{"id":10487,"date":"2019-08-06T00:00:35","date_gmt":"2019-08-05T22:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=10487"},"modified":"2019-08-06T00:00:35","modified_gmt":"2019-08-05T22:00:35","slug":"amazon-locker-beschaedigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=10487","title":{"rendered":"Amazon-Locker besch\u00e4digt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Freiburg<\/strong>, 6. August 2019<\/p>\n<blockquote><p>Dies ist die Gr\u00fcndungsaktion einer Feministischen Autonomen Zelle (FAZ), die in den Morgenstunden des 06. August 2019 den Amazon Locker in der Eschholzstra\u00dfe in Freiburg im Breisgau zerst\u00f6rte. Amazon liefert nicht nur P\u00e4ckchen, sondern ist zu einem globalen Dienstleister f\u00fcr Polizei-, Geheimdienst- und Milit\u00e4rapparate geworden. Wir wollen die Rolle des Konzerns f\u00fcr den technologischen Angriff thematisieren und dazu aufrufen Amazon zur Rechenschaft zu ziehen.<\/p>\n<p>Arbeitsbedingungen<\/p>\n<p>Dass Amazon kein guter Arbeitgeber ist, sollte mittlerweile allseits bekannt sein. International gibt es immer wieder Proteste gegen die widrigen Arbeitsbedingungen, \u00dcberwachung am Arbeitsplatz und die aggressive Anti-Gewerkschaftsarbeiti von Amazon.<!--more--><br \/>\nIn Arizona (USA) beispielsweise ist jede*r dritte Angestellte_r des Konzerns auf Essensmarken angewiesen.ii In den Logistikzentren werden Angestellte pausenlos mit Hilfe von Smart-Watches \u00fcberwacht &#8211; wer pinkeln geht, riskiert den Job zu verlieren.iii<\/p>\n<p>Cyber Valley<\/p>\n<p>In Baden-W\u00fcrttemberg entsteht im Raum T\u00fcbingen\/Stuttgart mit staatlicher F\u00f6rderung ein Forschungszentrum zu K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI). Teil des Projekts sind unz\u00e4hlige gro\u00dfe Konzerne von Daimler bis Facebook und die Universit\u00e4ten der Region. Dabei will Amazon in T\u00fcbingen ein weiteres Forschungszentrum erbauen, an dem rund 100 Wissenschaftler*innen t\u00e4tig sein sollen. Diese sollen zusammen mit mit anderen Forschungs- und Unternehmenspartner*innen wie dem Max-Planck-Institut f\u00fcr Intelligente Systeme die Forschung zu KI vorantreiben.iv \u00c4hnliche Forschungszentren des Konzerns gibt es bereits in Dresden, Aachen und Berlin.<\/p>\n<p>Gegen dieses Gro\u00dfprojekt regt sich lokal breiter Widerstand, siehe dazu beispielsweise die No Cyber Valley-Kampagne (https:\/\/nocybervalley.de\/), die bereits ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt hat, warum Amazon kein guter Nachbar ist. Das Cyber Valley birgt f\u00fcr die Region die Gefahr der Entstehung eines milit\u00e4risch-forschungsindustriellen Komplexes. Damit w\u00fcrde in der Region nach der Frauenhofer-Gesellschaft und dem KIT eine weitere Institution der autorit\u00e4ren Formierung entstehen, an der \u00dcberwachungs- und Kontrollmethoden staatlich gef\u00f6rdert erforscht und entwickelt werden.v<\/p>\n<p>Amazon, \u00dcberwachung und Krieg<\/p>\n<p>Der Konzern Amazon arbeitet direkt mit Polizei, Milit\u00e4r und Geheimdiensten zusammen, beispielsweise bei der Bereitstellung von Cloud-Diensten f\u00fcr CIA und Pentagonvi oder Gesichtserkennungssoftware f\u00fcr die US-Polizei.vii Derzeit entwickelt Amazon auch Gesichtserkennungssoftware, die viele Menschen gleichzeitig in gro\u00dfen Menschenmengen erkennen und angeblich sogar einzelne Menschen durch eine Menge hindurch verfolgen k\u00f6nnen soll.viii<\/p>\n<p>Die Software \u201eRekognition\u201c wurde beispielsweise bei der Washingtoner Polizei eingesetzt:<\/p>\n<p>\u201eKreispolizist*innen [k\u00f6nnen] mit einer App die Bilder von Verd\u00e4chtigen gegen eine Datenbank von ehemaligen Gef\u00e4ngnisinsassen abgleichen [&#8230;]. Die Videokameras des Gebiets sind ebenfalls mit Amazons System verbunden. Als n\u00e4chsten Schritt r\u00e4t der Cloud Anbieter zu vernetzten Bodycams, also an Polizist*innen befestigte \u00dcberwachungskameras.