{"id":13377,"date":"2020-10-09T00:00:16","date_gmt":"2020-10-08T22:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=13377"},"modified":"2020-10-09T00:00:16","modified_gmt":"2020-10-08T22:00:16","slug":"krawall-bei-demo-nach-raeumung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=13377","title":{"rendered":"Krawall bei Demo nach R\u00e4umung"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2020\/10\/54012.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-13378\" src=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2020\/10\/54012-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"><\/a>Berlin<\/strong>, 9. Oktober 2020<\/p>\n<blockquote><p>Nach der Krawalldemonstration in der Nacht zum Sonntag gingen bei der Polizei zahlreiche Anzeigen wegen Sachbesch\u00e4digung ein. Polizeif\u00fchrer kritisiert Einsatztaktik.<\/p>\n<p>BerlinNach der Krawallnacht zum Sonnabend in Berlin-Mitte hat die Polizei zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Sachbesch\u00e4digung eingeleitet. Intern wird auch der Polizeieinsatz am sp\u00e4ten Freitagabend \u00fcberpr\u00fcft. Er verlief offensichtlich fehlerhaft.<\/p>\n<p>\u201eBei der Kr\u00e4ftesteuerung muss einiges schiefgelaufen sein\u201c, sagte ein hochrangiger Polizeif\u00fchrer am Montag der Berliner Zeitung. \u201eEs waren eigentlich gen\u00fcgend Kr\u00e4fte vorhanden. Aber man hat die Situation falsch eingesch\u00e4tzt.\u201c Mit dem Weggang der ehemaligen F\u00fchrung der Direktion Einsatz, zu der die Bereitschaftspolizei geh\u00f6rt, sei in der Dienststelle viel Einsatzerfahrung verloren gegangen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAb 21.30 Uhr waren am Freitagabend eine Demonstration durch Mitte gezogen. Die Demonstranten protestierten gegen die R\u00e4umung des \u201eAnarcha-queer-feministischen Wohnprojektes\u201c an der Liebigstra\u00dfe 34 in Friedrichshain. Die Polizei z\u00e4hlte rund 1700 Teilnehmer. Fast alle Demonstranten \u2013 von der Spitze bis zum Ende der Demo \u2013 waren schwarz gekleidet und vermummt, die Stimmung aggressiv. Schon bevor die Demonstration loszog, flogen Flaschen in Richtung Polizei. Behelmte Polizisten eskortierten den Aufzug \u2013 allerdings nur an der Spitze. Weiter hinten war kein Polizist mehr, obwohl immer wieder Feuerwerksk\u00f6rper gez\u00fcndet und im Vor\u00fcbergehen Autos demoliert wurden.<\/p>\n<p>Am Hackeschen Markt eskalierte dann die Situation, als Randalierer die Scheiben eines Haltestellenh\u00e4uschens einschlugen. Flaschen, Steine und Feuerwerksk\u00f6rper flogen auf die Polizei, die offenbar v\u00f6llig \u00fcberrascht war und sich zur\u00fcckzog. Daraufhin begannen Vermummte, in der Alten Sch\u00f6nhauser Stra\u00dfe die Schaufensterscheiben der Gesch\u00e4fte einzuschlagen \u2013 mit H\u00e4mmern, Pflastersteinen und Verkehrsschildern. Zahlreiche Autos wurden demoliert. Erst knapp eine halbe Stunde nach dem R\u00fcckzug der Polizei am Hackeschen Markt stellten sich Beamte einer ausw\u00e4rtigen Polizeieinheit den Randalierern in den Weg \u2013 die daraufhin in die Seitenstra\u00dfen entschwanden und dort weiter Sachsch\u00e4den anrichteten, unter anderem, in dem sie mehrere Autos anz\u00fcndeten.