{"id":10849,"date":"2019-10-02T00:00:23","date_gmt":"2019-10-01T22:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=10849"},"modified":"2019-10-02T00:00:23","modified_gmt":"2019-10-01T22:00:23","slug":"farbe-steine-und-hammerschlaege-gegen-eigentuemerverein-haus-und-grund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=10849","title":{"rendered":"Farbe, Steine und Hammerschl\u00e4ge gegen Eigent\u00fcmerverein &#8220;Haus und Grund&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bremen<\/strong>, 2. Oktober 2019<\/p>\n<blockquote><p>Angriff auf Eigent\u00fcmerverein Haus und Grund in Bremen.<\/p>\n<p>Angriff auf Haus und Grund \u2013 Tu Mal Wat in Bremen<\/p>\n<p>In der Nacht zum 2.Oktober 2019 haben wir die Beratungs- und Verwaltungsr\u00e4ume von Haus und Grund in Bremen mit Farbflaschen, Steinen, H\u00e4mmern angegriffen und einen Farbl\u00f6scher einen Raum eingespr\u00fcht.<\/p>\n<p>Wer ist Haus und Grund?<!--more--><\/p>\n<p>\u201ePrivates Eigentum ist das Fundament jeder freiheitlichen Gesellschaft. Wir bekennen uns zu diesem Wert. Daher sch\u00fctzen, sichern und st\u00e4rken wir mit un\u00fcberh\u00f6rbarer Stimme das private Haus-, Wohnungs- und Grundeigentum. Mit diesem Anliegen wenden wir uns an Politik, Verwaltung, Wirtschaft sowie die Medien als Multiplikatoren unserer Botschaft. Unsere Mitgliederzahl sowie die unbestrittene Fachkompetenz verleihen Haus &amp; Grund eine starke Stimme. Und mit jedem neuen Mitglied w\u00e4chst unsere Meinungsmacht.\u201c(Aus der Selbstdarstellung des Bremer Ortsvereins)<\/p>\n<p>Haus und Grund (H&amp;G) ist ein aus der Gr\u00fcnderzeit stammender Verein, der die Forderung nach individueller b\u00fcrgerlicher Freiheit, hei\u00dft nach Privateigentum, Freihandel und Wettbewerb vertritt. Alle Pr\u00e4sidenten des Vereins waren und sind Freunde des Kapitals und der konservativen bis rechten Politik. So trat z.B. der dritte Pr\u00e4sident Victor-Emmanuel Preusker, der von 1957-71 den Vorsitz inne hatte, schon fr\u00fch bei SS und der SA ein. Selbiger war sp\u00e4ter Mitbegr\u00fcnder der FDP und dann auch der Abspaltung der Freien Volkspartei. H&amp;G bezeichnet sich selbst als \u201eEigent\u00fcmerschutz-Gemeinschaft\u201c, in dieser Tradition sich verortend, erkl\u00e4ren sie Eigentum \u00fcber Privilegien zum Garant vermeintlicher Sicherheit und demokratischer Kultur. Kritik an den exorbitant steigenden Mieten wird da schon mal als \u201eeigentumsfeindliche Ideologie\u201c dargestellt.<\/p>\n<p>Der Verein vertritt gegen\u00fcber jenen, die weder Kapital noch Eigentum besitzen, eine klare Law-and-Order-Politik und tr\u00e4gt diese auch gerne und lauthals in die \u00d6ffentlichkeit. Rein exemplarischen seien hier drei Beispiele angef\u00fchrt: 1. der ber\u00fchmt gewordene Countdown zu Mieterh\u00f6hung des Berliner H&amp;G Ortsvereins, in welchem kurz vor Inkrafttreten des Mietendeckels allen Mietgliedern zur Erh\u00f6hung der Mieten geraten wurde;2. in einer Ausgabe der H&amp;G-Zeitung des D\u00fcsseldorfer Ortsvereins erkl\u00e4ren sie haarklein wie es gelingt einen suizidalen Menschen zu k\u00fcndigen (wtf!); 3. H&amp;G fordert sch\u00e4rfere Strafen f\u00fcr das Anbringen von Graffiti (wie w\u00e4re es mit Stockschl\u00e4gen?).<\/p>\n<p>Teil der Propagandastrategie (des \u00fcbrigens 900.000 Mitglieder z\u00e4hlenden Vereins!) ist &#8211; in alter antisemitischer Manier \u2013 der Dualismus zwischen den \u201erenditeorientierten Wohnungsunternehmen\u201c auf der einen, und den \u201eprivaten Kleineigent\u00fcmern\u201c auf der anderen Seite. Letztere wollen sich selbstredend nur \u201emit ein oder zwei Immobilien\u201c den Ruhestand sichern oder das Auskommen vers\u00fc\u00dfen. Sie halten \u201eihre Immobilie sorgsam instand\u201c und sollen von den \u2018Linken\u2018 \u201ef\u00fcr Ihr soziales, freundliches, nachhaltiges Handeln bestraft werden!\u201c.