\u201cix<\/p>\n<p>Diese KI-basierten Dienste sollen aber nicht nur zur \u00dcberwachung und Festnahme dienen, sondern dar\u00fcber hinaus zur Auswahl milit\u00e4rischer Ziele wie beim \u201eProject Maven\u201c, einem US-Milit\u00e4rprojekt, das mit Hilfe von KI Ziele wie Geb\u00e4ude, Autos und Menschen erkennen soll.x Angestellte des Konzerns machten bereits darauf aufmerksam, welch gef\u00e4hrlichen Weg Amazon geht, wenn der Technologiekonzern Staaten weitere M\u00f6glichkeiten der \u00dcberwachung und Militarisierung in die H\u00e4nde gibt. Dabei erinnerten sie an IBMs Rolle im Nationalsozialismus, die damals Lochkarten f\u00fcr die Kategorisierung und Katalogisierung der Bev\u00f6lkerung zur Verf\u00fcgung stellten.xi Heute werden mit Diensten wie Gesichtserkennung die Schrecken des Migrationsregimes auf eine neue Ebene gesetzt. Wenn Amazon damit konfrontiert \u201eunumst\u00f6\u00dfliche\u201c Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Polizei, US- und andere Regierung zusichert, entzieht sich der Konzern schamlos seiner eigenen Verantwortung.xii<\/p>\n<p>Auch in Deutschland strebt Amazon eine Zusammenarbeit mit den Verfolgungsbeh\u00f6rden an, so werden bereits deren Cloud-Dienste zur Speicherung der Body-Cam Daten der Bundespolizei genutzt.xiii Und Amazons Faible f\u00fcr Milit\u00e4r reicht dabei auch \u00fcber lukrative Gesch\u00e4fte hinaus: So wirbt der Konzern in Deutschland auch gezielt ehemalige Milit\u00e4roffiziere als &#8216;F\u00fchrungskr\u00e4fte&#8217; an.xiv<\/p>\n<p>Dass Widerstand gegen die Technologie-Riesen ohnehin sinnlos sei, widerlegt unter Anderem die erfolgreiche Verhinderung der Entstehung eines Google Campus in Berlin in den letzten Jahren.<br \/>\nMotiviert von diesen erfolgreichen K\u00e4mpfen und in Anbetracht der anstehenden weiteren Versch\u00e4rfung des Baden-W\u00fcrttembergischen Polizeigesetzes haben wir uns entschieden, Amazon anzugreifen. Dabei haben wir Mittel und ein Ziel gew\u00e4hlt, die praktisch \u00fcberall nachmachbar sind. Denn dieser eine Angriff kann nur ein Anfang sein.<\/p>\n<p>Amazon Locker gibt es in den meisten Regionen Deutschlands. Sie sind automatisierte Abholstationen f\u00fcr Amazon P\u00e4ckchen. Sie stehen in den meisten F\u00e4llen auf dem Gel\u00e4nde von Partnerfirmen, wie z.B. OMV Tankstellen. Im Gegensatz zu anderer Amazon Infrastruktur sind sie leicht zug\u00e4nglich und unbewacht und bieten sich daher als einfaches und risikoarmes Ziel an. Meist befinden sie sich au\u00dferhalb der Geb\u00e4ude und sind 24h zug\u00e4nglich. Die Abholstation ist ein normalerweise dunkelblauer Metallkasten auf dem gro\u00df Amazon steht und in dem in der Mitte ein Bildschirm eingelassen ist. \u00dcber dem Bildschirm befindet sich eine Kamera, unter dem Bildschirm ein Barcode Scanner.