{"id":12863,"date":"2020-08-01T12:00:07","date_gmt":"2020-08-01T10:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=12863"},"modified":"2020-08-01T12:00:07","modified_gmt":"2020-08-01T10:00:07","slug":"steinwuerfe-und-barrikadenbau-bei-demo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=12863","title":{"rendered":"Steinw\u00fcrfe und Barrikadenbau bei Demo"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2020\/08\/foto1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-12868\" src=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2020\/08\/foto1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"><\/a>Berlin<\/strong>, 1. August 2020<\/p>\n<blockquote><p>Etwa 2500 Linksautonome demonstrierten im Schillerkiez gegen die drohende R\u00e4umung der linken Szene-Kneipe \u201eSyndikat\u201c.<br \/>\nDer Aufzug war unter dem Motto \u201eGegen R\u00e4umungen, Abschiebungen &amp; Faschisierung\u201c mit 400 Personen angemeldet. Kurz nach Beginn wuchs er auf 2500 Personen an. An der Hermann-, Ecke Flughafenstra\u00dfe griffen die Demonstranten laut Polizei unvermittelt die Polizisten an und bewarfen sie mit Steinen. \u201eDabei umzingelten sie auch Einsatzkr\u00e4fte, die zur Verkehrsregelung eingesetzt waren und bewarfen diese mit Steinen\u201c, sagte ein Polizeisprecher. Eine Polizistin sei von einer vermummten Personengruppe verfolgt und mit Gegenst\u00e4nden beworfen worden.<\/p>\n<p>Bei diesem Angriff wurden drei Polizeibeamtinnen und -beamte leicht verletzt, sie mussten ihren Dienst abbrechen. Zwei Polizeiautos wurden demoliert. Die vermummten Randalierer brannten Pyrotechnik ab, zogen Baustellenabsperrungen auf die Fahrbahn und besch\u00e4digten ein Parteib\u00fcro in der Hermannstra\u00dfe.<!--more--> Als Polizeiverst\u00e4rkung anr\u00fcckte, teilte sich der Aufzug und zog sich in die Hermannstra\u00dfe und den Schillerkiez zur\u00fcck. Die Versammlungsleitung hatte zwischenzeitlich den Aufzug beendet. Die Bilanz: mehrere verletzte Polizisten, von denen drei in ein Krankenhaus kamen, da sie unter anderem Verletzungen durch Glassplitter im Gesicht hatten. Mehrere mutma\u00dfliche Randalierer wurden festgenommen. Auch in Prenzlauer Berg gab es am sp\u00e4ten Abend noch Randale.<\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Abend gingen die Proteste in Prenzlauer Berg weiter. Gegen 23 Uhr versammelten 200 Personen zu einer nicht angemeldeten Demo von der W\u00f6rther Stra\u00dfe zum Senefelder Platz. Auch dort brachten Demonstranten Hindernisse auf die Fahrbahn und bewarfen die Polizisten mit Steinen. Die Polizei nahm drei Personen fest. Anschlie\u00dfend teilten sich die Demonstranten in kleinere Gruppen auf und entfernten sich in verschiedene Richtungen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/linksautonome-randalieren-in-neukoelln-und-prenzlauer-berg-li.96462\">Berliner Zeitung<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- Here be dragons but no images. -->\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>++++++ ENGLISH VERSION BELOW +++++++<\/p>\n<p>Als Interkiezionale-B\u00fcndnis machen wir mit diesem Text eine erste Auswertung der Demo am 01.08.2020. Diese beschr\u00e4nkt sich auf die Taktik einer offensiven Demokultur in Berlin. Dies bedeutet nicht, dass Taktik das einzige ist, woran sich der Erfolg einer Demo messen l\u00e4sst, noch, dass allein offensive Demos unsere Strategie darstellen. Wir wollen die angeschnittenen Themen mit euch weiter reflektieren und diskutieren, um unsere Strategien weiterzuentwickeln und die Bewegung zu st\u00e4rken.<br \/>\nDie Auswertung fand vor der R\u00e4umung des Syndikats statt und wird darauf nicht Bezug nehmen. Eine Auswertung der Geschehnisse nach dem 01.08. folgt in einem separaten Text in den kommenden Tagen.<\/p>\n<p>Als Organisator_innen der \u00bbRaus aus der Defensive\u00ab Demo vom 01. 08.2020 sehen wir die Demo und die Spontandemonstration am Abend als einen Erfolg. Die Erwartungen waren hoch angesetzt mit einem offensiven Slogan. Wir haben gemeinsam das Motto umgesetzt, sind &#8220;raus aus der Defensive&#8221; gekommen und haben einen kraftvollen, kollektiven Schritt gegen zuk\u00fcnftige R\u00e4umungsversuche unternommen. Wir hoffen, dass dieser Tag mobilisierend auf die kommenden Wochen, Demos und Aktionen wirkt.