{"id":12683,"date":"2020-07-06T00:00:55","date_gmt":"2020-07-05T22:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=12683"},"modified":"2020-07-06T00:00:55","modified_gmt":"2020-07-05T22:00:55","slug":"trafostation-auf-baustelle-angezuendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=12683","title":{"rendered":"Trafostation auf Baustelle angez\u00fcndet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin<\/strong>, 6. Juli 2020<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben in der Nacht auf Montag den 6. Juli in der Prinzenstra\u00dfe in Kreuzberg mittels Brands\u00e4tzen eine Trafostation angez\u00fcndet um so die Stromzufuhr f\u00fcr die dortigen Baustellen der Pandion AG zu kappen.<\/p>\n<p>\u201eAlle 20 Stunden wird hier ein StartUp gegr\u00fcndet. Tausende Arbeitspl\u00e4tze entstehen und mit ihnen jeden Tag ein St\u00fcck Zukunft. [\u2026] Mittendrin: Kreuzberg, die kreative Zentrale Berlins, ein Magnet f\u00fcr kluge und kreative K\u00f6pfe aus der ganzen Welt. Rund um den Moritzplatz brummt die Digitalindustrie, sprudeln Ideen und entstehen Erfolgsgeschichten. [\u2026] Heute trifft sich hier die internationale Business-Avantgarde.\u201c (Pandion AG)<!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr all jene die hier bereits gek\u00fcndigt, ger\u00e4umt, ihrer Existenzgrundlage beraubt und ihrem soziale Umfeld entrissen wurden, oder die Monat f\u00fcr Monat von der Sorge geplagt werden wie sie die n\u00e4chste Mieterh\u00f6hung stemmen sollen, klingen diese Worte welche die Bauprojekte der Pandion AG am Moritzplatz bewerben wie Spott und Hohn. Mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit ist das den Planer*innen solcher Projekte aber auch schei\u00df egal. Schlie\u00dflich sind sie ohnehin nur ein R\u00e4dchen in einem System das der Logik des Kapitals folgend nach Wachstum und Profit strebt und denken als einzelne keine Verantwortung zu tragen. Sicher sind sie auch \u00fcberzeugt davon, dass sie es sich hart verdient haben auf der Gewinner*innenseite zu stehen. Denn wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: jeder ist seines Gl\u00fcckes Schmied. Das die Ausgangsbedingungen und M\u00f6glichkeiten dabei sehr ungleich verteilt sind, interessiert die smarte Elite nicht. Und dass da, wo auf der einen Seite \u201eErfolgsgeschichten\u201c geschrieben werden, am anderen Ende individuelle Schicksale die von Armut, Ausschluss und Vereinzelung gekennzeichnet sind, zur\u00fcck bleiben, ist dann h\u00f6chstens ein kleiner Sch\u00f6nheitsfehler der den strahlenden Glasfassaden der neuen digitalen Welt wohl kaum den Glanz rauben wird.<\/p>\n<p>Wir werden jedoch niemals bereit sein, mit einer solchen Sicht auf die Dinge unseren Frieden zu schlie\u00dfen. Auch wenn der Blick aus dem Fenster einen fast erschl\u00e4gt. Die Stadt der Reichen ist allgegenw\u00e4rtig und droht St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck auch noch die letzten menschlichen Zuckungen, die sichtbar sind, unter dem Beton des Fortschritts zu begraben. Aber weil uns Ignoranz und Konkurrenz, Karriere und das Rennen im Hamsterrad als keine vern\u00fcnftige Optionen erscheinen, w\u00e4hlen wir lieber Lunte und Benzinkanister. Bevor wir im Angesicht der Ohnmacht resignieren, machen wir uns unerm\u00fcdlich daran, diese Welt in Flammen zu setzen. Und weil bekanntlich Beton nicht brennt, geben wir uns vorerst mit einer Trafostation, welche diese Baustellen f\u00fcr die Business-Avantgarde der Zukunft