<\/p>\n<p>Wie hoch die Sch\u00e4den sind, ist noch unklar. Die Polizei konnte am Montag auch noch keine Angaben dar\u00fcber machen, wie viele Anzeigen wegen Sachbesch\u00e4digung bei ihr eingegangen sind.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/kontrpolioglnxrcdwwxfszih4pifyidfjgq4ktfdu6uh4nn35vjtuid.onion\/462\/\">Berliner Zeitung<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- Here be dragons but no images. -->\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Diese Auswertung bezieht sich allein auf die Interkiezionale Demo am Abend der R\u00e4umung der Liebig34. Insgesamt bewerten wir die Demo als einen Erfolg. Jedoch gibt es sowohl Stellen an denen Sachen besser klappen k\u00f6nnten als auch Punkte die wir als B\u00fcndnis kritisch sehen. Einige Aspekte schlie\u00dfen an unsere bisherigen Auswertungen der \u201eRaus aus der Defensive\u201c-Demo vom 1. August (1) und der TagX-Sponti nach der R\u00e4umung des Syndikat am 7. August (2) an. Der Text ist wieder l\u00e4nger als gewollt, aber wir denken dass wir in diesen Zeiten in denen Pr\u00e4senz-Treffen weniger werden, offene Vollversammlungen nur umst\u00e4ndlich stattfinden k\u00f6nnen, wir mehr textlich miteinander kommunizieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Stop-And-Go<\/p>\n<p>Etwa 1.000 Menschen versammelten sich am 9. Oktober um den Startpunkt am Monbijouplatz in Berlin-Mitte. Das B\u00fcndnis hatte sich diesmal dazu entschieden die Demo anzumelden, um sich \u2013 anders als am 7. August, \u00fcberhaupt sammeln und loslaufen zu k\u00f6nnen (dazu weiter unten mehr). Die \u00fcberwiegende Masse an Menschen war schwarz gekleidet und vermummt. Die Cops machten hier keine Vorkontrollen, bewegten sich jedoch im Monbijoupark uniformiert und auch mit Zivilcops um dort gr\u00f6\u00dfere Menschenansammlungen zu st\u00f6ren. Die Demo durfte erst loslaufen, sobald das Hygienekonzept ihnen passte. Also musste die Demo sich mit gro\u00dfem Abstand aufstellen, was die Unruhe unter vielen die ihre Wut zum Ausdruck bringen wollten, steigerte. Ein Lauti, lieferte beim Auftakt inhaltliche Beitr\u00e4ge, fuhr dann aber ab, als die Demo startete. Wir finden den Verzicht auf einen Lautsprecherwagen besser, weil dieser dann nicht die Demo zerpfl\u00fcgt und Ressourcen frisst. F\u00fcr eine gute Kommunikation auf der Demo m\u00fcssen wir aber noch bessere L\u00f6sungungen als ein paar Leute mit Megaphon finden. Gegen 21.35 Uhr setzte sich der Frontblock im Dauerregen in Bewegung.<\/p>\n<p>L\u00fcckenhafte Kontrolle<\/p>\n<p>Es dauerte keine 200 Meter, da hatten die Cops die Demo bereits gestoppt. Dieses Stop-and-Go setzte sich die ganze Demo hindurch fort. Ein Grund war angeblich, dass die Cops nicht vorausschauend die Stra\u00dfen sperrten. Auch die Demo immer wieder angehalten, weil daraus \u201eStraftaten begangen\u201c wurden. Zus\u00e4tzlich blieb der Frontblock einige Male stehen, damit sich L\u00fccken in der Dmeo schlie\u00dfen konnten und weil es hie\u00df, hintere Teile der Demo w\u00e4ren gekesselt.<\/p>\n<p>Vor Erreichen der Volxb\u00fchne war die Demo auf bis zu 2.500 Teilnehmer*innen angewachsen. Die Stimmung war durchweg laut bis aggressiv. Die Polizeipr\u00e4senz konzentrierte sich \u00fcberwiegend auf den vorderen und mittleren Teil der Demo. Es gab kein durchgehendes Spalier, jedoch gab es stellenweise 2-3 Polizeiketten nebeneinander.