<br \/>\nAuch wenn in Berlin viele Menschen politisch aktiv sind, meinen wir, dass es an kollektiven widerst\u00e4ndigen Momenten fehlt. Gemeinsam mit den offensiven Momenten der letzten Zeit haben wir am 01.08. mit dem Bild von einem passiven Berlin gebrochen: z.B. die Interkiezionale Demo am 02.11.2019, die etlichen Besetzungen, die George-Floyd-Sponti, die Sponti in Friedrichshain f\u00fcr die Liebig34 &amp; Rigaer94 und nun diese Demo zeigen, dass wir kollektiv militant sein k\u00f6nnen. Momente, in denen wir unsere K\u00e4mpfe kollektivieren sind Momente, in denen wir tats\u00e4chlich gef\u00e4hrlich f\u00fcr den Staat und das Kapital werden. Es sind Momente wie die am 01.08., die uns zeigen, dass unsere St\u00e4rke darin liegt, gemeinsam zu k\u00e4mpfen. Lasst uns daher aus unseren Fehlern lernen und uns von unserem Potential ermutigen.<\/p>\n<p>Was ist passiert?<br \/>\nAm 01.08. fand unter dem Motto &#8220;Raus aus der Defensive&#8221; eine Demonstration in Berlin-Neuk\u00f6lln in Solidarit\u00e4t mit bedrohten Projekten statt. Etwa 2500 Menschen sammelten sich am Startpunkt. Nach Redebeitr\u00e4gen und der Ank\u00fcndigung, sich im Falle der Aufl\u00f6sung um 23 Uhr im Prenzlauer Berg wiederzutreffen, startete die Demo z\u00fcgig um 20:20 Uhr vom Herrfurthplatz. Von Beginn an hatte die Demo einen kraftvollen Charakter.<br \/>\nDie Demo formierte sich schnell. An der Ecke Weisestr-\/ Herrfurthstr. gab es einen Bannerdrop und eine Pyroshow. Mit einem schnellen Rhythmus, lauten Parolen, Pyro und Rauchschwaden bewegte sich die Demo Richtung Hermannstra\u00dfe. Trotz der sichtbaren Polizeipr\u00e4senz kreierte die Demo eine Atmosph\u00e4re von Solidarit\u00e4t und Entschlossenheit.<br \/>\nLinks abbiegend auf die Mainzerstra\u00dfe, wo die Cops das Jobcenter sch\u00fctzten, fand eine erste Konfrontation statt. Menschen lie\u00dfen es sich nicht nehmen, das Geb\u00e4ude und die Cops anzugehen. Menschen z\u00fcndeten weiterhin Pyro und riefen Parolen, viele hatten Transpis und Schirme dabei, um die Demo vor Angriffen zu sch\u00fctzen.<br \/>\nAn der Ecke Hermann-\/Flughafenstr. wurde dann ein neuer Luxusbau mit Farbbeutel beschmissen. W\u00e4hrend der Frontblock die Flughafenstra\u00dfe runter lief, griffen die Cops die Demomitte an. Gr\u00f6\u00dftenteils ungesch\u00fctzt durch fehlende Seitentranspis lie\u00df sich die Demo in zwei Teile teilen. Menschen dr\u00e4ngten sich an die Seiten der Kreuzung und der zuvor kompakte Demozug l\u00f6ste sich auf. Einige Menschen verteidigten sich gegen die Angriffe der Cops und versuchten trotz Pfeffer die Demo Masse wieder zu strukturieren, Schutz mit Transpis und Schirmen aufrechtzuerhalten und ein Weiterlaufen zu erm\u00f6glichen, was ihnen nicht gelang. Die Cops trieben Menschen mehr und mehr in Richtung Hermannstra\u00dfe und Columbiadamm. W\u00e4hrend einige in Panik gerieten und weg rannten, nutzten andere das entstandene Chaos f\u00fcr weitere Aktionen. Da sich der gr\u00f6\u00dfte Teil der Demo nun Richtung Columbiadamm bewegte, l\u00f6ste sich die Demo mehr und mehr auf.<br \/>\nVon dort lief die gr\u00f6\u00dfte Masse in Richtung Schillerkiez. W\u00e4hrend sich einige treiben lie\u00dfen, versuchten andere, Barrikaden zu bauen, um sich die Stra\u00dfe zur\u00fcck zu nehmen. Durch den Kiez laufend gelang die Masse zur\u00fcck auf die Hermannstra\u00dfe, wo das B\u00fcro der SPD mit Steinen attackiert wurde. Mit steigender Polizeipr\u00e4senz und einem Helikopter nun \u00fcber Neuk\u00f6lln schwirrend l\u00f6ste sich die Masse auf und verschwand in den umliegenden Kiezen. Die Verabredung sich um 23 Uhr im Prenzlauer Berg zu treffen, r\u00fcckte ohnehin immer n\u00e4her.