{"id":12204,"date":"2020-04-09T00:00:04","date_gmt":"2020-04-08T22:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=12204"},"modified":"2020-04-09T00:00:04","modified_gmt":"2020-04-08T22:00:04","slug":"glasbruch-und-farbe-gegen-architekturbuero","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=12204","title":{"rendered":"Glasbruch und Farbe gegen Architekturb\u00fcro"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bremen<\/strong>, 9. April 2020<\/p>\n<blockquote><p>Gestern Nacht wurde ein B\u00fcro von Knastprofiteur*innen in Bremen angegriffen!<\/p>\n<p>\u201eSo viele sind hinter Gittern, die wir drau\u00dfen brauchen.\u201c<\/p>\n<p>Scheiben kaputt und B\u00fcro eingesaut. Mit Nachdruck haben wir in der vergangenen Nacht den Architekt*innen von GSP gezeigt, was wir von Profiteur*innen des Knastsystems halten. Die GSP \u2013 Gerlach Schneider und Partner Architekten &#8211; werben auf ihrer Homepage mit dem Bau und der Modernisierung mehrerer Gef\u00e4ngnisse, unter anderem die JVA in Bremen und in Berlin-Tegel.<!--more--> Daf\u00fcr sorgen, dass Menschen unter modernsten Sicherheitsvorkehrungen weggesperrt werden, das ist das Kerngesch\u00e4ft der Architekt*innen von GSP. Daf\u00fcr zu sorgen, dass ihre eigene Infrastruktur gesch\u00fctzt ist, das k\u00f6nnen sie offensichtlich nicht so gut.<\/p>\n<p>\u201eGSP steht f\u00fcr sinnhaftes und zeitgem\u00e4\u00dfes Bauen\u201c<\/p>\n<p>Der Knast, das geschlossene System par excellence, wirkt in der sch\u00f6nen smarten digitalen Welt, fast wie ein Relikt vergangener Jahrhunderte. Dennoch erf\u00fcllt das Gef\u00e4ngnis nach wie vor verschiedene Aspekte, die die Voraussetzung f\u00fcr eine kapitalistisch und autorit\u00e4r strukturierte Gesellschaft bilden. Durch Einsperrung soll der Mensch isoliert, zugerichtet, diszipliniert und zur funktionsf\u00e4higen Arbeitskraft (re-)sozialisiert werden. Dar\u00fcber hinaus haben diese Ma\u00dfnahmen den Zweck die Menschen \u201edrau\u00dfen\u201c abzuschrecken und sie dazu anzuhalten, sich weiterhin selbst auszubeuten und oder ausbeuten zu lassen. In der Architektur eines Gef\u00e4ngnisses manifestiert sich der Versuch der totalen \u00dcberwachung und Disziplinierung des menschlichen K\u00f6rpers.<\/p>\n<p>Neue Methoden der digitalen \u00dcberwachung, der Kontrolle und der Bestrafung hingegen, sind wesentlich schwerer zu fassen, als die alten Feind*innen der antiautorit\u00e4ren Bewegung. Kameras, Drohnen, Tracking, Wareables, soziale Punktebewertung (wie in China), das Auswerten von Cookies, Apps und komplexe Datenanalysen verallgemeinern das System der Kontrolle au\u00dferhalb der Knastmauern. Sie vollziehen sich oft in f\u00fcr uns unsichtbaren Bereichen und begr\u00fcnden eine grundlegende Asymmetrie zwischen \u00dcberwacher*innen und \u00dcberwachten. Hinzu kommt, dass Menschen heute kaum noch ein Bedrohungsszenario ben\u00f6tigen um auf kommerzielles Profiling und Selbstdisziplinierung zur\u00fcckzugreifen: Alleine und dabei st\u00e4ndig \u00fcberwacht sein, das war einst ein Alptraum. Im 21. Jahrhundert ist dieser Zustand eine Verhei\u00dfung geworden. Es ist immer jemand da, im kleinen schwarzen Kasten, der dich wahrnimmt und adressiert. Die Angst davor eingesperrt zu sein, wird abgel\u00f6st durch die Furcht vor der Ausgrenzung aus den (virtuellen) sozialen Blasen, was von vielen als schlimmste Bedrohung der existenziellen Sicherheit betrachtet wird.<\/p>\n<p>Back to the roots<\/p>\n<p>In der aktuellen Krisensituation k\u00f6nnen wir sehen, auf welchem Bein der Staat als Gewaltmonopolist aber immer noch am sichersten steht. All die warmen Worte, die Appelle an die Vernunft und die Aufrufe zur (v\u00f6lkisch begrenzten) Solidarit\u00e4t im Angesicht der Pandemie, werden untermauert durch massive Polizeikontrollen und den Einsatz des Milit\u00e4rs zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung. Gummigeschosse und Gef\u00e4ngnisse wirken auch im 21. Jahrhundert noch besser als jeder Algorithmus. Dieser Fakt, f\u00fchrt uns au\u00dferdem vor Augen, dass neue verfeinerte Methoden der Kontrolle nicht unbedingt die alten abl\u00f6sen, sondern vielmehr die Arsenale erweitern. In diesem Sinne bleibt der Kampf gegen Knast und Einsperrung also wichtig, auch wenn sich die Welt drau\u00dfen, immer mehr in Richtung Gef\u00e4ngnis entwickelt.