<\/p>\n<p>Angriffe und Aufl\u00f6sungsversuch<\/p>\n<p>Nach stimmungsvollem Einsatz von Pyrotechnik wurde in der Alten Sch\u00f6nhauser Stra\u00dfe der Frontblock mehrmals angegriffen. Hier kam es \u201enur\u201c zu Faustschl\u00e4gen. Aus dem k\u00e4mpferischen Block wurde erstmal niemand festgenommen, auch wenn Transpis zerrissen wurden.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt war es schon zu Sachschaden aus und um die Demo herum gekommen. Zum Teil durch kleinere Gruppen im Umfeld der Demo, zum Teil aus der Demo heraus. Es entstand ein Szenario, was nicht nur f\u00fcr Cops sondern auch auf Demoteilnehmer*innen chaotisch wirkte. Die Cops nahmen dann eine strategische Pause. Die Demo stand gut 20 Minuten. Es wurde \u00fcberlegt, den Frontblock vom Rest der Demo abzutrennen oder aber die Demo aufzul\u00f6sen. Beides war aber offensichtlich zu heikel, denn schon jetzt bewegten sich immer mehr Menschen aus der Demo raus und fluteten die Nebenstra\u00dfen, um dort als kleinere Spontis in unbekannte Richtungen weiterzuziehen. Zur Aufl\u00f6sung dieses Abstroms wurde entschieden die Demo weiterlaufen zu lassen.<\/p>\n<p>Solidarischer Kiez und Abschluss<\/p>\n<p>Auf der H\u00f6he Weinmeisterstr. \/ Rosenthalerstr. verbreitete sich die FehlInfo, die Demo werde aufgel\u00f6st. Es dauerte eine Weile bis alle sich wider beruhigt und aufgestellt hatten. Ab da lief der Demozug ruhiger und flie\u00dfender. An der Linienstra\u00dfe206 gab es eine gro\u00dfe Solidarit\u00e4tsbekundung was nochmal Kraft gab. Am Rosenthaler Platz und auf der Kastanienallee solidarisierten sich immer wieder Menschen mit der Demo. Auch in der Kastanienallee gab es Beifall. Die K87 spielte \u201eTon, Steine, Scherben\u201c und das Tuntenhaus begr\u00fc\u00dfte die Demo mit Pyro und Musik. Nach gut drei Stunden erreichte die Demo die Ecke Kastanienallee\/Ebserwalderstr., wo sie von der Orga aufegl\u00f6st wurde. Viele bekamen das nicht mit, oder blieben passiv am Abschlusspunkt stehen. Hier kam es zu den meisten Festnahmen.<\/p>\n<p>Laut Polizei gab es insgesamt 37 Festnahmen. Einige Menschen wurden auf der Demo von der Polizei verletzt, oder w\u00e4hrend der Festnahmen auch nach der Demo. Mehrere Menschen mussten ins Krankenhaus. Das Auftreten der Polizei war an einigen Stellen sehr brutal, an anderen Stellen zeigte sich eine \u00dcberforderung, die in Passivit\u00e4t endete. Im Zusammenhang mit der Demo wurden bisher 94 Strafverfahren eingeleitet (66xSachbesch\u00e4digung, 10xLandfriedensbruch, 8xBrandstiftung, 5xWiderstand, 3xt\u00e4tlicher Angriff) (3) .<\/p>\n<p>Aber nun zu den strittigen Punkten:<\/p>\n<p>Anmeldung der Demo:<\/p>\n<p>Wir haben uns diesmal vorab entschieden die Demo anzumelden. Nach der Tag X Sponti f\u00fcr das Syndikat war unser Fazit, dass es einige H\u00fcrden mit sich bringt, eine Demo nicht anzumelden. Die Cops versuchten von vornherein die Demo am 7. August zu zerschlagen, einige Menschen kamen vielleicht auch gar nicht weil sie diese Konfrontation vermeiden wollten. Wir wollten diesmal unter laufen und auch nicht fr\u00fchzeitig abzubrechen. Unserer Meinung nach bot die Anmeldung uns den Schutz, dass die Cops nicht von vornherein versuchten die Demo zu zerschlagen und wir uns sammeln und laufen konnten. Die Ereignisse w\u00e4hrend der Demo verdeutlichen, dass wir unsere St\u00e4rke nicht daran bemessen m\u00fcssen ob wir es schaffen eine unangemeldete Demo durchzusetzen. Eine konfrontative und kraftvolle Demo kann auch eine sein, die vom Versammlungsrecht gesch\u00fctzt ist.