<\/p>\n<p>Wir haben uns f\u00fcr eine simple und effektive, allerdings eher laute Methode entschieden. Zuerst haben wir die Kamera mit einem Hammer und einem Nagel unsch\u00e4dlich gemacht, danach mit diesen Barcode Scanner und Bildschirm zerst\u00f6rt. Um eine Reparatur weiter zu erschweren haben wir das ganze danach mit Bitumen eingedeckt. Da die Abholung \u00fcber Scanner und Bildschirm l\u00e4uft, ist damit das Ger\u00e4t in Sekundenschnelle unbrauchbar gemacht. Bei dem ganzen solltet ihr auf Spuren achten und deswegen unbedingt Handschuhe tragen und darauf achten, dass die Kamera nichts identifizierbares zu sehen bekommt. Gerade bei Tankstellen, aber auch bei vielen Superm\u00e4rkten sind zudem weitere Kameras an den Geb\u00e4uden angebracht. Wenn ihr etwas zur\u00fcck lasst wie beispielsweise N\u00e4gel empfiehlt es sich auch DNA Spuren zu vermeiden.<br \/>\nDabei ist die oben beschrieben nur eine von unendlich vielen Optionen.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcrden uns freuen, wenn Amazon Locker und andere Infrastruktur dieses Konzerns \u00fcberall angegriffen werden. Uns geht es nicht um spektakul\u00e4re Aktionen, sondern darum gezielt und mit einfachsten Mitteln anzugreifen. Es braucht keine Expertise, schwer zug\u00e4ngliches Material oder hohe Risikobereitschaft. Sie werden niemals all ihre Amazon Locker bewachen k\u00f6nnen. Auch Technologie-Riesen sind angreifbar.<\/p>\n<p>Bis die Wolken im Schein der Flammen rot ergl\u00fchen.<\/p>\n<p>Gru\u00df und Kuss,<\/p>\n<p>eine Feministische Autonome Zelle<\/p>\n<p>i https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2018\/jul\/08\/amazon-jeff-bezos-unionize-working-conditions<\/p>\n<p>ii https:\/\/theintercept.com\/2018\/04\/19\/amazon-snap-subsidies-warehousing-wages\/<\/p>\n<p>iii https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/handel-konsumgueter\/armbaender-fuer-angestellte-amazon-will-jeden-handgriff-seiner-mitarbeiter-ueberwachen\/20921234.html<\/p>\n<p>ivhttp:\/\/www.imi-online.de\/2018\/11\/23\/mehr-als-nur-paeckchen\/<\/p>\n<p>vhttp:\/\/www.imi-online.de\/2018\/06\/08\/verschaerfung-der-polizeigesetze\/<\/p>\n<p>vi http:\/\/www.imi-online.de\/2018\/11\/05\/cloud-anbieter-fuer-bundeswehr-cia-und-pentagon\/ Siehe zudem http:\/\/www.imi-online.de\/2019\/07\/16\/jedi-weg-frei\/<\/p>\n<p>vii https:\/\/www.aclu.org\/blog\/privacy-technology\/surveillance-technologies\/amazon-teams-government-deploy-dangerous-new?redirect=blog\/privacy-technology\/surveillance-technologies\/amazon-teams-law-enforcement-deploy-dangerous-new<\/p>\n<p>viii https:\/\/aws.amazon.com\/de\/blogs\/machine-learning\/amazon-rekognition-announces-real-time-face-recognition-support-for-recognition-of-text-in-image-and-improved-face-detection\/<\/p>\n<p>ix http:\/\/www.imi-online.de\/2019\/05\/28\/kuenstliche-intelligenz-als-cloud-service\/<\/p>\n<p>xhttp:\/\/www.imi-online.de\/2019\/02\/25\/maven-geheime-standorte\/<\/p>\n<p>xi https:\/\/www.cnet.com\/news\/amazon-employees-want-jeff-bezos-to-stop-selling-facial-recognition-software-to-law-enforcement\/, https:\/\/www.nytimes.com\/2001\/03\/07\/books\/books-of-the-times-ibm-s-sales-to-the-nazis-assessing-the-culpability.html<\/p>\n<p>xii https:\/\/theintercept.com\/2018\/07\/30\/amazon-facial-recognition-police-military\/<\/p>\n<p>xiii https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Polizei-speichert-Bodycam-Daten-bei-Amazon-article20884689.html<\/p>\n<p>xiv http:\/\/www.imi-online.de\/2018\/01\/25\/amazon-militaers-gesucht\/<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4sy6ebszykvcv2n6.onion\/node\/35771\">Indymedia<\/a> (Tor)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>because the night belongs to lovers<br \/>\nbecause the night belongs to us<br \/>\n&#8211; Patti Smith<\/p>\n<p>Wir beobachten seit einiger Zeit mit Sorge die Richtung, in die emanzipatorische(re) K\u00e4mpfe im deutschsprachigen Raum sich in den