<\/p>\n<p>Reflektion<br \/>\na) Demo-Struktur &amp; -Orga<br \/>\nWir m\u00fcssen selbstkritisch zugeben, dass wir unser Vorhaben p\u00fcnktlich loszugehen, im Vorhinein nicht kommmuniziert haben. Da wir es gew\u00f6hnt sind, dass Demos mit gro\u00dfer Versp\u00e4tung losgehen, waren viele davon \u00fcberrascht oder kamen zu sp\u00e4t. Generell halten wir es f\u00fcr sinnvoll, nicht zu sp\u00e4t los zu gehen, da langes Warten eine tr\u00e4ge Stimmung erzeugen kann.<br \/>\nZudem gab es \u00fcbliche Kommunikationsprobleme, da die Megaphone bei weitem nicht laut genug waren, um alle in der Demo zu erreichen. Nichtdestotrotz halten wir Megaphone f\u00fcr eine bessere Wahl als einen Lautsprecherwagen. Die Megaphone erm\u00f6glichen eine mobile Kommunikationsstruktur &#8211; eine Heransgehensweise die in anderen Kontexten (wie Ende Gel\u00e4nde) l\u00e4ngst etabliert ist und die wir auch im st\u00e4dtischen Raum ausbauen sollten.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Demogeschwindigkeit war es ein Problem, dass die Demo \u00fcber die gesamte Route sehr schnell war. Einerseits lie\u00df der schnelle Start den Cops keine Gelegenheit die Demo gut zu kontrollieren, andererseits hatten es Menschen schwer Schritt zu halten. Dies f\u00fchrte zu L\u00fccken in die Demo mit der Konsequenz, dass Menschen weniger gesch\u00fctzt waren oder weniger Schutz bieten konnten als eine strukturierte Demo. Auch lie\u00df das Tempo wenig Zeit f\u00fcr andere Sachen (Schluck Wasser trinken, Schuh zubinden, etc&#8230;).<br \/>\nStattdessen h\u00e4tte die Demo mit mehr Selbstsicherheit und weniger Hektik agieren k\u00f6nnen. Es w\u00e4re m\u00f6glich gewesen im Schillerkiez langsam zu starten, Geschwindigkeit aufzunehmen (z.B. nach den ersten Angriffen) und auch langsamer zu werden wenn L\u00fccken zu schlie\u00dfen sind. Es sollte nicht allein die Demorga sein, die das Tempo bestimmt indem durch Melder_innen auf der Demo und interner Struktur L\u00fccken gemeldet werden. Auch beim Tempo kann, wie es aus anderen Kontexten und L\u00e4ndern bekannt ist, auf Handzeichen zur\u00fcckgegriffen werden, die alle kennen. So ist unser agieren anti-hierarchischer und Verantwortung mehr verteilt.<\/p>\n<p>Zum ersten Ziel auf der Route wurde das JobCenter, welches am Anfang der Route liegt. So startete die Eskalation sehr fr\u00fch. Im Nachhinein denken wir, dass es durch eine fr\u00fche Eskalation keine M\u00f6glichkeit gab, das Eskalationslevel langsam zu steigern was potentiell mehr Menschen h\u00e4tte einbinden k\u00f6nnen. Es h\u00e4tte von vorneherein eine andere Route angesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Teile der Route hielten unterschiedlich viel Potential, um unsere inhaltliche Kritik an Orten der kapitalistischen und staatlichen Unterdr\u00fcckung zu \u00e4u\u00dfern. Ungl\u00fccklicherweise liefen Menschen nach der Aufl\u00f6sung in Richtungen, die taktisch ungeeignet waren (Columbiadamm\/ Schillerkiez). W\u00e4hrend der Schillerkiez wie eine gro\u00dfe Sackgasse aufgebaut ist, besteht er auch \u00fcberwiegend aus Wohnh\u00e4usern. Auch der Columbiadamm ist eine lange gerade und leere Stra\u00dfe. Es ist durchaus m\u00f6glich, dass die Cops bereits mit der Aufl\u00f6sung versuchten, die Masse davon abzuhalten, sich in bestimmte Richtungen zu bewegen. So oder so, gelang es der Struktur nicht, die Demo in Richtung der geplanten Route zu lenken. Hier braucht es vielleicht weiterf\u00fchrende Diskussion \u00fcber das Out-of-Control Konzept, denn Out-of-Control sollte nicht hei\u00dfen, planlos zu agieren.<\/p>\n<p>Insgesamt wissen wir von 7 Festnahmen auf der Demo. Im Umfeld der Spontandemonstration in Prenzlauer Berg h\u00f6rten wir von mindestens 12 Personenkontrollen und 3 Festnahmen. Alle Festgenommenen (von denen wir wissen) waren am n\u00e4chsten Morgen wieder aus der Gesa. Sch\u00f6n ist, dass einige Festnahmen aufgrund des Kontrollverlusts der Polizei abgebrochen werden mussten oder nicht durchgef\u00fchrt werden konnten. F\u00fcr das Level an Eskalation gab es unserer Meinung nach wenige Festnahmen. Das verdeutlicht mal wieder, dass die Anzahl an Festnahmen h\u00e4ufig geringer ist auf offensiven Demos. Hier zeigt sich ein erster Kontrollverlust der Polizei.