{"id":11422,"date":"2019-12-14T00:00:33","date_gmt":"2019-12-13T22:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=11422"},"modified":"2019-12-14T00:00:33","modified_gmt":"2019-12-13T22:00:33","slug":"feuer-an-vonovia-firmenwagen-gelegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=11422","title":{"rendered":"Feuer an Vonovia-Firmenwagen gelegt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin<\/strong>, 14. Dezember 2019<\/p>\n<blockquote><p>In der Nacht auf Samstag, den 14.12.2019, haben wir, eine Feministische Autonome Zelle (FAZ), in der Bellermannstra\u00dfe in Berlin Wedding einen Firmenwagen des Immobilien-Gro\u00dfkonzerns Vonovia angez\u00fcndet. Das Fahrzeug hat den Angriff scheinbar \u00fcberlebt, es ist also nicht komplett in Flammen aufgegangen, aber trotz dieses halben Erfolgs bleibt unsere Botschaft: Vonovia ist ein Schei\u00dfverein und geh\u00f6rt weiter feurig und farbig attackiert!<br \/>\nMit dem Angriff auf den gr\u00f6\u00dften Immobilienkonzern in Deutschland, ber\u00fcchtigt f\u00fcr seine unmenschlichen Methoden<!--more--> in der Abpressung von Profit aus Wohnraum senden wir solidarische Gr\u00fc\u00dfe an das anarcha-queer-feministische FLINT* Hausprojekt Liebig34, das derzeit akut von Verdr\u00e4ngung bedroht ist. Wehren wir uns gemeinsam gegen kapitalistische Verdr\u00e4ngung, Patriarchat und jede Herrschaft!<\/p>\n<p>Warum Vonovia?<br \/>\nAls gr\u00f6\u00dfter deutscher Immobilienkonzern besitzt Vonovia allein in Deutschland fast eine halbe Million Wohnungen; in \u00d6sterreich, Frankreich und Schweden sind es zehntausende weitere. Mit einem j\u00e4hrlichen Umsatz von ca. vier Milliarden Euro und einem Gewinn von einer Milliarde Euro geh\u00f6rt es zu den gr\u00f6\u00dften DAX B\u00f6rsenunternehmen.i So verdient der Chef von Vonovia monatlich 400.000\u20ac!ii<br \/>\nDieser Profit und die satten Geh\u00e4lter der Manager stammen dabei gr\u00f6\u00dftenteils aus dem Geldbeutel von Mieter*innen.iii Vonovia modernisiert, wo es nur geht, und finanziert das \u00fcber massivste Erh\u00f6hungen von Mieten.iv So wird der Besitz des Konzerns systematisch aufgewertet und der Profit gesteigert \u2013 w\u00e4hrend Mieter*innen systematisch ihr zu Hause verlieren.<br \/>\nNeben den Immobilien an sich, sind Dienstleistungen ein immer gr\u00f6\u00dferes Gesch\u00e4ftsfeld des Unternehmens. Da die Einnahmen durch Mieten und Modernisierungen nicht genug zu sein scheinen, bietet der Konzern \u00fcber Tochterfirmen immer mehr eben solcher Leistungen rund um die H\u00e4user an. Von Schneeschippen \u00fcber Treppenhausreinigung bis zur Spielplatzkontrolle \u2013 die ausbeuterische Kreativit\u00e4t erscheint fast grenzenlos.<br \/>\n\u201aUnd hier kommen auch die Vonovia-Autos ins Spiel, wei\u00dfe Transporter, die mit gro\u00dfer Vonovia-Aufschrift in nahezu allen deutschen Innenst\u00e4dten zu sehen sind. Die geh\u00f6ren als Dienstw\u00e4gen der sogenannten &#8220;Objektbetreuer*innen&#8221;, streng genommen nicht Vonovia, sondern einem der besagten Tochterunternehmen. [\u2026] Die Aufgabe der sogenannten &#8220;Objektbetreuer*innen&#8221; die mit den Vonovia-Autos rumfahren ist nicht, wie jetzt vielleicht einige denken k\u00f6nnten, notwendige Reparaturen an z.B kaputten Fenstern durchzuf\u00fchren. Sowas k\u00f6nnte ja durchaus im Interesse der Mieter sein. Reparaturen d\u00fcrfen den Mieter aber nicht in Rechnung gestellt werden, Instandhaltungsma\u00dfnahmen schon. Dementsprechend erstreckt sich der gr\u00f6\u00dfte Teil der Aufgaben [\u2026] auf allgemeine Kontrollen, die allein der Minimierung des Verwaltungsaufwandes, der Risiken des Vermieters und der Beschaffung von Informationen