letzten Jahren bewegen. Wir, das sind Menschen, die sich in den letzten Jahren innerhalb dieser Strukturen politisiert haben und wurden und seitdem ein immer st\u00e4rkeres Gef\u00fchl von Mitverantwortung f\u00fcr die Ausrichtung unserer Gruppen und Bewegung(en) wahrgenommen haben. Gleichzeitig erlebten wir, dass unsere pers\u00f6nlichen Sorgen und \u00c4ngste davor, was wir mit unseren weiteren Leben machen und wie wir dabei zum Beispiel mit finanziellem Druck und Repressionen umgehen sollten, von denselben Strukturen gar nicht oder nur sehr unzureichend abgefangen wurden. Unser Vertrauen in in die Verbindlichkeit linksradikaler Subkultur wankte. Biografische Krisen fielen zusammen mit dem, was wir als strukturelle Defizite und Zweifel an unseren Zusammenh\u00e4ngen und &#8220;der Bewegung&#8221; sahen:<\/p>\n<p>Wir f\u00fchlten uns oft erschlagen von der Menge und Lautst\u00e4rke politischer Gegner*innen und staatlicher Angriffe, blieben in Reaktion auf diese \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde gefangen und schon davon \u00fcberarbeitet und ersch\u00f6pft. Interne Hierarchien trugen ihren Teil dazu bei, dass Arbeitsverteilung ungleich blieb und auf solidarisches Handeln und Achtsamkeit innerhalb der &#8220;eigenen&#8221; Kreise kein Verlass sein konnte. Es kamen Zweifel an der Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit unserer Arbeit &#8211; nach au\u00dfen wie nach innen &#8211; und Gef\u00fchle von Stagnation auf. Oft schien es, als w\u00e4ren unsere Handlungen und Aktionen vor allem selbstreferentielle Szenebespielung. Wir fragten uns: Wurden Aktionen gemacht, um etwas zu erreichen, oder weil sie den Handelnden Status einbrachten?<br \/>\nWir beobachteten, dass bestimmte etablierte (Re-) Aktionsformen und Verhaltensregeln &#8220;der Szene&#8221; wie Riten eingefahren waren. Entlang des gesellschaftlichen Trends entwickelte sich auch im Bereich des politischen Widerstands eine Form der Erlebniskultur, die Aktivist*innen vom Ziel, der Durchf\u00fchrung und den m\u00f6glichen Konsequenzen einer Aktion entfremdete und Aktionserlebnisse wie ein Festivalwochenende zunehmend zum Konsumgut werden lie\u00df. Dabei war unser Gef\u00fchl: Wir brauchen keine Szeneexpert_innen und Polit-Gurus und keine Anh\u00e4nger_innen libert\u00e4rer Ideen. Wir brauchen gelebte Anarchie.<\/p>\n<p>Viele Aktionen hatten nur offensichtliche Ziele und kratzten h\u00f6chstens an der Oberfl\u00e4che einer Thematik. Andere beugten sich der massiven Einspeisungskraft der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft und wurden vereinnahmt durch den NGO-industriellen-Komplex und b\u00fcrgerliche Protestformen, immer verbunden mit der Entsolidarisierung und Abgrenzung von anderen Formen des Widerstands. Es folgte die Einbindung in systemstabilisierende Partizipation. Auf der anderen Seite wuchsen berechtigte \u00c4ngste vor Gewalt und Repressionen, die uns l\u00e4hmten und zu Selbstzensur und vorauseilendem Gehorsam z.B. in Konfrontation mit dem Staat f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Unsere Weltblicke und &#8220;die Bewegung&#8221; sind aktuell stark in politische Fl\u00fcgel und Themengebiete fragmentiert. Es gibt immer wieder Versuche und Erfolge dabei, solidarische Bez\u00fcge zwischen &#8220;benachbarten&#8221; Str\u00f6mungen herzustellen, doch gro\u00dfe, tats\u00e4chlich radikale und nicht-reformistische &#8220;Massenbewegungen&#8221;, wie sie beispielsweise in den letzten Jahren in Teilen Lateinamerikas unter einem gemeinsamen feministischen Nenner entstanden sind, scheinen uns in Nord-\/ Mitteleuropa und insbesondere in der BRD aktuell undenkbar. Alles zusammen f\u00fchrt uns zu der Sinnfrage: Kann es so, f\u00fcr uns Einzelne wie f\u00fcr uns als Gruppen, Gemeinschaften, und als Bewegung, weitergehen?