<\/p>\n<p>(De)Mobilisierung: Hetze, Propaganda und zuviele Demonstrationen<\/p>\n<p>Wir sind als B\u00fcndnis nicht unzufrieden mit einer Teilnehmer*innenzahl von 1.700-2.500 Menschen. Es war sp\u00e4t und Dauerregen. Viele Menschen waren bereits seit dem fr\u00fchen Morgen wach wegen der R\u00e4umung der Liebig34. Der Gro\u00dfteil der Teilnehmer*innen war schwarz gekleidet und \u00fcberwiegend vertraut mit einer k\u00e4mpferischen Demokultur, die auf Anonymit\u00e4t und Ketten als Schutz setzt. Die Anzahl an Menschen, die eine solche Demokultur teilen w\u00e4chst. Uns freut auch dass der Grad an Organisierung\/Vorbereitung auf solche Demos ebenfalls steigt.<\/p>\n<p>Doch geht es uns auch darum, \u00fcber diesen Kreis hinaus Solidarit\u00e4t zu erhalten, unsere K\u00e4mpfe zu verbinden und mehr zu werden. Insgesamt blieb die Gr\u00f6\u00dfe der Demo unter unseren Erwartungen zur\u00fcck. Demos f\u00fcr die Rigaer94 oder Liebig14 vor f\u00fcnf oder zehn Jahren schafften es noch \u00fcber 5.000 Menschen zu mobilisieren.<\/p>\n<p>Mehrere m\u00f6gliche Gr\u00fcnde f\u00fcr eine geringere Beteiligung:<\/p>\n<p>1) Die Hetzte in der Presse gegen die Liebig34 und ihr Umfeld wirkte demobilisierend auf das Umfeld, was bisher nicht eindeutig solidarisch war mit den H\u00e4usern. Dies l\u00e4sst die Frage offen, ob wir an unserer \u00d6ffentlichkeitsarbeit etwas \u00e4ndern sollten oder besser wer in unserem Sinne mediale Aufr\u00e4umarbeit betreibt.<\/p>\n<p>2) Wir haben schlichtweg zu wenig Mobi gemacht f\u00fcr die Demo und erreichten so nur den Kern der autonomen Bewegung und einige Schaulustige.<\/p>\n<p>3) Der von einigen \u00fcberstrapazierte Verbal-Radikalismus vermittelte Menschen wohlm\u00f6glich, dass sie eine bestimmte \u201emilitante Praxis\u201c haben m\u00fcssten, um auf die Demo zu kommen. Die z.T. kreierten Bilder verengten den Aktionsradius so stark, dass Eigeninitiative auf niedrigem Niveau als unbrauchbar\/unerw\u00fcnscht erschien (mehr dazu weiter unten).<\/p>\n<p>4) Wir k\u00f6nnen nicht erwarten, dass sich Gruppen &amp; Initiativen uns einfach anschlie\u00dfen. Wenn wir andere erreichen wollen, m\u00fcssen wir uns f\u00fcr sie und ihre K\u00e4mpfe Zeit nehmen. Nur so kann Solidarit\u00e4t untereinander entstehen. Dass sich viele politischen Akteure gegen den Wegfall der Liebig34 ausgesprochen haben, sehen wir als Erfolg. Das Problem war aber, dass viele von diesen solidarischen Gruppen keine \u00dcbersetzungs- und \u00dcberzeugungsarbeit in die eigenen Milieus leisten wollten, um diese auch zu der Demo zu lotsen.