<br \/>\nWir entschuldigen uns daf\u00fcr, dass einige Menschen alleine waren als sie aus der GeSa kamen. Die Verantwortung f\u00fcr den fehlenden Gefangenen-Support liegt nicht beim EA Berlin, sondern bei uns, den Organisator_innen der Demo.<\/p>\n<p>b) Allgemeine Demokultur<br \/>\nDurch unsere Reaktionen auf der Demo wurde deutlich, dass wir Angst vor den Cops verinnerlicht haben. Ein Beispiel ist, dass sich Menschen an der Ecke Flughafen\/ Hermannstra\u00dfe an die Seiten dr\u00e4ngten obwohl zu Anfang nicht viele Cops da waren. Das hatte zur Folge, dass organisierte Reihen alleine da standen und Menschen die das Luxusloft angriffen ungesch\u00fctzt auf der Kreuzung standen. Wir hatten den Eindruck, dass viele Menschen panisch wurden und einige Menschen noch mehr Panik erzeugten in dem sie riefen, dass Menschen rennen sollten. Die meisten folgten dieser Dynamik und lie\u00dfen sich von den Cops jagen. Wir k\u00f6nnen nicht bewerten, ob es in diesem Moment notwendig war zu rennen, aber wollen unsere allgemeine Angst vor Cops in Frage stellen. Wir meinen, dass die Bewegung sich mehr Selbstbewusstein im Umgang mit Cops aneignen muss, um sie zum Beispiel in organisierten Reihen zu blockieren und Angriffen wie denen am 01.08. nicht wehrlos ausgesetzt zu sein.<br \/>\nDie Cops haben sich weder schlau verhalten noch waren sie zu Beginn viele. Obwohl es Momente gab, in denen wir ihnen zahlenm\u00e4\u00dfig weit \u00fcberlegen waren, lie\u00dfen sich viele Menschen von Gerenne und wild umherfahrenden Wannen wegjagen. Hier k\u00f6nnten wir lernen, Ruhe zu bewahren. Wir denken, dass es sinnvoll ist, als Einzelpersonen zu lernen, in Stressmomenten wie solchen einen Blick f\u00fcr das Ganze\/ Andere und nicht allein f\u00fcr sich selbst zu haben. Wir sollten unser kollektives Handeln weiter trainieren (Aktionstrainings) da wir Demos als gute M\u00f6glichkeit sehen, unsere Wut gemeinsam auszurd\u00fccken.<\/p>\n<p>c) Prenzlauer Berg Sponti (Plan B) &#8211; was ist passiert &amp; wie bewerten wir Plan B<br \/>\nW\u00e4hrend der Demo in Neuk\u00f6llen wurde angesagt, dass wir uns um 23 Uhr im Prenzlauer Berg treffen, f\u00fcr den Fall, dass wir in Neuk\u00f6lln nicht so laufen k\u00f6nnen wie wir es wollen. Die Ortswahl war nicht zuf\u00e4llig. Der gew\u00e4hlte Kiez ist einer der meist gentrifizierten Gebiete Berlins und beherbergt viele Immobilienb\u00fcros, Luxubauten und \u00fcberteuerte Gesch\u00e4fte.<br \/>\nDie Sponti vom Kollwitzplatz zum Senefelderplatz hinterlie\u00df einige zerst\u00f6rte Scheiben. Doch war die eingeschlagene Route nicht ideal. Auch hier war eine andere Route geplant. Aufgrund der Situation am Kollwitzplatz nach dem Auftauchen zweier Wannen und einer Zivikarre, versuchte sich jedoch die Masse aufzul\u00f6sen bewegte sich kollektiv in eine ungeplante Richtung. Schlussendlich wurde aus diesem Aufl\u00f6sungsversuch der Start der Sponti. Am Senefelderplatz fuhren zwei weitere Wannen an und Bullen sprangen heraus was zur Aufl\u00f6sung f\u00fchrte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft m\u00f6chten wir gerne an der Idee des Plan B weiterarbeiten, da wir selbstbestimmt protestieren wollen. Ein Plan B kann entweder als Drohung an die Cops wirken um uns laufen zu lassen oder aber sicherstellen, dass es mindestens bei einem Plan B zu widerst\u00e4ndigen kollektiven Momenten auf der Stra\u00dfe kommt.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Punkt in unserer bisherigen Reflektion war die unzureichende Kommunikation dar\u00fcber wann und ob Plan B (die Sponti) stattfinden w\u00fcrde. \u00d6ffentliche Kommunikation in solch einer Situation ist generell kompliziert und bringt uns stets in die Zwickm\u00fchle zwischen gro\u00dfen Aktionen die nicht ausschlie\u00dfend sind und in denen wir gemeinsam stark sein k\u00f6nnen und der durch die Aufmerksamkeit erh\u00f6hten Polizeipr\u00e4senz. Uns ist es wichtig, Aktionen zu planen, die \u00f6ffentlich angeworben werden k\u00f6nnen, damit mehr Menschen daran teilnehmen k\u00f6nnen und es einfacher ist zu Aktionen dazu zu sto\u00dfen, auch weil eins sich vorher schon mit der Gegend oder der Route vertraut