<\/p>\n<p>Diese \u00dcberlegungen finden statt im Rahmen gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse beherrscht von der stetig fortschreitenden Verdr\u00e4ngung von Freir\u00e4umen, der immer besseren Organisierung und Vernetzung rechtsradikaler Kr\u00e4fte, reaktion\u00e4rer Zuspitzung und autorit\u00e4rer Formierung, neuen Polizeigesetzen und verbesserten M\u00f6glichkeiten technologischer \u00dcberwachung, rassistischen Grenz- und Abschiebungsregimen im globalen Norden, und der immer weiteren \u00dcberformung des kapitalistischen Patriarchats. Nachdem ab 2015 europaweit antinationale und antirassistische K\u00e4mpfe auflebten, haben sich diese innerhalb weniger Monate und Jahre in Resignation ersch\u00f6pft. Doch das Sterben im Mittelmeer geht weiter und die Rechtsverschiebung auch. Wie 2019 Unvers\u00f6hnlichkeit mit diesen Verh\u00e4ltnissen leben?<\/p>\n<p>Es ist verst\u00e4ndlich, dass gegen\u00fcber diesen Verh\u00e4ltnissen Ohnmacht und nur unzureichende Antworten und Gegenentw\u00fcrfe stehen (k\u00f6nnen). Uns fehlen aktuell strategische \u00dcberlegungen und angemessene Antworten darauf, welche Umg\u00e4nge mit sich immer weiter versch\u00e4rfenden Verh\u00e4ltnissen gefunden werden k\u00f6nnten. Dabei begr\u00fcndet schon Auschwitz als Bezugspunkt kritischen Denkens und Handelns die absolute Dringlichkeit im Kampf f\u00fcr eine Welt frei von Autorit\u00e4ten, in der Ausbeutung und Beherrschung jede Grundlage entzogen wird. Auschwitz steht f\u00fcr uns f\u00fcr die schlichte Notwendigkeit, solange sich in der Welt nichts \u00e4ndert, weiter zu k\u00e4mpfen. F\u00fcr viele von uns, Subversive, Punks und Queers, sind und bleiben subversive Gemeinschaften zudem der einzige lebbare Ort in der Gesellschaft. Aber einfach so &#8220;weitermachen&#8221; ist f\u00fcr uns keine Option.<\/p>\n<p>Wir Schreibende haben offensichtlich keine L\u00f6sung f\u00fcr alle Defizite und Widerspr\u00fcche in unseren Bewegungen. Doch aber besch\u00e4ftigt uns seit einiger Zeit, was unsere K\u00e4mpfe brauchen und was wir zu den notwendigen Ver\u00e4nderungen beitragen k\u00f6nnen. Unser Ausgangspunkt ist dabei die Verbindung anarchistischer und feministischer Erfahrungen und Analysen als Grundlage unserer K\u00e4mpfe. Dabei sind Feminismus und Militanz f\u00fcr uns kein Widerspruch, sondern in Verbindung gerade Mittel mit dem Potential zur Subversion patriarchaler Herrschaft. Wir haben uns daher (in den letzten Jahren) f\u00fcr den gemeinsamen Kampf als Feministische Autonome Zellen (FAZ) entschlossen. Die FAZ sollen f\u00fcr eine Ausrichtung hin zu direkten militanten \u00f6ko-feministischen Aktionen mit theoretisch-strategischer Einbettung in den gesellschaftlichen Kontext und aktuelle politische K\u00e4mpfe stehen. Unseren Aktivismus verstehen wir als anarchistisch, feministisch, antifaschistisch, autonom, militant, gegen den technologischen Angriff und konsequent herrschaftskritisch innerhalb der eigenen Struktur. Wir kritisieren Personalisierung und Personenkult sowie Idolisierung in der Szene, beeindruckende Prestige-Aktionen, die aber einmalig bleiben, sowie angek\u00fcndigte (befriedete) Massenaktionen. Unser Format ist eine anonyme und auf Nachhaltigkeit angelegte militante Bewegung von dezentralen autonomen Zellen.