<\/p>\n<p>5) Es gab in den Wochen davor eine un\u00fcberschaubare Zahl kurzfristig angek\u00fcndigter Demos, die dem Ansinnen einer gemeinsamen Demo entgegen gewirkt haben k\u00f6nnten. Welcher Aktion schlie\u00dft mensch sich an, an welcher wirkt mensch aktiv mit, worauf haben sich die unterschiedlichen Akteure gemeinsam geeinigt um Druck aufzubauen und zu halten? Wer dreimal pro Woche aufgerufen wird \u201eden Arsch hoch zu kriegen\u201c, ist irgendwann \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>Pluspunkte f\u00fcr Atmosph\u00e4re, Dynamik &amp; Demokultur<\/p>\n<p>Die Stimmung auf der Demo war insgesamt sehr kraftvoll war. Wir waren beeidruckt davon, dass selbst nach drei Stunden Menschen noch Parolen riefen und \u00fcber 1.000 Leute im Regen bis zum Ende dabei blieben. Menschen hatten (Schutz-)Schirme dabei, Transpis, Flyer und Pyro, waren dunkel gekleidet und liefen in Reihen. Durch die solide Blockstruktur konnten an einigen Stellen Festnahmen verhindert werden. Auch wurden Cops durch ein blo\u00dfes Stehenbleiben an einigen Stellen eingesch\u00fcchtert, sodass sie nicht einfach weiter in die Demo rannten.<\/p>\n<p>An anderen Stellen rannten Menschen als ganze Ketten weg und die Polizei konnte trotz Ketten problemlos in die Demo eindringen. Das hatte auch mit den fehlenden Seitentranspis zu tun. Hier sollten wir nochmal \u00fcber die Sinnhaftigkeit von gesch\u00fctzten Bl\u00f6cken und Ketten reden. Der Schwarze Block ist nicht nur Ausdruck von Kampfbereitschaft und autonomer Folklore sondern historisch gewachsen um sich vor Polizei\u00fcbergriffen effektiv zu sch\u00fctzen und M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume f\u00fcr die Demoteilnehmer*innen zu er\u00f6ffnen. Ketten sind daf\u00fcr da, die Demo zu stabilisieren, sich selbst und Andere in der Demo zu sch\u00fctzen und die Cops rauszuhalten. Daf\u00fcr ist es oft sinnvoller, Ketten an der Seite der Demo zu machen, also hintereinander als Kette zu laufen um so die Demo seitlich zu sch\u00fctzen. Auch k\u00f6nnen wir aus anderen L\u00e4ndern lernen, dass es sicherer ist sich am Hosenbund fetszuhalten anstatt einzuhaken an den Armen. Ketten sind hingegen nicht ganz so mobil wie das freie Fluten. Um die die ganze Stra\u00dfe schnell einzunehmen, Spaliere zu verdr\u00e4ngen und sich vor herbeisausenden Faustschl\u00e4gen zu sch\u00fctzen sind sie nicht so geeignet. Es braucht also mehr Diskussion und mehr Demotrainings! Was aber klar sein sollte: Fahrr\u00e4der haben auf so einer Demo nichts zu suchen. Sie behindern in entscheidenen Situation und b\u00fcrgen f\u00fcr alle hohe Verletzungsgefahren wenn es eng und chaotisch wird.<\/p>\n<p>Kommunikation in die Demo und dar\u00fcber hinaus<\/p>\n<p>Vier Megaphone entlang der Demo reichten nicht aus, um Informationen unter den Demoteilnehmer*innen zu vebreiten. Teilweise wussten Menschen nicht was los ist, oder es vebreiteten sich falsche Informationen. Was hingegen gut klappte ist, dass Informationen einfach still nach hinten \u00fcber Ketten durchgegeben werden. Das setzt voraus, dass die Demo strukturiert l\u00e4uft, weswegen dieser Informationsweg oft nach dem Frontblock abbrach. Auch hier wollen wir weiterhin von anderen Kontexten, wie zum Beispiel Ende Gel\u00e4nde lernen und mehr Menschen f\u00fcr unsere Demostruktur gewinnen um diese auszubauen.