machen kann. Gleichzeitig ist die erh\u00f6hte Coppr\u00e4senz durch \u00f6ffentliche Mobilisierung eine H\u00fcrde. Das Konzept, dass am 01.08. gefahren wurde, sollte einen Mittelweg gehen in dem nur ein Stadtteil, aber nicht der genaue Treffpunkt, \u00f6ffentlich kommuniziert wurde. Die Diskussion \u00fcber die Mobilisierung zu spontanen, unangemeldeten Demos (Spontis) wird in unserer Auswertung zur Syndikat-Tag X- Sponti fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Auch mussten wir feststellen, dass Plan B offensichtlich nicht als Androhung wirkte, um die Cops davon abzuhalten uns anzugreifen und die Demo zu zerschlagen. Es war trotzdem wichtig, dass wir unserer Androhung einer sp\u00e4teren Sponti nachkamen. Falls wir an dem Bedrohungspotenzial festhalten wollen, sollten wir Androhungen in Zukunft fr\u00fcher, lauter und direkter an die Verantwortlichen gerichtet formulieren.<\/p>\n<p>Der letzte Punkt auf den wir eingehen wollen bez\u00fcglich Plan B ist, dass wir uns trotz Polizeipr\u00e4senz zu einer Sponti formierten und liefen. Wir denken, dass das ein wichtiger Schritt f\u00fcr uns war. Es ist schade, dass die Demoroute darunter litt, dass wir zu Anfang von den Cops weg liefen. Wir wollen Menschen nat\u00fcrlich die Angst vor Repression nicht absprechen, doch meinen wir im allgemeinen, dass wir in den richtigen Momenten keine Angst vor Cops haben m\u00fcssen. Deswegen glauben wir, dass wir uns aktuell wirklich in die Offensive bewegen. Die Sponti war ein weiterer Schritt um Angst und Ohmacht hinter uns zu lassen. Wir wollen noch mehr kollektive Aktionen, mehr Selbstbewusstsein, mehr Missachtung und mehr Wut gegen das System im allgemeinen und die pr\u00fcgelw\u00fctigen Cops im speziellen. Wir freuen uns \u00fcber einen Austausch und Erfahrungen zur Demokultur in denen sich unsere gemeinsame St\u00e4rke entfalten kann.<\/p>\n<p>Vorschau<br \/>\nMit der kraftvollen Demo sowie der w\u00fctenden Sponti als Reaktion sind wir auf einem guten Weg in die Offensive zu kommen. Wie wir bereits am Anfang sagten, sind die Punkte in diesem Text erste Ideen die wir gerne mit euch weiter diskutieren w\u00fcrden. Wir freuen uns \u00fcber digitales Feedback aber wollen in der Zukunft auch andere R\u00e4ume f\u00fcr Austausch schaffen. Wir wollen weiter an unserer Strategie feilen und uns an gr\u00f6\u00dferen Diskussionen bez\u00fcglich Organisierung von kraftvollen Demos und Demokultur beteiligen.<\/p>\n<p>Die Demo war ein starkes Signal und wir wollen alle R\u00e4umungsversuche zu einem Desaster machen. Im Falle von R\u00e4umungen wollen wir mit Demos und Spontis den Preis in die H\u00f6he treiben. Neben den Aktionen zu Tag X wird es in der Woche vom 7.-13. September eine feministische Aktionswoche geben, in der auch eine weitere Interkiezionale Demo stattfindet.<\/p>\n<p>+++++ ENGLISH VERSION ++++++<\/p>\n<p>As Interkiezionale we offer with this text a first evaluation of the demo of 1st August 2020. This evaluation only concerns the tactics of an offensive demo culture. That does not mean, that the success of a demo can only be measures by tactics or that our strategy only consist of offensive demos. We want to further reflect with you on the points brought up in this text, to work on our strategy and strengthen the movement.<\/p>\n<p>As organisers of the \u201cOut of the defense\u201d demo on 1st August, we see the demonstration and the Sponti that took place in the evening as a success. The expectations we put high with an offensive slogan. Together we made the slogan come real, we came out of the defensive and took a powerful collective step against upcoming evictions. We hope that the demo has a mobilising effect on the upcoming weeks, demonstrations and actions.