<\/p>\n<p>Doch lasst uns nicht bei einer Kritik an den unappetitlichen \u00c4u\u00dferungen dieses Vereins verharren. Ein gewichtiger Grund Haus &amp; Grund anzugreifen, war, in die Debatte rund um Wohnraum, Miete und Verdr\u00e4ngung eine grunds\u00e4tzliche Kritik an Eigentum einzubrigen. Ohne diese, bleiben wir zu leicht bei einer Kritik der offensichtlichsten Ausbeuter*innenund gr\u00f6\u00dften Arschl\u00f6cher stehen. Viel zu leicht k\u00f6nnen selbsternannte Bewegungsmanager*innen denProtest in Kampagnen kanalisieren, wie bspw. bei der Enteignung der Deutsche Wohnen in Berlin. Viel sch\u00f6ner w\u00e4re doch aber, wenn das Unbehagen sich entwickelt. Vom Protest gegen die Symptome zu einer Revolte gegen die Ursachen, die diese Welt hervorbringen.<\/p>\n<p>Die Eigentumsfrage<\/p>\n<p>Eine der L\u00fcgen, die die Herrschaft des Kapitals aufrechterh\u00e4lt, ist die Idee, dass Eigentum Freiheit bedeutet. Im Laufe des Mittelalters \u201ebefreite\u201c die aufstrebende Bourgeoisie die Massen vom Land, indem sie dieses einz\u00e4unte, es in Besitz nahm, es einhegte. Die Besitzlosen waren nun gezwungen sich zu \u201eentscheiden\u201c zwischen Hunger und dem Verkauf ihrer Arbeitskraft. Dieser Prozess der Enteignung erm\u00f6glichte die Entwicklung des Kapitalismus (oder wie H&amp;G ihn heute verniedlichend nennt: \u201esoziale Marktwirtschaft\u201c).<\/p>\n<p>Eigentum l\u00e4sst sich also nicht einfach als das Ding verstehen, das besessen wird. Sondern ist als soziale Beziehung zwischen Dingen und Menschen zu betrachteten, und zwar als eine durch den Staat und den Markt vermittelte Beziehung. Dabei hat der Staat die Aufgabe mit Gesetzen, Waffen, Polizei und Gerichten das Eigentum zu \u201csch\u00fctzen\u201c und die Besitzlosen fern zu halten.<\/p>\n<p>Der Staat ist das wesentliche Netzwerk von Einrichtungen, das die Kontrolle \u00fcber ein bestimmtes Gebiet und seine Ressourcen behauptet und aufrechterh\u00e4lt. Er gew\u00e4hrt jenen, die Kapital besitzen Schutz und sorgt f\u00fcr eine vermeintlich unab\u00e4nderliche soziale Ordnung von Eigent\u00fcmer*innen und Besitzlosen. Das Eigentum ist diejenige Einrichtung, die dieser Ordnung in unserem t\u00e4glichen Leben seine Macht verleiht und uns zwecks ihrer eigenen Reproduktion zur Arbeit und zum Bezahlen zwingt. Das Eigentum ist also die Zwangsr\u00e4umung, das Preisschild, der Bulle und die \u00dcberwachungskamera.<\/p>\n<p>Eigentum an Immobilien ist ein besonders delikates Beispiel. Wohnraum ist nicht erst seit gestern ein gewinnbringendes Anlageziel. Neben der Erh\u00f6hung der Nebenkosten oder rechtswidrigen unerw\u00fcnschten Modernisierungsarbeiten die Mieter*innen in Rechnung gestellt werden, steht in Bremen zur Zeit u.a. die Umwandlung von Mietwohnungen zu Eigentumswohnungen hoch im Kurs, was eine noch h\u00f6here Rendite verspricht. Sowohl Miet- als auch Kaufpreise sind in den letzten Jahren exorbitant gestiegen. Daran erfreuen sich einige wenige. Das Gros der Menschen lebt in Bremen zu Miete, also in einem Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis. Eine Abh\u00e4ngigkeit die in besonderem Ma\u00dfe eine prek\u00e4re Abh\u00e4ngigkeit von Lohnarbeit verstetigt und aufrechterh\u00e4lt. Wir finden wir uns zunehmend eingesperrt zwischen h\u00f6her werdenden Mieten, Rechnungen, Schulden, \u00dcberwachung und dem Verkauf unserer Lebenszeit und Energie an unsere Chef*innen.<\/p>\n<p>Kein Wunder also, dass die Welt des Eigentums, eine verarmte Welt ist, eine Welt des Mangels. Keine politische Macht, keine Institution kann uns den Weg aus dieser Welt weisen. Auch linke Forderungen nach Enteignung k\u00f6nnen daran nichts \u00e4ndern.Der Staat ist nicht der viel beschworene \u201eguteVermieter\u201c.<\/p>\n<p>Uns von dieser Welt des Eigentums zu befreien, hei\u00dft die Institutionen der Herrschaft zu markieren und anzugreifen. Die psychischen, gesetzlichen, moralischen oder sozialen Z\u00e4une, die uns in dieser Welt gefangen halten,m\u00fcsseneingerissen werden. Jeder Moment und jeder Raum, den wir von der Produktions- und Konsumgesellschaft zur\u00fcckstehlen, gibt uns eine Waffe, um diesen Kampf auszuweiten.<\/p>\n<p>Gegen:<\/p>\n<p>Akteur*innenund Profiteur*innen der Verdr\u00e4ngung<\/p>\n<p>Besch\u00fctzer*innen des Eigentums<\/p>\n<p>Falsche Kritiker*innen<\/p>\n<p>Die Stadt der Reichen<\/p>\n<p>!<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4sy6ebszykvcv2n6.onion\/node\/38402\">Indymedia<\/a> (Tor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bremen, 2. Oktober 2019 Angriff auf Eigent\u00fcmerverein Haus und Grund in Bremen. 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