<\/p>\n<p>Wir haben uns sehr \u00fcber die Flyer gefreut, die einige am Rand der Demo an Passant*innen verteilten. Sie erkl\u00e4rten, warum die Demo stattfand und warum es Ausschreitungen gibt und weiter geben wird. Wir halten es als B\u00fcndnis f\u00fcr essenziell, Aussenstehende \u00fcber unsere politisches Ziele und Gr\u00fcnde f\u00fcr eine solche Praxis zu informieren und freuen uns immer sehr, wenn Menschen Eigeninitaive ergreifen und f\u00fcr uns alle diese Aufgabe \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Wie leider \u00fcblich wurden feministische Parolen, mit Au\u00dfnahme vom Frontblock, von vielen Menschen auf der Demo nicht mitgerufen. Das ist vor allem schade, ging es doch um die R\u00e4umung der Liebig34. Wir sehen es als Ausdruck patriarchaler Einstellungen, dass diese Parolen nicht gerufen werden \u2013 ein Problem in den eigenen Reihen, dass es zu \u00fcberwinden gilt.<\/p>\n<p>Als Interkiezionale sind wir ledigich der Zusammenschluss der f\u00fcr die Projekte k\u00e4mpft, sodass wir wenig eigene \u00d6ffentlichkeitsarbeit machen. Generell halten wir diese f\u00fcr wichtig, denken aber, dass es ausreicht wenn die Projekte f\u00fcr sich selbst \u00d6ffentlichkeitsarbeit machen und wir als B\u00fcndnis weiterhin nur eine informative &amp; organisatorische Rolle spielen. Unser Pressestatement (4) wurde erst Sonntag ver\u00f6ffentlicht und nicht mehr von der Presse aufgenommen. Wie wichtig eigene Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit f\u00fcr die Verbreitung von Gegeninformationen und eigenen Narrativen ist, zeigt die unglaubliche Flut an Schei\u00dfmeldungen zur Liebig34 und die R\u00e4umung und die endlosen Live-Streams von rechten und konservativen (Massen-)Medien. Zwei oder drei gute Beitr\u00e4ge linker oder liberaler Medien (5), konnten daran wenig \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Demoende und Repression<\/p>\n<p>Es war uns wichtig, dass die Demo nicht wie bei der Demo zum Polizeikongress 2020 oder am 1. Mai 2019 einfach weiter l\u00e4uft nachdem sich der Frontblock rauszieht. Gemessen daran haben wir es geschafft, die Demo an dem von uns gew\u00e4hlten Punkt zu beenden. Damit die Cops niemanden festnehmen k\u00f6nnen, m\u00fcsste hier aber die ganze Demo schneller reagieren. Schnell reagieren um ein Einkesseln zu verhindern, ohne Personen ungesch\u00fctzt stehen zu lassen. Dies hat nicht so gut geklappt wie es sollte: die Cops konnten zwar nicht kesseln, aber Fetsnahmen gab es trotzdem. Wir sehen hier selbstkritisch, dass wir vorher h\u00e4tten kommunizieren sollen, was beim Ende der Demo wichtig ist.<\/p>\n<p>Wir haben keinen \u00dcberblick, wie viele Menschen durch Polizeigewalt verletzt wurden. Einige Beispiele, wie die brutale Festnahme am Endpunkt, die auch durch die sozialen Medien ging, zeugen von der Brutalit\u00e4t der Cops. Gewalterfahrungen k\u00f6nnen schwere psychische Folgen haben und Traumata ausl\u00f6sen. Unterst\u00fctzt euch gegenseitig, meldet euch mit euren Ged\u00e4chtnisprotokollen bei uns. Das Verschweigen und Runterspielen von Polizeibrutalit\u00e4t sch\u00fctzt nur die Cops und ihre Selbstdarstellung in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Verbaler Radikalismus<\/p>\n<p>Wir wollen einen kritischen Blick werfen auf das, was wir als \u201eVerbalradikalismus\u201c verstehen. An vielen Stellen haben Einzelne oder auch Gruppen von einer Aktions-Praxis geredet, die wir als Bewegung so in Berlin nicht haben. Damit meinen wir zum Beispiel Phrasen wie \u201eMachen wir die City platt\u201c, \u201eBerlin muss