<br \/>\n\u00dcber die Organisierung unter einem gemeinsamen Gruppennamen hoffen wir Kritisierbarkeit herzustellen, die Dialoge mit Mitstreiter*innen \u00fcber Ausrichtung und einzelne Aktionen der Zelle(n) erm\u00f6glichen soll. Die Idee autonomer Zellen ist dar\u00fcber hinaus die leichte Nachmachbarkeit von Aktionen, zwischen denen Bez\u00fcge hergestellt werden und auf Aktionen Anderer aufgebaut werden kann. Die relativ leichte Nachbachbarkeit und Transparenzmachung unserer Schritte im Rahmen unserer Sicherheitsvorkehrungen soll, zusammen mit einem Do It Yourself-Anspruch, eine Vermassung und Dezentralisierung von Organisierung und Aktionen erm\u00f6glichen, die es zudem den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden des Staates erschwert, Einzelne von uns ausfindig zu machen. Wir m\u00f6chten uns dabei nicht von anderen Aktionsformen abheben, sondern konstruktiv und solidarisch Impulse setzen. Wohin es f\u00fcr uns genau gehen soll, wissen wir zum heutigen Tag noch nicht genau, aber wir wissen, wo wir anfangen wollen und sind uns sicher: Nichtstun ist keine Option.<\/p>\n<p>In Sachen militante Organisierung k\u00f6nnen wir auf eine vielseitige Geschichte (allein in der BRD) zur\u00fcckblicken. Wir wollen dabei insbesondere historische Bez\u00fcge zur oft vergessenen Epochen linksradikaler Geschichte wie Partisan*innenk\u00e4mpfen, der Roten Zora und Revolution\u00e4ren Zellen sowie der Militanten Gruppe und vielen weiteren weniger bekannten herstellen, mit unseren Aktionen an ihren Stil ankn\u00fcpfen, aus ihren Erkenntnissen lernen, und sie in stetiger Reflexion an die aktuellen Verh\u00e4ltnisse anpassen. Konkret beginnen wir mit kleinen direkten Aktionen, verstanden als Nadelstiche gegen Knotenpunkte der kapitalistisch-patriarchalen Maschinerie.<\/p>\n<p>Als Beginn haben wir in den Morgenstunden des 06. August 2019 den Amazon Locker in der Eschholzstra\u00dfe in Freiburg im Breisgau zerst\u00f6rte. Amazon liefert nicht nur P\u00e4ckchen, sondern ist zu einem globalen Dienstleister f\u00fcr Polizei-, Geheimdienst- und Milit\u00e4rapparate geworden. Wir wollen die Rolle des Konzerns f\u00fcr den technologischen Angriff thematisieren und dazu aufrufen Amazon zur Rechenschaft zu ziehen. Uns geht es nicht um spektakul\u00e4re Aktionen, sondern darum gezielt und mit einfachsten Mitteln anzugreifen. Es braucht keine Expertise, schwer zug\u00e4ngliches Material oder hohe Risikobereitschaft. Sie werden niemals all ihre Amazon Locker bewachen k\u00f6nnen. Auch Technologie-Riesen sind angreifbar.<\/p>\n<p>Sie markieren den Beginn einer Serie von Texten und Aktionen, die wir versuchen werden, m\u00f6glichst transparent zu machen. Wir hoffen, mit unseren Reflexionen zu Gedanken und Prozessen beitragen zu k\u00f6nnen und von Bezug nehmenden Diskussionen und Aktionen zu erfahren.<br \/>\nBildet feministische autonome Banden!<\/p>\n<p>Gru\u00df und Kuss<br \/>\neine Feministische Autonome Zelle<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4sy6ebszykvcv2n6.onion\/node\/35770\">Indymedia<\/a> (Tor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiburg, 6. August 2019 Dies ist die Gr\u00fcndungsaktion einer Feministischen Autonomen Zelle (FAZ), die in den Morgenstunden des 06. August 2019 den Amazon Locker in der Eschholzstra\u00dfe in Freiburg im Breisgau zerst\u00f6rte. Amazon liefert nicht nur P\u00e4ckchen, sondern ist zu einem globalen Dienstleister f\u00fcr Polizei-, Geheimdienst- und Milit\u00e4rapparate geworden. 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