<\/p>\n<p>Gespannt blicken wir nach Italien, Frankreich, Spanien und Brasilien wo sich in vielen Kn\u00e4sten Revoltierende auflehnen und mit Unterst\u00fctzung von au\u00dfen gemeinsam gegen die unterdr\u00fcckende Staatsmacht und die durch Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen versch\u00e4rften Bedingungen aufbegehren.<\/p>\n<p>Auch in der Bremer JVA sind die Zust\u00e4nde desastr\u00f6s und es herrscht \u00dcberbelegung. Zudem sind die ohnehin stark begrenzten Besuchszeiten nun komplett gestrichen und die Menschen demnach faktisch isoliert. Die Bremer Regierung reagiert auf die Pandemie mit dem Aussetzen von Ersatzfreiheitsstrafen und l\u00e4sst Leute, die sowieso bald entlassen worden w\u00e4ren, fr\u00fcher raus. Sp\u00e4testens bei solchen Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen wir erkennen, welche Spielr\u00e4ume es gibt, wenn der \u201cpolitische Wille\u201c da ist.<\/p>\n<p>Wir begr\u00fc\u00dfen die Angriffe auf Knastprofiteur*innen, die im Zusammenhang mit dem Bau der Kn\u00e4ste in Zwickau, Leipzig, Gl\u00fcckstadt oder Basel stehen. Jenseits der staatlichen Visionen der totalen \u00dcberwachung zeigen solche Angriffe sehr anschaulich, dass kein System perfekt ist: Das Knastsystem, diese verstreute Infrastruktur, aus sich im Bau befindliche Vollzugsanstalten, bestehenden Kn\u00e4sten und profitierenden Firmen sowie ihren B\u00fcros, Fuhrparks, etc. ist sehr sichtbar und eignen sich deshalb gut f\u00fcr Angriffe.<\/p>\n<p>Wir hassen die Kn\u00e4ste ebenso so sehr, wie wir die moderneren, digitalen technologischen Methoden zur \u00dcberwachung und Kontrolle hassen. Wir werden weiter raus gehen und jene angreifen, die an der Perfektionierung staatlicher Kontrollsysteme arbeiten.<\/p>\n<p>Gegen den Staat und seinen Gewaltapparat! Kn\u00e4ste zu Baul\u00fccken!<\/p>\n<p>Freiheit f\u00fcr die 3 von der Parkbank, f\u00fcr Lisa, f\u00fcr die Basel 18 und f\u00fcr alle anderen Gefangenen. Wir vergessen euch nicht!<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4sy6ebszykvcv2n6.onion\/node\/76358\">Indymedia<\/a> (Tor), <a href=\"http:\/\/raxuatgmxdvnp4no.onion\/?node=76358\">Spiegelung<\/a> (Tor)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Unbekannte bespr\u00fchten in der Nacht zu Donnerstag ein Architektenb\u00fcro in der Bremer \u00dcberseestadt mit Farbe.<\/p>\n<p>Der Staatsschutz der Polizei Bremen ermittelt.<\/p>\n<p>Die T\u00e4ter zerst\u00f6rten eine Fensterscheibe zum Gro\u00dfraumb\u00fcro und spr\u00fchten durch das Fenster Farbe in den Raum. Die Polizei fragt: &#8220;Wer hat in der Nacht zu Donnerstag zwischen 23 und 0 Uhr, im Bereich \u00dcberseestadt \/ Am Speicher XI verd\u00e4chtige Beobachtungen gemacht?&#8221;. Zeugenhinweise nimmt der Kriminaldauerdienst unter xxx entgegen.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich verfassten Unbekannte ein Bekennerschreiben im Internet unter dem Titel &#8220;Glasbruch und Farbe f\u00fcr Knastprofiteure*innen &#8211; Architekturb\u00fcro in Bremen angegriffen!&#8221;. Das Schreiben wird noch auf Echtheit gepr\u00fcft, der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: Polizei<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bremen, 9. April 2020 Gestern Nacht wurde ein B\u00fcro von Knastprofiteur*innen in Bremen angegriffen! \u201eSo viele sind hinter Gittern, die wir drau\u00dfen brauchen.\u201c Scheiben kaputt und B\u00fcro eingesaut. 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