brennen\u201c, \u201ePadovicz in den Kofferraum\u201c oder dergleichen. Nicht nur ist es mackrig sich mit sowas zu br\u00fcsken, oder es anzudeuten, wenn wir es nicht einhalten. Verbalradikalismus schadet uns zudem an mehreren Stellen, wir wollen sie hier einmal aufz\u00e4hlen:<\/p>\n<p>1) Setzen wir Erwartungen sehr hoch an \u201eWir machen die City platt &amp; Berlin brennt\u201c, so ist vorausgesetzt, dass wir als Bewegung weit hinter unseren Erwartungen zur\u00fcck bleiben. Wir produzieren so st\u00e4ndige Misserfolge f\u00fcr uns selbst. Was wir brauchen um konstruktiv an uns selbt zu arbeiten sind realistische Einsch\u00e4tzungen was unsere St\u00e4rken und Schw\u00e4chen betrifft. Das setzt voraus, dass Einzelpersonen eine realistische Einsch\u00e4tzung ihrer eigenen Praxis haben und sich nicht unter Druck gesetzt f\u00fchlen, vorzugeben, sie w\u00fcrden etwas machen was sie nicht tun oder sich auch gar nicht vorstellen k\u00f6nnen. Nur wenn wir eine Atmosph\u00e4re haben in der wir ehrlich miteinander sein k\u00f6nnen, k\u00f6nnen wir es schaffen, \u00fcber \u00c4ngste zu reden und diese auch zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>2) Verbalradikalismus wirkt abschreckend oder einsch\u00fcchternd. Mit einem einseitigen Fokus auf bestimmte Praxen (Sachschaden\/ Brandstiftung) setzen wir auch f\u00fcr andere die Erwartungshaltung sehr hoch an. Wir sollten Menschen in unserer Bewegung und solche die wir gerne f\u00fcr unsere politischen Ziele mobilisieren wollen nicht den Eindruck vermitteln, sie m\u00fcssten Scheiben einhauen und Autos anstecken um sich auf unsere Demos zu trauen oder an unseren Versammlungen teilzunehmen. Militanz ist ein sehr weiter Begriff und viele unserer Aktionsformen sind weitaus kreativer als die Reduzierung auf Sachschaden. Der \u201ePolitische Preis\u201c einer R\u00e4umung l\u00e4sst sich nicht in verbrannten Geldscheinen messen, sondern in Br\u00fcchen der Macht der Herrschenden, im kontinuierlichen Aufbau von Gegenmacht und in sich sch\u00e4rfenden Beziehungen zwischen Bezugsgruppen und politischen Spektren.<\/p>\n<p>3) Ein feministischer Grundsatz ist es, alle politischen Praxen wertzusch\u00e4tzen, denn sie alle sind wichtig f\u00fcr eine Bewegung \u2013 Moderation auf Plena und Kundgebungen, Aufrufe schreiben, Anti-Repressionsgelder sammeln, Plakatieren &amp; Flyern, eine Reihe stellen auf einer Demo, Kochen f\u00fcr K\u00fcfAs, Menschen im Knast unterst\u00fctzen, Bildunsgarbeit &amp; Kindererziehung, Care-Arbeit nach Gewalterfahrungen usw.. Sich so einseitig immer wieder nur auf einige bestimmte Praxen zu beziehen, zeichnet ein falsches Bild davon, was wir alles machen und wovon wir auch mehr brauchen. Jede Aktionsform und politisches Mittel sollte immer als Teil eines Gr\u00f6\u00dferen gesehen werden. Demnach l\u00e4sst sich die Sinnhaftigkeit einer bestimmten Aktionsform auch nicht im Einzelnen ermessen.