f\u00fcr die Gesch\u00e4ftssteuerung dienen &#8211; &#8220;optimales Prozessmanagement und maximale Kostenkontrolle&#8221; eben. In anderen Worten: Statt kaputte Wasserleitungen zu reparieren haben die &#8220;Objektbetreuer&#8221; den Job mit den weissen Vonovia-Transportern von Objekt zu Objekt zu fahren und die Nebenkosten in die H\u00f6he zu treiben indem sie sich dort zu neuen &#8220;Instandhaltungsma\u00dfnahmen&#8221; inspirieren lassen, die den Mietern in Rechnung gestellt werden k\u00f6nnen. Baum- und Hydrantenkontrollen zum Beispiel.\u2018v<br \/>\nSo beauftragt der Konzern sich selber mit Diensten, \u00fcber dessen Notwendigkeit er selbst entscheidet. Zahlen m\u00fcssen das dann die Mieter*innen, die mit \u00fcberh\u00f6hten dubiosen Nebenkostenabrechnungen zu k\u00e4mpfen haben.vi \u201e[I]n Dresden und auch in einer Hamburger Wohnanlage wurde der Winterdienst um 1900 Prozent teurer\u201c, so ein besonders krasses Beispiel aus dem Spiegelvii.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t mit der Liebig34!<br \/>\nDie \u201eLiebig34 ist ein selbstorganisiertes anarcha-queer-feministisches Hausprojekt, direkt am \u201aDorfplatz\u2018 in Friedrichshain. Das Haus wird von verschiedenen Kollektiven genutzt; dem Infoladen \u201aDaneben\u2018, der L34-Bar und dem anarcha-queer-feministischen Wohnprojekt, das sich ohne cis-M\u00e4nner organisiert.\u201cviii Das Haus wurde 1990 besetzt, 1999 zum Frauen- und Lesbenprojekt und sp\u00e4ter dann FLINT*ix Raum. Nach einem gescheiterten Kaufversuch wurde 2008 ein 10 Jahre langer Pachtvertrag vereinbart. Da dieser nun ausgelaufen ist und der neue Besitzer Gijora Padovic, \u201edem nachgesagt wird in Berlin bis zu 2000 H\u00e4user zu besitzen und der gezielt Hausprojekte aufkauft und zerst\u00f6rt hat\u201cx, das Projekt raus haben will, l\u00e4uft nun ein Gerichtsprozess gegen die Liebig34. Der erste Termin fand bereits statt, der zweite w\u00e4re eigentlich diesen Montag gewesen, wurde aber auf Januar verschoben. Wir wollen diesen Zeitraum nutzen, um den Druck weiter zu erh\u00f6hen. Denn die Liebig34 bleibt. Punkt.<\/p>\n<p>Was ist genau passiert?<br \/>\nWir haben, wie bei der \u00e4hnlichen Aktion einer FAZ in Hamburg in diesem Monat, einen Grillanz\u00fcnder genutzt, um das Fahrzeug zu zerst\u00f6ren. Genauere Informationen dazu findet ihr im entsprechenden Artikel zur Aktion.xi Bei der Aktion wurden aber auch die Nachteile dieser sehr einfachen Methode deutlich. Mensch muss mit einer Flamme hantieren, die meist von irgendeiner Seite f\u00fcr Vorbeilaufende oder Anwohner*innen direkt sichtbar ist. Dadurch entsteht gerade in belebten Stra\u00dfen ein h\u00f6heres Risiko als bei der Nutzung von zeitverz\u00f6gerten Methoden, wobei letztere eine aufwendigere Vorbereitung bedeuten. Zudem kann der Brand sehr leicht gel\u00f6scht werden, indem der Grillanz\u00fcnder entfernt wird oder ein kleiner Feuerl\u00f6scher von Aktivb\u00fcrger*innen gez\u00fcckt wird. Wir gehen davon aus, dass ein solches Szenario sich auch in dieser Nacht abgespielt hat, was f\u00fcr den geringen direkten Effekt der Aktion sorgte.<br \/>\nEin weiteres Problem, das uns immer wieder auf Aktion begegnet, sind kleine Unw\u00e4gbarkeiten. Zum Beispiel ein abgeschlossenes Tor auf dem Weg zur Aktion, das tags\u00fcber beim Scoutenxii noch offen war. Oder eine Streife, die wegen irgendetwas Anderem zum falschen Zeitpunkt in der N\u00e4he steht. Eigentlich kein Problem, aber manchmal dann doch n\u00f6tig abzubrechen und letztlich nicht zu vermeiden. Es kann immer etwas schief gehen und dann klappt es eben einmal nicht. Lieber die Aktion abbrechen, als dass wenn etwas schief geht, Leute erwischt werden, weil zum Beispiel wichtige Minuten verloren gehen, um auf dem R\u00fcckweg \u00fcber das Tor zu klettern.