mit Strom versorgen zufrieden. Leider blieb es uns nicht verg\u00f6nnt dem Feuerchen beizuwohnen und die Pressestelle der Bullen schweigt dazu. Dass sich an dieser Stelle wo wir unsere Brands\u00e4tze platziert haben seither eine eingez\u00e4unte Baustelle befindet, k\u00f6nnte jedoch als Indiz f\u00fcr das Gelingen unseres Handelns gedeutet werden. Auf das dieser Angriff die Sch\u00f6pfer*innen des Kreuzberg-Valley daran erinnert, dass ihr Tun mit ein bisschen Kreativit\u00e4t und Entschlossenheit jederzeit gest\u00f6rt und unterbrochen werden kann.<\/p>\n<p>Diejenigen, die die Schnauze voll haben m\u00fcssen sich nur finden und zusammenschlie\u00dfen. Die anstehenden R\u00e4umungen von Projekten und Arbeits-Kollektiven, aber auch die nach dem Wegfalls des Corona-bedingten, vor\u00fcbergehenden R\u00e4umungsstopps zu erwartende Flut an K\u00fcndigungen, w\u00e4ren daf\u00fcr sicher geeignete Anl\u00e4sse. Dabei sollten wir keinerlei Hoffnung in den vorgegebenen Rahmen staatlich legitimierten Protests setzen, sondern vielmehr auf die M\u00f6glichkeit von selbstbestimmten, unkontrollierbaren Momenten des kollektiven Gegenangriffs vertrauen. Wir sehen uns auf der Stra\u00dfe!<\/p>\n<p>Ps: Unser n\u00e4chtliches Feuer soll auch als Geburtstagsgr\u00fc\u00dfe f\u00fcr die Liebig34 zu ihrem 30 j\u00e4hrigen Bestehen, das am vergangenen Wochenende gefeiert wurde verstanden werden. Alles Gute!<\/p>\n<p>Warum da?<\/p>\n<p>Am Moritzplatz enstehen zur Zeit die beiden Gewerbeh\u00f6fe \u201eThe Shelf\u201c und \u201eThe Grid\u201c. Diese werden von der Pandion AG entwickelt und realisiert und sind bereits w\u00e4hrend der Bauphase jeweils an einen Immobilienfonds der DWS verkauft worden. Hauptmieter von The Shelf wird das Start-Up HelloFresh das einst unter finanzieller Beteiligung von Rocket Internet gegr\u00fcndet wurde. Rocket Internet, die Firma der schleimigen Samwer-Br\u00fcder ist dabei kein Unbekannter in Kreuzberg. In den letzten Jahren kauften diese dutzende Immobilien im Kiez und sind aktiv an Verdr\u00e4ngungsprozessen beteiligt. HelloFresh will in dem Neubau eine Zentrale mit 600 Mitarbeiter*innen errichten. The Grid soll zur H\u00e4lfte an das IT-Unternehmen Adesso Se vermietet werden. Dieses Unternehmen bietet IT-Dienstleistungen vor allem f\u00fcr Versicherungen, Banken und Finazdienstleister, \u00d6ffentliche Verwaltung und mehr. Von Adesso entwickelte Software kommt bei Firmen der Sicherheitsindustrie wie Bosch, R\u00fcstungsunternehmen wie EADS oder der Commerzbank zum Einsatz. Beide Bauvorhaben reihen sich ein in die massive Umstrukturierung rund um den Moritzplatz und werden die Preisentwicklung im Kiez weiter zuspitzen. Das die Ansiedlung von Unternehmen aus der Tech-Industrie an solchen Standorten Arbeitspl\u00e4tze schaffen w\u00fcrde, geh\u00f6rt zu den L\u00fcgenm\u00e4rchen von Politik und Wirtschaft. Im besten Fall springt f\u00fcr die Anwohner*innen vielleicht ein Putzjob raus, wobei fragw\u00fcrdig ist ob man sich mit solch einem Gehalt dann langfristig noch eine Wohnung in der Gegend leisten k\u00f6nnte. Eine gute Nachbarschaft jedenfalls sieht anders aus.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4sy6ebszykvcv2n6.onion\/node\/94779\">Indymedia<\/a> (Tor), <a href=\"http:\/\/mphvik4btkr2qknt.onion\/node\/159424560094779\/\">Spiegelung<\/a> (Tor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 6. Juli 2020 Wir haben in der Nacht auf Montag den 6. 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