{"id":10342,"date":"2019-06-20T00:00:28","date_gmt":"2019-06-19T22:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=10342"},"modified":"2019-06-20T00:00:28","modified_gmt":"2019-06-19T22:00:28","slug":"farbe-gegen-apostolische-nuntiatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=10342","title":{"rendered":"Farbe gegen Apostolische Nuntiatur"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin<\/strong>, <a href=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2019\/07\/40678.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-10343\" src=\"https:\/\/chronik.blackblogs.org\/wp-content\/uploads\/sites\/109\/2019\/07\/40678-300x207.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"207\"><\/a>20. Juni 2019<\/p>\n<blockquote><p>Das Thema Abtreibung und Schwangerschaft ist umfassend und geht von den Machtstrukturen der Kirche und patriarchaler Herrschaft aus, bis hin zu individualisierten Entscheidungen, gepr\u00e4gt durch Sozialisation, Klasse, Bildung und Konzerninteressen der Pharmaindustrie. Das Patriarchat ist nicht nur in Gesetzesb\u00fcchern und Psalmen verankert, sondern bildet das Zentrum f\u00fcr die Ausrichtung von Industriekonzernen, die \u00fcber digitale Medien und Labore unsere K\u00f6rper regieren.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund der Verflechtungen, durch die die K\u00f6rper von uns Frauen* regiert werden, wagen wir einen ersten Angriff mit Bitumen auf die Apostolische Nuntiatur aka den Berliner Wohnsitz des Papstes.<!--more--><\/p>\n<p>Machtstrukturen haben keinen klaren Anfangs- und Endpunkt, daher w\u00e4hlten wir einen Ort, von dem repr\u00e4sentativ einige der uns beherrschenden Diskurse und praktische Folgen ausgehen. Denn wie auch der Staat mit der Regulierung des Schwangerschaftsabbruchs \u00fcber Gesetze, tr\u00e4gt die katholische Kirche durch das Propagieren eines Abbruchs als \u201eMord\u201c und der Stigmatisierung und Diskriminierung dieser Frauen* ma\u00dfgeblich dazu bei, Reproduktion zu kontrollieren und Frauen* eine bestimmte Rolle in Familie und Gesellschaft zuzuweisen. Anh\u00e4nger*innen der katholischen Kirche sehen in Abtreibungen moralisch verwerfliche Handlungen, gegen die vor allem emotional argumentiert wird. Frauen*, die \u00fcber einen Abbruch nachdenken oder ihn durchf\u00fchren sind mit Diskriminierungen und Anfeindungen konfrontiert, ob auf dem Weg in die Klinik, unter Freund*innen oder im Netz. Bekannt sind auch F\u00e4lle, in denen \u00c4rzt*innen von katholischen Lebenssch\u00fctzer*innen angezeigt wurden, weil sie \u00fcber Abbr\u00fcche informieren (sog. \u201eWerbeverbot\u201c f\u00fcr den Abbruch). Es wird bei der Betrachtung dieser Akteur*innen aus Politik, religi\u00f6sen Institutionen oder Wirtschaft sichtbar, dass vorrangig M\u00e4nner Entscheidungen gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frauen* treffen. Sie kontrollieren die Debatte und somit die Werte, die daraus entstehen. Sie entscheiden dar\u00fcber, wie Frauen* leben m\u00fcssen, um ihre eigenen Interessen und Machtstrukturen zu st\u00e4rken. Die Bedeutung von Lebensschutzorganisationen, kirchlichen Institutionen und rechten Strukturen ist nicht zu untersch\u00e4tzen. Sie alle pl\u00e4dieren f\u00fcr \u201etraditionelle\u201c Geschlechterrollen und somit f\u00fcr die Unterwerfung der Frau* und ihres K\u00f6rpers!<\/p>\n<p>Freie Entscheidung?<\/p>\n<p>Die Frage einer Schwangerschaft ist verbunden mit dem Diskurs um eine \u201efreie\u201c Entscheidung f\u00fcr ein Kind aufgrund von Beratungsangeboten und Ratgeber*innenliteratur sowie der errungenen \u201eGleichberechtigung\u201c der Frau. Was bedeutet es jedoch Diagnosen zu erhalten, deren Auswirkungen nicht klar sind (statistische Wahrscheinlichkeiten einer Erkrankung eines F\u00f6tus)? Wer trifft letztendlich die Entscheidung \u00fcber den sich entwickelnden F\u00f6tus?<\/p>\n<p>Was bedeutet es, ein Embryo auf die Welt zu bringen trotz diagnostizierter Beeintr\u00e4chtigung? Wie k\u00f6nnen wir von einer \u201efreien\u201c Entscheidung sprechen, wenn eine Schwangere von allen Seiten das Bild eines Menschen vermittelt bekommt, der \u201eanders\u201c sein wird, nicht \u201enormal\u201c, darunter leiden wird und die Frauen* selbst der Stigmatisierung und Ausgrenzung im Alltag ausgesetzt sein werden?