<\/p>\n<p>Und nun?<br \/>\nEin Text zu einer nicht komplett erfolgreichen Aktion? Ja, das finden wir auch wichtig sichtbar zu machen. Denn mal ehrlich, es klappt bei keiner Gruppe jede Aktion und wir brauchen zwar keine hundert Texte in denen steht, was alles nicht geklappt hat. Wenn aber immer nur von Erfolgen geschrieben wird, vermittelt das den Eindruck, dass Scheitern nicht normal und m\u00f6glich ist. Es hat nicht so geklappt, wie es unser Ziel war. Aber wir haben daraus gelernt und auch das st\u00e4rkt uns. Wir wollen lernen besser mit Frustration und dem Scheitern von Aktionen kollektiv umgehen zu k\u00f6nnen. Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung, der wir uns stellen wollen, genauso wie Ehrlichkeit und ein Vermeiden von perfektionistischer Selbstdarstellung, wie das bei uns alles immer perfekt l\u00e4uft. N\u00e4chte gibt es genug, wir bleiben unvorhersehbar.<br \/>\nEs war ein hei\u00dfer Herbst, besonders f\u00fcr Immobilienfirmen. In vielen St\u00e4dten wurden f\u00fcr einige Zeit w\u00f6chentlich bis t\u00e4glich Akteur*innen der Verdr\u00e4ngung angegriffen.xiii xiv Daran haben wir angekn\u00fcpft und wollen noch mehr Menschen zu weiteren Taten inspirieren. Lasst uns gemeinsam der Logik der Verdr\u00e4ngung etwas entgegensetzen. Feurig in der Nacht, aber auch tags\u00fcber durch den Aufbau solidarischer kollektiver Strukturen jenseits der herrschenden Logik. Weiter geht\u2018s!<\/p>\n<p>Finger weg von der Liebig34 und allen anderen bedrohten feministischen Freir\u00e4umen!<br \/>\nBurn patriarchy down to its ground!<\/p>\n<p>Gru\u00df und Kuss,<br \/>\neine Feministische Autonome Zelle (FAZ)<\/p>\n<p>i https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/immobilien\/wohnungskonzern-vonovia&#8230; und https:\/\/investoren.vonovia.de\/download\/companies\/deutscheanningtonimmo\/Annual Reports\/DE000A1ML7J1-JA-2018-EQ-D-00.pdf<\/p>\n<p>ii https:\/\/taz.de\/Vonovia-Aktionaersversammlung\/!5596026\/<\/p>\n<p>iii https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/immobilien\/wohnungskonzern-vonovia-macht-rekordgewinn-doch-der-hat-seinen-preis\/24076554.html<\/p>\n<p>iv https:\/\/orange.handelsblatt.com\/artikel\/52634<\/p>\n<p>v https:\/\/de.indymedia.org\/node\/36818<\/p>\n<p>vi https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/vonovia-wie-der-wohnungskonzern-seine-mieter-schroepft-a-1238110.html<\/p>\n<p>vii https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/vonovia-wie-der-wohnungskonzern-seine-mieter-schroepft-a-1238110.html<\/p>\n<p>viii http:\/\/liebig34.blogsport.de\/the-house\/<\/p>\n<p>ix FrauenLesbenInterTrans*, also ohne cis-M\u00e4nner (M\u00e4nner, die bei der Geburt dasselbe Geschlecht zugewiesen bekamen)<\/p>\n<p>x http:\/\/liebig34.blogsport.de\/the-house\/<\/p>\n<p>xi https:\/\/de.indymedia.org\/node\/51974<\/p>\n<p>xii Sich f\u00fcr eine Aktion am Aktionsort umsehen und Fluchtwege etc. anschauen<\/p>\n<p>xiii Beispiel Berlin https:\/\/de.indymedia.org\/node\/37705 und https:\/\/de.indymedia.org\/node\/37049<\/p>\n<p>xiv Beispiel Bremen https:\/\/de.indymedia.org\/node\/36375<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4sy6ebszykvcv2n6.onion\/node\/54255\">Indymedia<\/a> (Tor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 14. Dezember 2019 In der Nacht auf Samstag, den 14.12.2019, haben wir, eine Feministische Autonome Zelle (FAZ), in der Bellermannstra\u00dfe in Berlin Wedding einen Firmenwagen des Immobilien-Gro\u00dfkonzerns Vonovia angez\u00fcndet. 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