmung zur\u00fcck. Und so bleibt uns wenigstens die Freude, ihre Betonkl\u00f6tze und Glaspal\u00e4ste anzugreifen, um uns zu vergewissern, dass nichts auf ewig best\u00e4ndig ist. Deshalb haben wir uns in der Nacht auf den 31. Oktober zusammengetan und Fassade und Fenster des \u201eCuvry-Campus\u201c mit Farbflaschen und Steinen beworfen. Weil uns eine Objektschutzstreife in die Quere kam, konnten wir unser Werk leider nicht in G\u00e4nze zu Ende bringen. Ein gut platzierter Steinwurf auf ihre Frontscheibe konnte diese aber von der Verfolgung abhalten. Genauso die privaten Securitys, welche als Kettenhunde f\u00fcrs Kapital dort ihren Dienst tun und scheinbar umgehend ihr Talent als Putzkr\u00e4fte unter Beweis stellten, damit ja keine Spuren zur\u00fcckbleiben, die eine Geschichte des Widerstands erz\u00e4hlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t mit den ger\u00e4umten Squats in Athen und Thessaloniki, mit der Liebig34 und den obdachlosen Besetzer*innen von der Habersaathstra\u00dfe. Gr\u00fc\u00dfe an die Aktions- und Diskussionstage der Interkiezionale dieses Wochenende in Berlin.<\/p>\n<p>Friede den H\u00fctten \u2013 Krieg den Pal\u00e4sten!<br \/>\nUnited we Fight!<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"https:\/\/kontrapolis.info\/787\/\">Kontrapolis.info<\/a> (<a href=\"http:\/\/kontrpolioglnxrcdwwxfszih4pifyidfjgq4ktfdu6uh4nn35vjtuid.onion\/787\/\">Tor<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Vermummte bewerfen Geb\u00e4ude und Fahrzeug<br \/>\nPolizeimeldung vom 31.10.2020<br \/>\nRund 15 dunkel gekleidete und vermummte Personen haben in der vergangenen Nacht Farbbeutel gegen ein Geb\u00e4ude in Kreuzberg geworfen und anschlie\u00dfend zudem ein Fahrzeug einer Objektschutzstreife mit einer Glasflasche beworfen. Gegen 1 Uhr waren die beiden Mitarbeiter der Polizei Berlin im Rahmen einer Objektschutzstreife im Bereich der Schlesischen Stra\u00dfe in Richtung Puschkinallee unterwegs, als sie die Gruppe bemerkten, die in der Cuvrystra\u00dfe Farbbeutel gegen einen Neubaukomplex warfen. Als die Vermummten das Fahrzeug bemerkten, fl\u00fcchteten sie. Bei der Flucht warf eine Person aus der Gruppe eine Glasflasche gegen die Frontscheibe des Fahrzeuges. Es entstand ein Schaden, die beiden Insassen blieben unverletzt.<br \/>\nDie Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs dauern an.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: Polizei<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>In Prenzlauer Berg wurde in derselben Nacht ein Immobilienb\u00fcro mit Steinen beworfen und dabei besch\u00e4digt. Der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes rief gegen 3.15 Uhr die Polizei in die Conrad-Blenkle-Stra\u00dfe\/Rudi-Arndt-Stra\u00dfe, nachdem er Besch\u00e4digungen an drei Schaufensterscheiben bemerkt hatte.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/kontrpolioglnxrcdwwxfszih4pifyidfjgq4ktfdu6uh4nn35vjtuid.onion\/789\/\">B.Z.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 31. Oktober 2020 Jeder Ort schreibt seine eigene Geschichte, so auch die Cuvrybrache an der Schlesischen Stra\u00dfe. Diese war in den letzten 10 Jahren, wie nur wenige andere Orte in Kreuzberg gepr\u00e4gt von dem Konflikt, welcher die massive Aufwertung im Kiez mit sich brachte. 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