<\/p>\n<p>Wir sehen der \u201efreien\u201c Entscheidung gegen\u00fcber ein komplexes Netz an Regierungstechnologien, die \u00fcber die Schwangere sowie das zu geb\u00e4rende Wesen im Sinne staatlicher Kontrolle und kapitalistischer Verwertbarkeit herrschen.<\/p>\n<p>Es gibt unz\u00e4hlige Gr\u00fcnde sich gegen ein eigenes Kind zu entscheiden. Eine Entscheidung, die jede Frau* frei f\u00fcr sich ausmachen k\u00f6nnen sollte, anstatt dazu gezwungen zu werden, sich vor Beratungsstellen, Apotheker*innen, \u00c4rzt*innen und Amtstr\u00e4ger*innen, auf Bullenstationen oder vor Gerichten rechtfertigen zu m\u00fcssen. Aber was hei\u00dft dieses \u201efreie\u201c und eigenst\u00e4ndige Entscheiden in einer Umgebung, die durchzogen ist von Wissenshierarchien, Zw\u00e4ngen und Machtverh\u00e4ltnissen?<\/p>\n<p>Das Patriarchat und der weibliche K\u00f6rper<\/p>\n<p>Die katholische Kirche, wie viele andere religi\u00f6se Institutionen, sprechen sich dagegen aus, dass Schwangere selbstbestimmt \u00fcber ihren K\u00f6rper entscheiden und dar\u00fcber, ob sie ein Kind auf die Welt bringen wollen oder nicht.<\/p>\n<p>Die Frage nach einem generellen Kinderwunsch oder der ungewollten Schwangerschaft ist bereits eine Phase der Fremdbestimmung und Herrschaft \u00fcber den K\u00f6rper von Schwangeren. Sie ist verbunden mit den Vorurteilen \u00fcber die Lebensplanung von Frauen*, die h\u00e4ufig dem konservativen Familienbild entsprechen, bei dem Frauen* das Geb\u00e4ren und Aufziehen von Kindern zu ihrer Lebensaufgabe machen. Hier spielen vor dem Hintergrund des \u201eMarsch f\u00fcr das Leben\u201c offensichtlich politisch-rechte und religi\u00f6se Interessen eine Rolle, sowie tief verankerte Machtanspr\u00fcche auf die Sexualit\u00e4t und den K\u00f6rper der Frau, heute von FLTI*-Personen.<\/p>\n<p>Eine weitere Phase der Fremdbestimmung folgt in der Schwangerschaft, wenn die Diagnose- und Beratungswut \u00fcber die Entwicklung eines beeintr\u00e4chtigten Kindes ansteht. Auch hier spielen andere Interessen als das Wohlbefinden von Frau* und F\u00f6tus eine gro\u00dfe Rolle. Nur gesunde, fitte Menschen sind leistungsf\u00e4hig und k\u00f6nnen damit erw\u00fcnschtes Mitglied der kapitalistischen Gesellschaft werden.<\/p>\n<p>Der weibliche K\u00f6rper und das darin heranwachsende Embryo sind seit Jahrhunderten Austragungsort patriarchaler Macht und somit gilt es damals wie heute, anhand dieses Themas diese Machtverh\u00e4ltnisse zu benennen und anzugreifen.<\/p>\n<p>Medizin und Reproduktion als Arm des kapitalistischen Systems<\/p>\n<p>Diese Diskurse um K\u00f6rper und Medizin haben sich immer mehr in unser Selbstverst\u00e4ndnis eingeschrieben, in Zeiten des Neoliberalismus, in Zeiten der Technologisierung, in Zeiten der Individualisierung. Mit jenen Diskursen meinen wir das Verst\u00e4ndnis von krank und gesund, anders und normal, sch\u00f6n und h\u00e4sslich. Damit meinen wir das blinde Vertrauen, das Menschen in \u00c4rzt*innen legen, allein aufgrund ihrer akademischen, elit\u00e4ren Ausbildung. Damit meinen wir den Drang zu Selbstoptimierung und Arbeitsf\u00e4higkeit, der uns nicht einmal mehr aufgezwungen werden muss, sondern von uns selbst reproduziert wird.<\/p>\n<p>Wem stellen wir unser K\u00f6rperliches zu Verf\u00fcgung und wozu? Wir verlassen uns darauf, was \u00c4rzt*innen uns \u00fcber unsere K\u00f6rper erz\u00e4hlen und geben uns mit dem Ziel \u201egesund\u201c zu werden zufrieden. Wir schlucken die verschriebenen Arzneimittel und akzeptieren die Diagnose \u201ekrank\u201c zu sein, ohne nach den Ma\u00dfst\u00e4ben zu fragen, wo dieses \u201ekrank sein\u201c anf\u00e4ngt und aufh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die geb\u00e4rf\u00e4hige oder schwangere Person wird hierbei gerne als Wissenschaftsobjekt und Experimentierfeld benutzt. Das Kind muss gesund, also \u201enormal\u201c sein: Am K\u00f6rper der Frau* wird erprobt, wie mit Gentechnik auf die Entwicklung des Menschen eingewirkt werden kann. Das hei\u00dft dann Fortschritt und \u201ader Normalb\u00fcrger\u2018 kann der wissenschaftlichen Debatte auf diesem Gebiet schon l\u00e4ngst nicht mehr folgen, sei es aufgrund produzierter Wissenshierarchien durch Fachbegriffe etc. oder mangelnder Transparenz.