{"id":10271,"date":"2019-06-07T00:00:28","date_gmt":"2019-06-06T22:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.blackblogs.org\/?p=10271"},"modified":"2019-06-07T00:00:28","modified_gmt":"2019-06-06T22:00:28","slug":"scheiben-bei-venn-und-covivio-eingeschlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.noblogs.org\/?p=10271","title":{"rendered":"Scheiben bei Venn und Covivio eingeschlagen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin<\/strong>, Juni 2019<\/p>\n<blockquote><p>Seit gestern findet im BCC am Alexanderplatz der &#8220;Deutsche Immobilientag&#8221; (1) des IVD statt. Das j\u00e4hrliche Treffen des Lobbyverbands der Makler*innen und Hausverwaltungen (2) hat nach Hamburg (2018) nun wieder Boom-City Berlin heimgesucht. Unter dem frechen Motto &#8220;Wir.leben.Immobilien&#8221;, tauscht sich die Branche \u00fcber die Feinheiten der Vermarktung, Probleme der Verwertung und Profit-Potentiale aus. Wir haben dieses Event der Akteure der Verdr\u00e4ngung zum Anlass genommen, um ein paar von ihnen einem Realit\u00e4tscheck zu unterziehen. Angegriffen wurden die Unternehmen Venn und Covivio, die sich im Co-Living\/ Co-Working-Business tummeln.<\/p>\n<p>Sharing isn&#8217;t Caring<!--more--><\/p>\n<p>In der Dirschauer Stra\u00dfe 10 (Friedrichshain) wurden die Scheiben der Berliner Zentrale des Co-Living Unternehmens Venn eingeschlagen. Venn ist ein mit vielen Millionen Dollar ausgestattetes Startup (3), dass seit 2015 Co-Living an den Standorten Tel Aviv, NewYork und Berlin anbietet. Angeblich leben in den Venn-H\u00e4usern rund 1.000 Menschen. In der Dirschauer Stra\u00dfe kostet ein Ein-Zimmer-Apartment inkl. Nutzung des Co-Workingspaces rund 1.600 Euro (4). In der Seumestr. 1\/Simplonstr. 29 werden auch Einzelzimmer unterm Dach f\u00fcr 600 Euro angeboten. Beide H\u00e4user, die Venn in Berlin betreibt, geh\u00f6ren Gijora Padovicz, der die H\u00e4user vorher entmietet und modernisiert hat (5). Venn z\u00e4hlt zu den Unternehmen, die Kiez und Nachbarschaft als verkaufsf\u00f6rdernd begriffen haben. Dass Padovicz Nachbarschaften erstmal zerst\u00f6rt (wie jetzt im Fall der Liebig34), ist ihnen egal. Doch die Friedrichshainer Nachbarschaft wehrt sich gegen dieses Community-Modell 2.0. Vor dem 1.Mai wurden in dem Objekt in der Seumestr. 30 Scheiben zerst\u00f6rt (6).<\/p>\n<p>An der Sonnenallee wurde letzte Nacht au\u00dferdem ein Service-Center sowie ein Auto der Covivio-Gruppe (7) ramponiert und der Schriftzug &#8220;CoRiot &#8211; Mietstreik&#8221; hinterlassen. Die Firma Covivio ist ein Zusammenschluss der Immeo-Gruppe und der franz\u00f6sischen Immobiliengruppe Fonci\u00e8re des R\u00e9gions. Der Immobilien-Bestand in Deutschland liegt bei rund 50.000 Wohnungen.<br \/>\nDer Konzern setzt seit neuestem auf das Gesch\u00e4ftsmodell des sog. Co-Living und Co-Working. Regul\u00e4rer Wohnraum wird in Arbeitspl\u00e4tze auf Zeit oder eine Art betreutes Wohnen f\u00fcr Yuppies umgewandelt. Dabei geht es Covivio nicht um ein solidarisches Zusammenleben, sondern einzig um Verdichtung: Weniger Raum f\u00fcr mehr Nutzer*innen &#8211; Mehr Rendite f\u00fcr weniger Platz. Dazu geh\u00f6rt: M\u00f6blierte und von sog. Community Manager*innen bespa\u00dfte Wohngemeinschaften oder ganze &#8220;Hausprojekte&#8221;. Die Zielgruppe sind Menschen, die kurzfristig ein Zimmer brauchen, Anschluss in den Metropolen suchen und Karrierenetzwerke aufbauen wollen. So lange das junge, akademische und technikverliebte Milieu in den Covivio-Behausungen auf Leistungs- und Erfolgskurs bleibt, ist alles in Ordnung. Wer versagt f\u00e4llt schnell raus aus dem care-Modell des Plattform-Kapitalismus.<br \/>\nIn Neuk\u00f6lln hat sich Covivio mit der Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen einen Namen gemacht (8). Aktuell baut der Konzern am Columbiadamm ein siebenst\u00f6ckiges Haus mit Eigentumswohnungen (9). Covivio ist nur ein Akteur, der an der Gentrifizierungs-Spirale aus Entmietung, Verdr\u00e4ngung, Modernisierung, Umwandlung in Eigentum und Luxus-Neubau dreht. Neuk\u00f6lln hat in den letzten Jahren massive Angriffe durch Investor*innen und kapitalkr\u00e4ftige Klientel abbekommen. Die Mieten sind immens gestiegen, ganze Stra\u00dfenz\u00fcge, wo vorher eine gewisse Kiezkultur herrschte, sind als reine Kapitalanlagen verwaist. Doch anders als in anderen Bezirken ist dieser Proze\u00df in Neuk\u00f6lln noch nicht abgeschlossen. Widerstand lohnt sich.<\/p>\n<p>Mit dem CoRiot gegen CoLiving setzen wir uns solidarisch in Bezug mit allen, die sich gegen Gentrifizierung engagieren und nicht-kommerzielle Projekte des Zusammenlebens etablieren. Liebig34 und Syndikat bleiben!<\/p>\n<p>(1) https:\/\/deutscher-immobilientag.de\/<br \/>\n(2) https:\/\/ivd.net<br \/>\n(3) https:\/\/en.globes.co.il\/en\/article-israeli-startup-venn-builds-neighborhoods-of-the-future-1001254674<br \/>\n(4) https:\/\/m.venn.city\/berlin\/<br \/>\n(5) https:\/\/padowatch.noblogs.org\/seume1-2-nach-5-jahren-modernisierung-nun-50-ferienwohnungen\/<br \/>\n(6) https:\/\/de.indymedia.org\/node\/31760<br \/>\n(7) https:\/\/www.covivio.eu<br \/>\n(8) http:\/\/www.mietenbuendnis.de\/1-covivio-veranstaltung-19-11-18\/<br \/>\n(9) http:\/\/nk44.blogsport.de\/2018\/11\/23\/es-wird-gebaut-in-neukoelln\/<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: Indymedia<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, Juni 2019 Seit gestern findet im BCC am Alexanderplatz der &#8220;Deutsche Immobilientag&#8221; (1) des IVD statt. 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