<br \/>\nDespite the fact that there are many politically active people in Berlin, we are recognise a lack of collective offensive moments. Together with other offensive moments in recent times, we manages on the 1st august to \u201cbreak\u201d again the image of a passive Berlin: i.e. the Interkiezionale Demo on the 02.11.19, the many occupations, the George Floyd-sponti, the sponti for Liebig34 &amp; Rigeaer94 recently, and now the demo showed, that we can do militant collective actions. These moments in which we collectivize our struggles are moments in which we actually become a threat to the state and the capital. It is moments like those on 1st August show us, that our strength lies in fighting collectivly. Let us learn from our mistakes and be encouraged by our potential.<\/p>\n<p>What happened?<br \/>\nOn the 1st of August a demonstration in solidarity with the threatened projects took place in Berlin-Neuk\u00f6lln, under the slogan of \u201cRaus aus der Defensive\u201d. Around 2500 people started gathering at the starting point of the demo. After some speeches and the announcement to gather at 11pm in Prenzlauer Berg in case of dissolution the demo started at 8.20pm from Herrfurthplatz revealing from the first moment a powerful character.<br \/>\nThe crowd quickly gathered. At the corner of Weise- and Kienitzerstra\u00dfe a banner drop and pyroshow took place. With a fast rhythm the demonstration headed towards Hermannstra\u00dfe shouting paroles and lighting pyro and smoke. Despite the visible police presence, the dynamic in the demo created an atmosphere of solidarity and decisiveness.<br \/>\nTurning left at Mainzer Stra\u00dfe, where the cops were guarding the JobCenter a first confrontation took place. People attacked the building and the cops. People continued to shout paroles and light pyro and many carried banners and umbrellas to protect the demo.<br \/>\nAt the corner of Hermann- and Flughafenstra\u00dfe a luxury building was attacked with paint and stones. While the first rows were heading down Flughafenstra\u00dfe, police made an attack in the middle of the demo. Unprotected by a lack of banners the demo split into two parts. People spread to the edges of the crossing and the firm demo body dispersed. Some people defended themselves against the attacks by the cops and attempted despite pepper spray, to restructure the demo. Keeping up banners and umbrellas for protection and walking in rows nonetheless did not succeed in making the demo walk further.<br \/>\nThe cops were chasing people more and more in direction of Hermannstra\u00dfe and Columbiadamm. While some panicked and ran off, others used the chaos for further actions. Since the biggest part of the demo was moving in the direction of Columbiadamm, the demo was dispersing more and more.<br \/>\nFrom there, the crowds moved into Schillerkiez. While some were carried along, other tried to built barricades to take back the streets. Moving through the Kiez, the crowd managed to reach Hermannstra\u00dfe again, where the party office of SPD was attacked.<br \/>\nWith increasing police presences and the helicopter buzzing over Neuk\u00f6lln, des crows dispersed into the neighbouring streets. The date to meet again in Prenzlauer Berg at 11pm was coming closer.<\/p>\n<p>Reflection<br \/>\na) Demo structure &amp; organisation<br \/>\nWe have to critically reflect that we did not manage to publish in advance, that we want to start on time. We are used to demostrations in Berlin starting with a big delay, which is why many were surprised and some came to late to the demo. Generally, we think it makes sense however to start on time as long waiting can create a lethargic mood.<br \/>\nAlso we had the usual issues with megaphones, as they were not loud enough to bea heard by all people. Nonetheless, we think that megaphones are a better tool than sound trucks. They enable a mobile communication \u2013 an approach that has been long established in other context (Ende Gel\u00e4nde) which we think is worth establishing here too.