{"id":11261,"date":"2019-11-11T00:00:06","date_gmt":"2019-11-10T22:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=11261"},"modified":"2019-11-11T00:00:06","modified_gmt":"2019-11-10T22:00:06","slug":"farbe-gegen-ns-ehrenmale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=11261","title":{"rendered":"Farbe gegen NS-Ehrenmale"},"content":{"rendered":"<p><strong>M\u00fcnster<\/strong>, November 2019<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben anl\u00e4sslich des drohenden \u201eVolkstrauertages\u201c die NS-Ehrenmale f\u00fcr den Nazigeneral Gerhard Glokke und die NS-Einheit \u201eHammerdivision\u201c auf dem Waldfriedhof Lauheide bei M\u00fcnster mit Farbe angegriffen. Und zwar deshalb:<\/p>\n<p>Deutschland 74 Jahre nach der Befreiung durch die Alliierten. Ein Musterbeispiel an Vergangenheitsbew\u00e4ltigung: Entnazifizierter Gedenkweltmeister, Vorzeigenation aufgekl\u00e4rter Patriot*innen, gerade 30 Jahre friedlich wiedervereinigt&#8230;<!--more--> also alles in bester Ordnung? Einen Schei\u00df ist es! Ein Blick auf M\u00fcnsters gr\u00f6\u00dften Friedhof, den Waldfriedhof Lauheide zeigt, wie wenig sich nach 1945 getan hat:<\/p>\n<p>Dort liegt ein gro\u00dfer Kriegsgr\u00e4berfriedhof mit 5 sogenannten Grabfeldern f\u00fcr Menschen, die im zweiten Weltkrieg ums Leben kamen. Auf diesem stehen neben Gr\u00e4bern von britischen Soldat*innen, Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen aus Polen und der Sowjetunion auch die \u201eEhrengr\u00e4ber deutscher Kriegstoter\u201c und das \u201eEhrenmal der 329. Infanteriedivision der Wehrmacht\u201c.<\/p>\n<p>Neben jenen, die durch den deutschen Vernichtungskrieg, die Shoa oder im Kampf gegen den Faschismus ihr Leben verloren, liegen da also gleichberechtigt ausgerechnet diejenigen, die das m\u00f6rderische System des Nationalsozialismus getragen oder selbst gemordet haben. Eine Geste der Vers\u00f6hnung, gew\u00e4hrt von den T\u00e4ter*innen und ihren Kindern, denen es vor allem darum ging, die eigenen Opfer und das eigene Leid zu bedauern.<\/p>\n<p>Darunter Nazischweine wie Fritz Schmidt, als Generalkommissar der Nazis in den Niederlanden zust\u00e4ndig f\u00fcr Propaganda, Enteignungen, Deportationen und Morde. Bis zu diesem Jahr wurde Schmidt mit einem Ehrengrab gew\u00fcrdigt, dass es nun von der Verwaltung abger\u00e4umt wurde lag aber nicht an den Verbrechen, die er begangen hat, sondern an dem rein formalen Grund, dass er nicht in \u201eAus\u00fcbung seiner Pflicht\u201c oder w\u00e4hrend Kriegshandlungen starb. W\u00e4re Fritz Schmidt nicht 1943 bei einer Fahrt zum Atlantik aus dem Zug gest\u00fcrzt, l\u00e4ge dieses Nazischwein mit dem goldenen Parteiabzeichen der NSDAP also immer noch in vollen \u201eEhren\u201c in Lauheide.<\/p>\n<p>Gerhard Glokke, dem ehemaligen kommandierenden General des Wehrbezirks M\u00fcnster, wird diese Ehre weiterhin zuteil. Der starb zwar ebenfalls wenig r\u00fchmlich an einem Herzinfarkt, das aber in Aus\u00fcbung seines Dienstes f\u00fcr die Wehrmacht. Und die war ja bekanntlich \u201esauber\u201c, zumindest wenn man die T\u00e4ter*innen selbst fragt. Also Ehre wem Ehre geb\u00fchrt: Als General wird das Nazischwein mit Schulterklappen und diversen Orden mit einem eigens abgesetzten prominent platzierten Ehrengrab direkt hinter dem gro\u00dfen Steinkreuz f\u00fcr seinen Beitrag zum Vernichtungskrieg der Wehrmacht gefeiert.<\/p>\n<p>Zu Glokkes Verdiensten f\u00fcr die Nazis geh\u00f6rte auch der Aufbau von Truppen wie des 329. Infanterieregiments der Wehrmacht. Als Einheit zur Niederschlagung von Aufst\u00e4nden \u2013 also zur Begehung von Verbrechen an der Zivilbev\u00f6lkerung \u2013 aufgestellt, k\u00e4mpfte die \u201eHammerdivsion\u201c, wie sie sich selbst nannte, ab 1942 an der Ostfront und kapitulierte erst am 8. Mai 1945 mit den letzten deutschen Truppen. Eine Truppe fanatischer Nazis, die unter dem Motto \u201ehart und entschlossen, gl\u00e4ubig und froh, tapfer und treu\u201c f\u00fcr den Nationalsozialismus k\u00e4mpfte und mordete. Aber davon will man in Lauheide lieber nichts wissen. Stattdessen werden diese M\u00f6rder als Friedensbringer verkl\u00e4rt: \u201eDie Frucht ihres Todes sei der Friede auf Erden.\u201c steht schlie\u00dflich auf dem gro\u00dfen \u201eEhrenmal\u201c, dass dort f\u00fcr die Nazibande errichtet wurde. Direkt unter dem NS-Wappen der Einheit und auf der R\u00fcckseite erg\u00e4nzt um eine Aufz\u00e4hlung der Orte ihrer gr\u00f6\u00dften \u201eSchlachten\u201c (=Kriegsverbrechen). Echte deutsche \u201eHelden\u201c, deren Tod schlie\u00dflich einen Sinn haben muss. Sonst kann man sich ja schlecht j\u00e4hrlich davor versammeln und mit den alten Kameraden gleich auch den guten alten Zeiten hinterher trauern.<\/p>\n<p>All das abgesegnet vom Bund f\u00fcr deutsche Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge, der Stadt M\u00fcnster, der Bezirksregierung und allen, die vor allem gerne dar\u00fcber reden, dass die Deutschen ja im Krieg auch so gelitten haben. Haben sie. Aus Gr\u00fcnden. Weil sie sich am industriellen Massenmord und Vernichtungskrieg beteiligt haben zum Beispiel. Oder weil sie das System, dass diese erm\u00f6glichte, gest\u00fctzt und bejubelt haben. Wer das vergessen machen will oder versucht, hier T\u00e4ter*innen und Opfer auf eine Stufe zu stellen, dem entgegnen wir frei nach Bertolt Brecht: Und die da reden von Vergessen und die da reden von Verzeihen. All denen schlage man die Ehrenmale mit schweren Eisenh\u00e4mmern ein!<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4sy6ebszykvcv2n6.onion\/node\/46276\">Indymedia<\/a> (Tor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnster, November 2019 Wir haben anl\u00e4sslich des drohenden \u201eVolkstrauertages\u201c die NS-Ehrenmale f\u00fcr den Nazigeneral Gerhard Glokke und die NS-Einheit \u201eHammerdivision\u201c auf dem Waldfriedhof Lauheide bei M\u00fcnster mit Farbe angegriffen. Und zwar deshalb: Deutschland 74 Jahre nach der Befreiung durch die Alliierten. 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