<\/p>\n<p>Die gesetzlichen Verschiebungen zur Finanzierung von Diagnoseverfahren von Schwangeren, die entscheiden, ob deren Zellhaufen ein Kind mit Beeintr\u00e4chtigungen ausbilden k\u00f6nnte oder nicht, sehen wir kritisch. Zum einen werden \u00c4rzt*innen verurteilt, die im Rahmen ihrer Leistungsdarstellung den Schwangerschaftsabbruch auflisten, zum anderen ist die durch Versicherung finanzierte Abtreibung von als abnormal diagnostizierte F\u00f6tenseit Ewigkeiten gesetzlich \u2013 sogar bis zum 8. Schwangerschaftsmonat \u2013 erw\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Welches Geschlecht wird es haben, ist es \u201aJunge\u2018 oder \u201aM\u00e4dchen\u2018? Auch diese Entscheidung wird von \u00c4rzt*innen bei Intersexuellen durch jahrelange brutale Operationen im Kindesalter empfohlen und aufgrund von Wissenshierarchien meist durchgesetzt.<\/p>\n<p>Und wenn es weiteren Normen nicht entsprechen wird, wie k\u00f6nnen wir auf das K\u00f6rperliche einwirken? Wissenschaftler*innen arbeiten bereits daran, Gene aus dem heranwachsenden Embryo heraus zu trennen und mit \u201egesunden\u201c zu ersetzen.<\/p>\n<p>Wie und was muss vorbereitet werden, um den Jungen, das M\u00e4dchen in den gesellschaftlich etablierten Habitus hineinzuzw\u00e4ngen? Normalisierung, Identit\u00e4tsfindung, Sozialisierung treffen zwar in b\u00fcrgerlich, studierten Kreisen auf tiefgreifende Reflexionen, haben aber in den letzten Jahrzehnten keinen wirklich nachhaltigen Bruch mit Genderzuschreibungen oder Normalisierung erwirkt.<\/p>\n<p>Genauso h\u00e4lt es sich mit Behinderung. Die Lobby ist gro\u00df genug, den Begriff \u201eInklusion\u201c weithin bekannt zu machen, aber sie ist nicht stark genug, das Thema aus der Ecke des bettelnden Hilferufs herauszuholen. Es steht zur Debatte, ob Inklusion jemals ernsthaft ein gesellschaftliches Ziel gewesen sei. Gerade die kirchlichen Einrichtungen sind in der Verwaltung von Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen einer der gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber. Sie sind auch die Institutionen, welche den gesellschaftlichen Umgang mit Behinderung pr\u00e4gen; Es seien jene, die auf Hilfe angewiesen sind, diese besonders brauchen, anders sind etc. Solange es Wohneinrichtungen f\u00fcr Beeintr\u00e4chtigte gibt, Altersheime und \u00e4hnliche \u201esoziale\u201c Einrichtungen, haben wir noch viele Grenzen einzurei\u00dfen.<\/p>\n<p>Angriff als Verteidigung als Neuanfang<\/p>\n<p>Das Objekt ist die st\u00e4ndige Vertretung des Papstes in der BRD. Sie ist Erf\u00fcllungsgehilfin der katholischen Institution.<\/p>\n<p>Sie sind Vertreter*innen oben genannter Machtstrukturen, Verfechter*innen des Patriarchats und verschlossen gegen\u00fcber jeder Emanzipation. Ihre Hoffnung die Herrschaft \u00fcber uns und unsere K\u00f6rper aufrecht zu erhalten, muss durch Angriffe wie diese zerst\u00f6rt werden. Wir wollen die patriarchale Gesellschaft nicht reformieren, sondern abschaffen.<\/p>\n<p>Ein anderes Miteinander muss gelebt werden! Sich kennenlernen, Kompliz*innen werden, den eigenen Fitness- und Gesundheitswahn in Frage stellen, Inwertsetzungsstrukturen wie Bezirks- und Arbeits\u00e4mter, Versicherungen und auch Sozialeinrichtungen angreifen und die weitergehende \u201ezukunftsorientierte\u201c Medizinforschung zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Widerstand leben, damit wir leben k\u00f6nnen\u2026.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/4sy6ebszykvcv2n6.onion\/node\/34038\">Indymedia<\/a> (Tor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 20. Juni 2019 Das Thema Abtreibung und Schwangerschaft ist umfassend und geht von den Machtstrukturen der Kirche und patriarchaler Herrschaft aus, bis hin zu individualisierten Entscheidungen, gepr\u00e4gt durch Sozialisation, Klasse, Bildung und Konzerninteressen der Pharmaindustrie. Das Patriarchat ist nicht nur in Gesetzesb\u00fcchern und Psalmen verankert, sondern bildet das Zentrum f\u00fcr die Ausrichtung von Industriekonzernen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":12080,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[24],"class_list":["post-10342","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-de","tag-berlin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10342","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/12080"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10342"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10342\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10342"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10342"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10342"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}