<br \/>\nRegarding the speed of the demonstration, it was a problem that the front block walked all the way very fast. While the fast start did not leave the cops much space for controlling the demo, it was hard to keep up with the demo. This led to gaps in the demonstration with the consequence, that people were less protected or could offer less protection. The speed also left no time for other things (drinking some water, tiing your shoes, &#8230;)<br \/>\ninstead, the demo could have started with confidence and less hectic. It was possible to start slowly in Schillerkiez and only take up speed after the first confrontation and slow down when there are gaps. It should also not be the only the demo-orga which dictated the speed through information by runners and internal communication informing about gaps. Als known from other countries and contexts is the working with hand sings to communicate and control the demo speed among all. That way we can work anti-hierarchically and spread responsibility.<\/p>\n<p>The first target was the jobcentre, which is loocated at the start of the route. That way, the escalation started really early. In hindsight, we think, that the early escalation did not allow for a smooth increase of escalation which might have allowed more people to participate. We could have from the start planned the route differently.<\/p>\n<p>Different parts of the route offered a different potential to show our critique of capitalist and state oppression. Unfortunately, people ran into tactically unsuitable directions (Columbiadamm\/ Schillerkiez). While Schillerkiez is a big dead-end, it is mostly a residential area. Columbiadamm is a long empty street. It is actually possible, that while smashing the demonstration, already attempted to prevent the crowd from running into certain areas. Either way, the demo structure did not manage to steer the demo back into the planned direction. Here it might be useful to also discuss the ideaa of out-of-control again, which should not mean to act unplanned.<\/p>\n<p>Overall we know of 7 arrests during the demo. In the surrounding of the spontaneous demonstration in Prenzlauer Berg, we heard of a minimum of 12 identity controls and 3 arrests. All arrested people had left the detention centre by the next morning. We were happy to hear that some arrests had to be stopped or could not be made due to the cops being overwhelmed. For the level of escalation, there was a low amount of arrests. It again shows, that often there are less arrests when there is more confrontation. This also proofs of a loss of control by the police.<br \/>\nWe apologise by those people who were left alone when coming out of detention. The responsibility of the lack of prison support does not lie with the EA Berlin but with us, the organisers of the demo.<\/p>\n<p>b) General demo culture:<br \/>\nThrough our reactions on the demonstration is became clear, that we have internalised a fear of cops. The exmaple at the corner of Flughafen-\/Hermannstra\u00dfe when people spread to the sides of the crossing even though not many cops were present. The spreading out led to organised rows being left alone and people attacking the lofts being unprotected. Our impression was, that many people panicked and some pushed the panic even more by shouting at others to run. Most people followed this dynamic and let themselves be chased by the cops. We cannot evaluate if it was necessary to run in this moment. Rather however, we want to question generally our fear of cops. We thank that the movement has to gain confidence in dealing with cops, for example by forming organised rows to block them and not be at the mercy of the cop\u2019s attacking is without defending oursleves.<br \/>\nNeither did the cops act smart, not were there many of them. Even though we we outnumbered them in many situations, many people let themselves be chased by running cops and cop cars driving like crazy. Here we should learn to stay calm. We think it is useful for indviduals to learn in moment of stress, to keep the view of the whole of the demo\/ others and not just focus on oneself. We should work on our collective acting (in action trainings) as demonstrations are a good possibility to express our angercollectively.<\/p>\n<p>c) Prenzlauer Berg Sponti (Plan B)<br \/>\nDuring the demo in Neuk\u00f6lln it was announced, that we want to meet again at 11pm in Prenzlauer Berg in case the demo is dispersed. The choice of place was not arbitrary, as this area is one of the most gentrified in Berlin, hosting real estate offices, luxury apartments and overpriced shops.