<\/p>\n<p>(1) https:\/\/interkiezionale.noblogs.org\/post\/2020\/08\/17\/01-08-2020-raus-aus-der-defensive-demo-taktische-auswertung\/<\/p>\n<p>(2) https:\/\/interkiezionale.noblogs.org\/post\/2020\/09\/01\/auswertung-der-syndikat-tag-x-sponti\/<\/p>\n<p>(3) https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/nach-der-krawall-demo-hat-die-polizei-94-strafverfahren-eingeleitet-li.111514<\/p>\n<p>(4) https:\/\/interkiezionale.noblogs.org\/post\/2020\/10\/16\/pressemitteilung-interkiezionale-tag-x-demonstration-am-9-oktober-war-ein-erfolg<\/p>\n<p>(5) Radio: https:\/\/www.aradio-berlin.org\/liebig34-live-berichte-zum-nachhoeren\/<\/p>\n<p>Fotos: https:\/\/umbruch-bildarchiv.org\/liebig-34-geraeumt\/<\/p>\n<p>Video: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qbpWtMD6c88<\/p>\n<p>International: pinknews.co.uk\/2020\/10\/09\/liebig34-eviction-police-anarchist-queer-feminist-squat-liebigstrasse-berlin\/<\/p>\n<p>\u2014<\/p>\n<p>Bereits erschienen Auswertungen<\/p>\n<p>(B) Solidarische Gr\u00fc\u00dfe und erste Gedanken zur Liebig34 R\u00e4umung<\/p>\n<p>https:\/\/de.indymedia.org\/node\/110666 (von der Meuterei)<\/p>\n<p>LIEBIG34 VERTEIDIGEN \u2013 Eine Chronik der R\u00e4umungswoche<\/p>\n<p>https:\/\/de.indymedia.org\/node\/109450<\/p>\n<p>Kommentierter Polizeibericht\/TagX+1 nach Liebig34-R\u00e4umung<\/p>\n<p>https:\/\/de.indymedia.org\/node\/108831<\/p>\n<p>Liebig-R\u00e4umung: Catering-Servivce aus AfD, GdP und Cem \u00d6zdemir<\/p>\n<p>lowerclassmag.com\/2020\/10\/11\/liebig-raeumung-catering-servivce-aus-afd-gdp-und-cem-oezdemir\/<\/p>\n<p>Nachklap Radiobeitrag am 12.10. zur Zukunft des Projekts<\/p>\n<p>\u201eWir sind so viel mehr als dieses Haus \u2013 wir sind Anarchist*innen, Feminist*innen, Queers und Antifaschist*innen\u201c<\/p>\n<p>https:\/\/rdl.de\/beitrag\/wir-sind-so-viel-mehr-als-dieses-haus-wir-sind-anarchistinnen-feministinnen-queers-und<\/p>\n<p>Fotos: https:\/\/umbruch-bildarchiv.org\/liebig-34-geraeumt\/<\/p>\n<p>Radiosendung: https:\/\/www.aradio-berlin.org\/liebig34-live-berichte-zum-nachhoeren\/<\/p>\n<p>und Morgenradio: https:\/\/rdl.de\/beitrag\/r-umung-der-liebig34-berlin<\/p>\n<p>Video Supernovamag: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qbpWtMD6c88<\/p>\n<p>Internationale Relevanz<\/p>\n<p>Germany Chaos<\/p>\n<p>https:\/\/www.express.co.uk\/news\/world\/1345697\/Germany-police-protest-violence-Liebig34-squat-protest-left-wing-latest-news<\/p>\n<p>Anarcho-queer-feminist housing project forcibly evicted after three decades by 1,500 police officers in riot gear<\/p>\n<p>pinknews.co.uk\/2020\/10\/09\/liebig34-eviction-police-anarchist-queer-feminist-squat-liebigstrasse-berlin\/<\/p>\n<p>Squatters kicked out of notorious building lived in since fall of Berlin Wall<\/p>\n<p>metro.co.uk\/2020\/10\/09\/squatters-kicked-out-of-notorious-building-lived-in-since-fall-of-berlin-wall-13396980\/<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"https:\/\/kontrapolis.info\/684\/\">Kontrapolis<\/a> (<a href=\"http:\/\/kontrpolioglnxrcdwwxfszih4pifyidfjgq4ktfdu6uh4nn35vjtuid.onion\/684\/\">Tor<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 9. Oktober 2020 Nach der Krawalldemonstration in der Nacht zum Sonntag gingen bei der Polizei zahlreiche Anzeigen wegen Sachbesch\u00e4digung ein. Polizeif\u00fchrer kritisiert Einsatztaktik. BerlinNach der Krawallnacht zum Sonnabend in Berlin-Mitte hat die Polizei zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Sachbesch\u00e4digung eingeleitet. Intern wird auch der Polizeieinsatz am sp\u00e4ten Freitagabend \u00fcberpr\u00fcft. 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