<br \/>\nThe sponti from Kollwitzplatz to Senefelderplatz left behinde some broken windows. However the taken route was to ideal. Here also, another route was planed. Due to the situation at Kollwitzplatz, with two cop vans and civil cops, the crowd spread out moving into an unplanned direction. In the end, this opportunity was taken to start the Sponti. At Senefelderplatz two more cop vans arrived, cops jumped out and the sponti dispersed.<br \/>\nIn the future we want to contnue working with a Plan B as we want to walk autonomously. A plan B can work as a threat to the cops to let a demonstration take place or ensure, that at least during the plan B we can have offensive collective moments on the streets.<\/p>\n<p>An important point in our reflection was the lack of communicating when and if plan B is taking place. Public communication in such situations is generally tricky as we are stuck between bigger mobilised actions which are not exclusive and in which we can be strong together and and increased police presence due topublic information. For us it is important to plan actions publicly, so that more people can participate and can prepare themselves for the action and the area. At the same time increased cop presence is a barrier to our protest. The concept on the 1st August tried to go the middle way by only publicly announcing the district but not the exact starting point. Our discussion about mobilising for and spontaneous, unregistered demonstration (Sponti) will be contnued in our text on the Syndikat-Sponti.<\/p>\n<p>Also we have to admit, that the plan B did not work as a threat to the cops, to keep them from attacking the demonstration. Nontheless, it was important that we followed up on our announcement. If we want to keep working on this potential threat, we have to communicate it earlier, louder and more directly to those responsible.<\/p>\n<p>The last point we want to mention regarding plane B is, that we walked despite the cops being present. We think that this was an important step. It is unfortunate, that the sponti route suffered under our initial panic. Of course we do not want to deny people\u2019s fear of repression. Generally however, we think it is not necessary to be afraid of the cops in the right moments. That is why we believe, that we are really coming out of the defensive. The sponti was another step in loosing our fear and powerlessness. We want more collective actions, more confidence, more disregard, and more anger against this system and the eager cops. We welcome an exchange and experiences about democulture in which our collective strength enfolds.<\/p>\n<p>Preview<br \/>\nWith this powerful demonstration and the angry spontaneous demonstration as a reaction we think we are on a good way to come out of the defense. As we stated at the beginning, the are first points of a tactical reflection. We appreciate for digital feedback but also want to open other spaces for exchange. We want to reflect on our strategy and take part in bigger discussions on powerful demonstrations and demo culture.<\/p>\n<p>The demo was a strong signal and we want to turn all eviction attempts into a desaster. In case of evictions we want to come together for demonstrations or spontis. Aside from actions on day X a feminist action week will take place from 7th-13th September, with the another Interkiezionale Demo.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"https:\/\/geistige-gefaehrdungen.net\/node\/1597671765356224\">geistige-gefaehrdungen.net<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 1. August 2020 Etwa 2500 Linksautonome demonstrierten im Schillerkiez gegen die drohende R\u00e4umung der linken Szene-Kneipe \u201eSyndikat\u201c. Der Aufzug war unter dem Motto \u201eGegen R\u00e4umungen, Abschiebungen &amp; Faschisierung\u201c mit 400 Personen angemeldet. Kurz nach Beginn wuchs er auf 2500 Personen an. 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